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Xavier Naidoo verneigt sich vor Dresden - Mehr als 10 000 Gäste singen für die Liebe

Xavier Naidoo verneigt sich vor Dresden - Mehr als 10 000 Gäste singen für die Liebe

Die große Bühne noch dunkel, eine bekannte Stimme aus dem Hintergrund, und plötzlich ist er wieder da: Xavier Naidoo ist privat in den Hafen der Ehe eingefahren, hat in den letzten Monaten die Dinge etwas ruhiger angehen lassen und versucht, die Karten neu zu mischen.

Was dabei heraus kam, zeigt er gerade auf einer gut verkauften Tournee. Jetzt waren seiner Einladung ans Elbufer mehr als 10 000 zahlungswillige Gäste gefolgt und bestimmt noch einmal so viele, die es sich mit Grill und Sektchen vor dem Zaun gemütlich gemacht hatten. Zumindest ist eines mit dieser Resonanz bewiesen, das Phänomen Naidoo hat noch längst nicht verspielt. Mit geübter Stimme ist es ihm permanent möglich, seine Fans um den Finger zu wickeln, aus dem Grund gibt es keinen Anlass, das Programm zu modifizieren, sich anderen Themen zuzuwenden oder die Spiritualität in den Songs zu neutralisieren.

Zugegebenermaßen, vor einigen Jahren gab es viele Zweifler, die es nicht für möglich hielten, dass diese in Musik gegossene Schwermut, der dosierte Nihilismus tatsächlich die Basis für einen Erfolg sein könnten, doch in den letzten 15 Jahren sind die Konzerte immer größer geworden und Chartplatzierungen konstant geblieben. Junge, Alte, Familien, kleine Kinder - jeder ist in der Lage, seine Hits mitzusingen. Aus der Perspektive betrachtet zählt Naidoo viel- leicht zu den erfolgreichsten Wanderpre- digern, den die Kirche derzeit auf Reise schicken kann. Die Themen, die er seinem Publikum immer wieder vorsetzt, könnten schwerverdaulicher kaum sein. "Bei meiner Seele" trägt die Thematik bereits im Titel, dass hier ein Strip bis auf die Schlüpfer kommen muss, liegt in der Natur der Sache. Aber selbst wenn Naidoo "Das Aufgebot" bestellt, dann bittet er nicht um Aufmerksamkeit in eigener Sache, wie die zeitliche Nähe zum Eheschluss impliziert, nein, ihm geht es um die Freiheit, die Gefühle und die Akzeptanz: "... nie wieder kommt dir dein Ego in die Quere, du bist frei und hoffst, dass auch ein Wunsch frei wäre, doch sieh zu, dass du tust, was du tun musst ..." - Bibeltexte ins Hier und Jetzt transferiert könnten eingängiger nicht sein.

Ein schöner Einfall war auch die Simultanübersetzung des Titels "Hört, Hört" in Gebärdensprache, dort, wo sonst die Musiker einen Platz auf der Displaywand finden, tauchte die Dolmetscherin auf, die geräuschlos ein Stück Musik von sich gab. "Wenn die Musik kommt, bringt sie dir Worte mit, und das Gefühl kommt auf, dass es wie eine Pforte ist, in einer andern Welt ...", Zeilen, die über einen kleinen Umweg eine andere Dynamik bekamen.

In diesem Duktus ging es Song auf, Song ab, kaum eine Verschnaufpause, die Naidoo seinem Publikum einräumte, allenfalls als er den Überraschungsgast des Abends auf die Bühne holte, waren einige Momente die Gedanken frei. Nach vielen Jahren Gerichtsverfahren, wüsten Beschimpfungen, gefolgt von eisigem Schweigen, hatten sich Naidoo und Moses Pelham getrennt, Vertragsstreitigkeiten waren damals wohl der Auslöser. Im vergangenen Jahr kam dann die überraschende Wende, Naidoo und Moses P. standen zum ersten Mal wieder gemeinsam auf einer Bühne, kämpften mit den Tränen und gaben zu, dass sie immer aneinander gedacht haben und nie vergessen wollten, wie der andere tickt.

Der Rödelheim Hartreimer war in den 90ern nicht nur auf der Bühne erfolgreich, seine Firma 3P veröffentlichte nicht nur die Werke von Sabrina Setlur, sondern auch die von Xavier Naidoo, und am Ende beendete ein Richter den Kontakt. Naidoo stieg weiter auf der Erfolgsleiter nach oben und Moses P. boxte sich durchs Leben, traf dabei das Nasenbein von Stefan Raab ungünstig, und weitere Höhepunkte folgten - jetzt also die Versöhnung auf der Bühne und die Rückkehr ins Rampenlicht. "Deine Last" warf eine Last über Bord und war damit eines der stimmgewaltigen und frischen Stücke der Nacht, die dem Konzertbesucher eine kleine Verschnaufpause verschafften, bevor es wieder umfangreich die Themen Respekt, Ehre, Achtung, Liebe und Vertrauen zu verdauen galt. Dazu brauchte Naidoo dann die Bühne für sich, nutze die Zeit der Zugaben gern aus, um sich in die Herzen der weiblichen und männlichen Fans zu singen, motivierte die Herren, eine Hommage an ihre Partnerinnen zu intonieren, und verließ die Bühne nach einem Programm, das wenige Überraschungen offenbarte, dafür gewohnt emotional gelebt wurde.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2013

Stephan Wiegand

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