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Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ am Dresdner Societaetstheater

Premiere Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ am Dresdner Societaetstheater

Das dem einen der Horrorfilm, ist dem anderen der Krimi: Hauptsache, es gibt ein paar Leichen – und dann ein Happy End, bei dem der/die Schuldige(n) ihrer gerechten Strafe zugeführt wird/werden. Damit können die Dramen der französischen Autorin Yasmina Reza nicht dienen.

Streit unter Erwachsenen: Mario Grünewald, Oda Petzschner und Tom Mikulla (v.l.) lassen in „Gott des Gemetzels“ die Fetzen fliegen.
 

Quelle: Volker Metzler/ PR

Dresden.  Was dem einen der Horrorfilm, ist dem anderen der Krimi: Hauptsache, es gibt ein paar Leichen – und dann ein Happy End, bei dem der/die Schuldige(n) ihrer gerechten Strafe zugeführt wird/werden. Damit können die Dramen der französischen Autorin Yasmina Reza nicht dienen. Keiner ihrer Protagonisten ist da wirklich gut, keiner wirklich böse – und doch fliegen die Fetzen, wenn auch nur verbal, aber auch Worte können bekanntlich unheimlich verletzen. Der Erfolg Rezas besteht nicht zuletzt darin, dass sie – und zwar vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, in der viele die einzig wahre Wahrheit für sich gepachtet zu haben glauben – die Akteure ihrer Romane und Dramen regelmäßig an die Grenze zwischen Schein und Sein stoßen und einander in bissig geführten Wortgefechten bittere Wahrheiten um die Ohren hauen lässt. Und das ist auch in dem als „Komödie“ ausgewiesenen Stück „Der Gott des Gemetzels“ so, das nun von Constanze Kreusch am Societaetstheater in Szene gesetzt wurde.

„Zum Glück gibt es die Kunst des zivilisierten Umgangs miteinander“, meint Véronique (Oda Pretzschner) zu Beginn – und da ahnt man schon, dass es mit der Kunst nicht weit her sein wird. Dabei hatten sie und ihr Mann Michel (Mario Grünewald), deren Sohn Bruno bei einer Prügelei mit Ferdinand, dem Sohn von Alain (Tom Mikulla) und Annette (Anne Keßler), mit einem Stock verletzt wurde, doch alles richtig machen wollen. Anfangs scheint alles klar, man macht ein bisschen Smalltalk, fragt nach den Berufen, lobt die Blumen in der Vase, zeigt sich um Konsens bemüht, weshalb Véronique und Michel auch bereit sind, in dem Schadensprotokoll für die Versicherung die Formulierung „mit einem Stock bewaffnet“ durch „mit einem Stock ausgestattet“ zu ersetzen.

Aber peu à peu blättert, und zwar nicht nur wegen ein paar Drinks zuviel, der Lack der bürgerlichen Kultiviertheit ab, ist „Schluss mit diesen versöhnlichen Tönen“, zumal auch nicht wirklich eindeutig klar ist, wer Täter und Opfer ist. Als Michel und Véronique erfahren, dass ihr Sohn Bruno Anführer einer Bande sin soll, ist die Mutter entsetzt, während der Herr Papa sich diebisch freut, war er doch auch mal Anführer einer Bande.

Und es ist beileibe nicht so, als würde in dieser bitterbösen Komödie, in der Reza in bewährter Manier mehr oder minder einfache Menschen um die vierzig zu Objekten ihrer Beobachtung macht, einfach Ehepaar A gegen Ehepaar B kämpfen. Nein, Michel droht nicht nur, zur Gegenseite überzulaufen, er tut es auch, nicht zuletzt weil er dieses auf alles abfärbende Engagement Véroniques „für die Neger in der Sahelzone“ aber auch so was von satt hat. Und Alain ist erst recht kein Gutmensch, sondern verkündet stolz, dass er an den Gott des Gemetzels, wie er in Teilen Afrikas verehrt wird, glaubt. Es gehöre nun mal zum Gesetz des Lebens, dass sich Jungs in der großen Pause prügeln. Immer wieder kommt es zu wechselnden Koalitionen, so verstehen sich die Männer für einen Moment, als sie sich über die Qualität des zu verkostenden Alkohols austauschen.

Man sagt Reza nach, dass sie die Perlen der Worte beherrscht. Und es sind eben diese Perlen, die den Reiz der sich eng an die Vorlage haltenden Inszenierung ausmachen. Die Spannung bleibt bis zum Schluss, nie lässt sich absehen, wie diese unerbittlichen Wortgefechte ausgehen könnten. Auch das Spiel der vier Akteure überzeugt, allenfalls Grünewald spricht im ersten Drittel vielleicht etwas zu manieriert, doch vielleicht will sein Michel damit auch nur die eigene Unsicherheit überspielen. Aber er zeigt dann schon, dass er „kein Gutmensch, sondern ein Choleriker ersten Ranges“ ist. Keiner – bis auf den Anwalt Alain vielleicht – ist das, was er scheint. Selbst Annette, die zunächst wie ein braves Mäuschen an Alains Seite wirkt, wird zur rasenden Furie. Aber zwei, drei Kotzanfälle weniger – dies der einzige kleine Vorwurf an die Regie – hätten’s ruhig sein können.

nächste Vorstellungen: 8. & 9.4., 20 Uhr

Von Christian Ruf

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