Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Google+
Wunderland - Sigur Rós machten in der Jungen Garde Dresden alles richtig

Wunderland - Sigur Rós machten in der Jungen Garde Dresden alles richtig

Man kann sich nach einem Sigur Rós-Konzert auf die Suche nach Elfen oder dem Polarlicht machen, ohne Zweifel. Man kann sich wundern, wie die isländische Band plus viel instrumentaler Unterstützung eine ziemlich abgefahrene Symbiose aus Musik, Gesang und ästhetisch bizarr-bezaubernden Bildern unter den Dresdner Nachthimmel nagelt.

Voriger Artikel
„Fête de la Musique“: Musik und Tanz am längsten Tag des Jahres
Nächster Artikel
Die sechs großen Freiluftbühnen der Region starten mit neun Premieren in die Sommertheatersaison

Sigur Rós

Quelle: pr

Man kann hinterher sein Fahrrad sinnierend nach Hause schieben und sich fragen, was genau die Leute fesselt an Sigur Rós. Elfen und Polarlicht fallen in unseren Breiten aber aus, also bleiben das Wundern und die Frage als Ergebnis eines eigenwillig-beeindruckenden Abends in der ziemlich vollen Jungen Garde.

Sigur Rós also, dieses Phänomen. Was genau macht sie dazu? Die stellenweise Trance, die sie tatsächlich verbreiten können? Etwas über die Musik hinaus Gehendes, fast Metaphysisches? Oder viel profaner: ihr Herkunftsland? Island scheint gerade die richtige Mischung aus westlicher Verwurzelung und Exotik zu bieten – unzweifelhaft ein wichtiger Aspekt beim Aufstieg ins Musikgeschäft. Doch ist das alles? Das frage ich mich und bekenne, kein eingefleischter Sigur Rós-Fan zu sein. Also nehme ich den Beginn lächelnd. Der aber hat noch einen Epilog, also die Vorband. Oake springen ein, sollen aus dem Dunstkreis von Sigur Rós stammen, geben sich pathetisch-dunkel, versuchen sich am Hypnotischen. Sie scheitern, trotz des Beifalls, den sie nach einer Dreiviertelstunde empfangen.

Oake ersetzten Lestat Vermon, hinter dem sich Polarkreis 18- und Woods of Birnam-Gitarrist Philipp Makolies verbirgt. Wenige Tage vor dem Konzert war er noch als Support vom Veranstalter beworben worden, kam aber nicht. Warum auch immer. Sprach ich vom Beginn? Plötzlich sind sie also da, die drei – Jón Þór „Jónsi" Birgisson, Georg „Goggi" Hólm, Orri Páll Dýrason – und ihre achtköpfige Instrumental-Mannschaft, die im Lauf des Abends keine Wünsche offen lassen wird. Der Elfer funktioniert grandios. Wenn Islands Fußballer so zusammenspielen würden wie die Postrocker von Sigur Rós mit ihren Gastmusikern, müsste die Fußballgeschichte neu geschrieben werden. Aber ich schweife ab.

Auftakt! „Hrafntinna", „Ísjaki", „Kveikur", „Brennisteinn" – alles Titel von der vor wenigen Tagen erst erschienenen neuen Platte „Kveikur". Hier hält man sich nicht lange auf mit Vergangenem. Der Ritt ist aber keiner auf der Rasierklinge, das Publikum scheint den jüngsten Output der Isländer im Gegenteil fast herbeizuwünschen. Hier deutet sich an, was gut anderthalb Stunden lang andauern wird: Die bereits erwähnten Bilder – auf eine schmale, dafür breite Fläche über der Bühne projiziert – sind nicht einfach Illustrationen zur Musik. Das Visuelle und die Klänge durchdringen sich, dazu Jonsis Stimme, die in ihrer Höhe und Brüchigkeit stellenweise tatsächlich an Björk erinnert. Eine Trias, die staunen macht. Später kommt auch Älteres Material wie „Olsen Olsen" oder „Festival". Begrüßt und beklatscht.

Die „Kveikur"-Songs aber bleiben noch tiefer haften. Ambient tritt dort nämlich in den Hintergrund, es dominiert Rock (ohne Post-, bitte) in einer sehr modernen Fassung, manchmal bis ins Sinfonische übersteigert oder mit Pathos bekritzelt. Aber immer beeindruckend. Das führt zur eingangs erwähnten Frage: Was machen Sigur Rós anders als andere? Immer noch schwer zu sagen. Doch vielleicht liegt ihr Erfolg in den Zeiten begründet. Die Welt, die sie in ihrer Musik und ihren Bildern malen, ist eine diffuse. Nur wenig wird klar, vieles verschwimmt, ohne sich aber zu verlieren. Ein Grundgefühl im Hier und Jetzt? Die Fragen werden nicht weniger.

Apropos Erklärungsmuster für Sigur Rós: Zuletzt reihte sich ein wahrlich Großer der Gilde in den Chor der Bewunderer ein: Kurt Wagner, Kopf und Stimme von Lambchop (die übrigens auch mal wieder in Dresden aufschlagen sollten). Dass Wagner den Isländern bescheinigt, „schöne ätherische Musik zu machen", überrascht dabei sicherlich kaum. Sein launiges Kommentieren der jüngsten Platte „Kveikur" endet mit der Schilderung eines parallel aufziehenden Unwetters, das auch Wagners Hunde ganz kirre macht. Finale Sätze des Mannes aus Nashville, nachdem er das Album durchgehört hat: „Es lässt mich zurück mit dem Geräusch des Regens und hündischer Furcht. Großartig." Was will ich da eigentlich noch schreiben?

Torsten Klaus

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr