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Yadegar Asisi arbeitet an Panorama des zerstörten Dresden

Yadegar Asisi arbeitet an Panorama des zerstörten Dresden

"Die Idee muss so stark sein, dass die Motivation, diese Idee umzusetzen, über die Zeit trägt", sagt Yadegar Asisi. Der heute in Berlin lebende Architekt und Künstler ist bekannt für seine riesigen, beeindruckenden Panoramen.

So verschaffte er z.B. Panometer-Besuchern die Chance, zum Mount Everest zu "reisen" - ins letzte Basislager in 6000 Metern Höhe. Er entführte ins Amazonasgebiet, eröffnete mit "Rom 312" einen Blick in die Geschichte einer antiken Weltstadt, zeigt Leipzig nach Ende der Völkerschlacht, bringt den Dresdnern nahe, was das barocke Dresden ausmachte.

Seit vier Jahren nun arbeitet Yadegar Asisi mit seinem Team an einem Rundbild, das die Stadt Dresden wenige Tage nach der Bombardierung im Februar 1945 zeigt. Erstmals zu sehen sein soll es Anfang kommenden Jahres, wenn zum 70. Mal der Zerstörung Dresdens gedacht wird.

Ein politisch heikles Thema, weiß Asisi aus Reaktionen. Doch für ihn stand nie die Frage, sich dieser Diskussion vielleicht lieber zu entziehen. Denn die Zerstörung Dresdens beschäftigt den gebürtigen Wiener mit persischen Wurzeln seit seiner Jugend. "Als alter Dresdner wollte ich das unbedingt angehen."

Asisi hat an der TU in Dresden Architektur studiert. "Zu dieser Zeit - in den 70er Jahren - hat man die Wunden der Stadt noch sehr deutlich gesehen. Vom einst dicht bebauten Neumarkt war nichts mehr übrig. Vom Altmarkt zur Kunsthochschule habe ich nur zwei, drei Minuten gebraucht. Durch das Studium kannte ich die Pläne der Stadt und wusste, was da mal stand. Das hat mich schon damals sehr berührt und mein Leben lang nie mehr losgelassen."

Für den Panoramakünstler steht Dresden für die Tragik, aber auch die Hoffnung einer europäischen Stadt. "Denn nicht nur in Dresden verschwanden im Zweiten Weltkrieg von einem Moment zum anderen über Jahrhunderte gewachsene Strukturen."

Mittlerweile sind viele Jahrzehnte vergangen, die Städte wurden wieder aufgebaut. Die Zahl der Zeitzeugen verringert sich von Jahr zu Jahr. "Doch der Wahnsinn des Krieges darf nicht in Vergessenheit geraten. Jede Generation kann der Anfang einer neuen Katastrophe sein. Das zu verhindern ist ein Kampf, den wir jeden Tag kämpfen müssen. Im Großen wie im Kleinen, auch in der Familie", sagt Asisi.

"Was mich treibt, ist die Hoffnung, dass ich mit dem Panorama vom zerstörten Dresden die Betrachter emotional berühren und zum Nachdenken anregen kann. Wo positionieren wir uns heute? Tun wir das Richtige? Sind wir bereit - und diese Frage muss sich jede Generation neu stellen - aus diesen Erfahrungen zu lernen?" Asisi meint das durchaus auch in Bezug auf die Stadtpolitik. "Man sieht an der Architektur, wir sehr man sich verrennen und vom Ziel abweichen kann. Wir sollten gemeinsam in einem konstruktiven Dialog darüber nachdenken, wie wir ein lebenswertes Miteinander gestalten können, ohne uns in feindseligen Diskussionen darüber zu zerfleischen."

Yadegar Asisi will mit seinem Panorama das zerstörte Dresden vom Rathausturm aus zeigen - in Anlehnung an die berühmten Fotos von Peter Pöppelmann oder auch Walter Hahn. Trotzdem wird es völlig anders sein. "Denn die historischen Fotos zeigen die Stadt frühestens zwei, drei Monate nach der Bombardierung, als die Menschen schon mit dem Aufräumen begonnen hatten. Ich möchte jedoch das Dresden unmittelbar nach der Zerstörung abbilden. Es wird ein Bild sein, was man in dieser atmosphärischen Dichte so noch nie gesehen hat."

Eine unerhörte Herausforderung, denn für eine möglichst authentische Darstellung bedarf es einer immensen Recherche. Die führte das alles in allem zehn Mitarbeiter umfassende Produktionsteam rund um Asisi nicht nur in diverse Archive. Sondern man begab sich auch in der Stadt selbst auf Spurensuche. Das detailreiche 360-Grad-Panorama entsteht aus unzähligen Bildebenen am Computer aus Fotografien, Zeichnungen und Malerei, bevor es auf große Stoffbahnen gedruckt und aufgehängt wird. "Nicht jeder Trümmerstein ist belegt. Ich habe eine künstlerische Freiheit, die ich mir auch nehme." Natürlich ist ein solches Panoramabild Teamarbeit. "Dennoch gibt es keinen Bildpunkt, der ohne mein Zutun gesetzt wird."

Auf dem Panoramabild des barocken Dresden erzählt Asisi Episoden aus der Stadtgeschichte mit Hilfe von Menschendarstellungen. Wie wird das beim Bild vom zerstörten Dresden sein? "Sie spielen auf jeden Fall eine untergeordnete Rolle. Auf welche Art und Weise, da bin ich mir noch nicht sicher."

Geplant ist, dass die Besucher zunächst durch die Begleitausstellung gehen, die das barocke Dresden näher bringt. "Dann wollen wir einen kurzen Film zeigen, der erzählt, wie sich Dresden im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Natürlich wird darin auch die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert", betont Yadegar Asisi. Zudem möchte er den Aspekt des Wiederaufbaus berücksichtigen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2014

Catrin Steinbach

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