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ZDF zeichnet Adventskonzert in der Dresdner Frauenkirche auf

Sendung am Sonntag ZDF zeichnet Adventskonzert in der Dresdner Frauenkirche auf

Zum Ersten Advent und zu Silvester: Gleich zwei Mal sendet das ZDF im Dezember Musik aus Dresden. Die Musik-Chefin des Senders Anca-Monica Pandelea will damit auch Zeichen setzen. Für die DNN sprach Axel Brüggemann mit der 1952 in Rumänien geborenen Pandelea.

Stimmungsvoll: das ZDF-Adventskonzert, hier von 2006.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Zum Ersten Advent und zu Silvester: Gleich zwei Mal sendet das ZDF im Dezember Musik aus Dresden. Die Musik-Chefin des Senders Anca-Monica Pandelea will damit auch Zeichen setzen. Für die DNN sprach Axel Brüggemann mit der 1952 in Rumänien geborenen Pandelea, die selbst eine Ausbildung zur Konzertpianistin durchlaufen hat und beim ZDF bereits seit 14 Jahren den Programmbereich Musik verantwortet.

Frage: Frau Pandelea, seit Jahren kommt das ZDF für das Advents- und das Silvesterkonzert nach Dresden - warum eigentlich?

Anca-Monica Pandelea: Weil Dresden eine wunderschöne Stadt ist. Und damit meine ich nicht allein die äußere Schönheit und die Architektur, sondern auch das institutionelle Erbe, das für mich ein Abbild der Hochkultur darstellt: Die einmalige Staatskapelle, die Semperoper, der Kreuzchor, für den Dresden in der ganzen Welt bewundert wird, aber auch die Museen der Staatlichen Kunstsammlungen. Das Besondere dieser Stadt ist, dass es den einzelnen Institutionen gelungen ist, ihren Geist kontinuierlich zu beleben und sich heute mit den Fragen und Ansprüchen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Außerdem ist diese Stadt natürlich auch historisch bedeutsam. Viele Epochen der europäischen Geschichte haben sich in Dresden zugespitzt, die glorreichen ebenso wie die dunklen. Die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, die Bedeutung der Kultur innerhalb einer Diktatur - aus vielen dieser Erfahrungen können wir noch heute lernen.

Derzeit wird ein großer Teil des Dresden-Bildes allerdings von den Pegida-Demonstrationen geprägt.

Deshalb finde ich es gerade jetzt wichtig, dass wir auch ein anderes Bild dieser Stadt zeigen, einen weltoffenen Geist, der in Dresen immer zu Hause war. Sowohl im Advents- als auch im Silvesterkonzert kommen Menschen ja nicht zusammen, um zu demonstrieren, sondern um die Gemeinsamkeit zu feiern: Musiker aus vielen Ländern spielen die Musik von internationalen Komponisten, und die einzelnen Ensembles verweisen dabei auf ihre internationale Tradition. Für mich ist das ein wichtiges Zeichen. Grundsätzlich sehnen sich die Menschen nach Frieden und Gemeinschaft - erst durch diese Sehnsucht entsteht große Kunst.

Kann Musik in diesem Sinne auch politisch sein?

Ich glaube nicht daran, dass die Musik konkrete Botschaften hat. Sie ist: Musik. Aber gerade das macht sie auch aus. Musik hat vielleicht die Kraft, Menschen mit unterschiedlichen Glauben, mit unterschiedlichen politischen Auffassungen, mit unterschiedlicher Herkunft zu verbinden. Denn alles, was sie behauptet, ist der Glaube an grundsätzlich humanistische Werte. Gleichzeitig verlangt sie uns aber auch etwas ab: das Zuhören und eine Form der Empathie. Wenn sich Menschen also versammeln, um Musik zu hören, feiern sie immer das Verbindende und das Miteinander, nicht das Ausgrenzende. Und das halte ich gerade in diesen Tagen für wichtig.

Wie beeinflusst diese Auffassung von Musik das Programm des Adventskonzertes?

Wir spielen in der Frauenkirche besinnliche vorweihnachtliche Musik, Werke von Humperdinck, Weber, Mendelssohn, Händel und Bach. Wir zeigen, dass gerade die deutsche Musik immer internationale Bindungen hatte. Und ich freue mich auf den Dirigenten Donald Runnicles, auf Sonya Yoncheva und Luca Pisaroni als Sänger.

Das Konzert selbst findet traditionell in der Frauenkirche statt, auch das ist ja ein Zeichen, oder?

Das ZDF war von Anbeginn intensiv am Wiederaufbau der Frauenkirche beteiligt. Das erste Adventskonzert haben wir im Jahre 2000 noch von der Baustelle übertragen. Damals sang Cecilia Bartoli und Giuseppe Sinopoli dirigierte. Seither ist das Adventskonzert ein unverrückbarer Programmpunkt im ZDF. Eine Tradition, die auch beim Fernsehpublikum angekommen ist. Es weiß, dass wir den Ersten Advent jedes Jahr um 18 Uhr in Dresden feiern, und öffnet dafür seine vorweihnachtlichen Wohnzimmer. Die Übertragung schafft eine große Aufmerksamkeit - und anders als zu den Pegida-Demonstrationen strahlt Dresden hier nun seine Weltoffenheit aus. Die Frauenkirche ist dafür ein ideales Zeichen.

Wofür steht die Frauenkirche konkret?

Immerhin haben Bürger, Institutionen und Mäzene aus der ganzen Welt sich am Aufbau beteiligt. Die Frauenkirche ist ein Zeichen internationaler Solidarität geworden. Nur durch gemeinsame Anstrengungen konnten die Schrecken, Grausamkeiten und Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überwunden werden. Dass es Dresden und seinen internationalen Freunden gelungen ist, die Kirche wieder aufzubauen, ist für mich auch ein Zeichen, dass das Motto vom Brückenbauen, davon, die Versöhnung zu leben, ein wesentlicher Grundpfeiler der modernen Gesellschaft geworden ist. Letztlich zeigt gerade die Frauenkirche, dass wir heute mitmenschlich und international denken müssen.

Ein Symbol, das gerade die Musik zu feiern scheint.

Oh ja, und die Musik klingt in diesem Raum auch ganz besonders. Seit jeher haben Kirchenbaumeister die Architektur als Möglichkeit empfunden, die Entfaltung des Klanges zu fördern. Und das ist in jedem Konzert an diesem einzigartigen Ort zu hören: Musik, die in den Wänden der Frauenkirche gespielt wird, verströmt eine unglaubliche Intensität und Wahrhaftigkeit.

Seit 2012 wird das Adventskonzert auch auf einer Leinwand nach draußen übertragen.

Das ist eine wunderbare Einrichtung geworden. Der Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt ist eröffnet, die Menschen versammeln sich für ein besinnliches Miteinander - alle sind voller Erwartung. Es ist großartig, dass die Dresdner selbst bei klirrender Kälte kommen, um gemeinsam die Musik zu genießen und sich im Zeichen des Miteinanders und der Weltoffenheit zu versammeln.

Zum Silvesterkonzert wird das ZDF dann schon wieder nach Dresden kommen...

... ja, dieses Mal mit Lang Lang und Christian Thielemann und einem, wie ich finde, spannenden Programm: Lang Lang wird Griegs Klavierkonzert und die Rhapsody in Blue von Gershwin spielen. Danach wird die Staatskapelle uns mit Stücken von Gershwin und Bernstein auf das neue Jahr einstimmen.

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