Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
"Wolkenbilder" am TJG-Puppentheater in Dresden als deutschsprachige Erstaufführung

"Wolkenbilder" am TJG-Puppentheater in Dresden als deutschsprachige Erstaufführung

Auf der Bühne im TJG-Puppentheater ist ein Neubaugebiet in Miniatur aufgebaut, das täuschend echt aussieht. Zwei Puppen erscheinen, die Gesichter sind klar und der Ausdruck des Staunens hineingeschnitzt.

Voriger Artikel
Tonlagen: Wenig erhellendes "Diskurskonzert" über das Außergewöhnliche
Nächster Artikel
Südmähren steht im Mittelpunkt der 16. Tschechisch-Deutschen Kulturtage

"Wolkenbilder": Es spielen Annemie Twardawa und Manuel de la Peza.

Quelle: Dorit Günter

Sie werden von den Puppenspielern am Kopf geführt, während die Puppenfüße in deren Schuhen stecken. Wenn sie so im Doppelpack über die Bühne laufen, dann sieht auch das täuschend echt aus. Aber eben nicht ganz - und das ist komisch.

So macht die Premiere von "Wolkenbilder" im Rundkino von Anfang an Spaß. Die beiden Puppenspieler stecken in silbrigen Ganzkörperkostümen, so dass Gesichter und Identität unerkannt bleiben. Die Akteure bewegen sich gleich Spiderman zu der bald einsetzenden Musik, üben sich in Tango-Pose und Körper-Akrobatik. Und schon ist der Zuschauer, ob klein oder groß, mitten in der Handlung.

Worum es in dem Stück geht, wird erfrischend straff erzählt. Zwei Jungen, die im gleichen Hochhaus leben, werden beste Freunde. Theo und Beeny machen gemeinsam Blödsinn, wie zum Beispiel Schuhe mit Ketchup in der Mikrowelle "zubereiten". Sie tun unerlaubte Dinge, vor allem finden sie immer ein gemeinsames Spiel. Am liebsten schauen sie sich die Wolken an und denken sich aus, dass es Hunde sind oder ein fürchterlicher Gorilla oder Pferde, auf denen sie reiten. Die beiden sind wie eine Seele in zwei Körpern, wie Aristoteles einmal das Wesen der Freundschaft bezeichnete.

Dann kommt der Tag, ab dem alles anders ist. Beeny verreist mit seiner Mutter für ein Jahr nach Indien. Beeny vermisst die Wolken in dem anderen Land. Theo versucht es mit anderen Freunden, aber es will nicht passen. Die Traurigkeit breitet sich spürbar in dem kleinen Saal aus. Und dann - ist Beeny wieder da. Die Erwartungen der beiden sind riesig, doch sogleich müssen sie feststellen, dass sie sich verändert haben, dass sie sich nun für unterschiedliche Dinge interessieren. Selbst beim Wolkenbilder-Gucken kommen sie nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Streit bricht aus, und die Gewitter-Stimmung zerrt an den Nerven der Zuschauer.

Das Stück des britischen Dramatikers Mike Kenny ist eine deutschsprachige Erstaufführung. Regisseur Nils Zapfe, der im Dresdner Puppentheater auch den "Gestiefelten Kater" inszeniert hat, erzählt sie ehrlich und nachvollziehbar. Die Kunstfertigkeit des Theaters drückt sich hier vor allem in der Requisite von Ramona Rauchbach aus - die Idee der Spiderman-Anzüge trägt durch das ganze Stück, und die Bühnen-Hochhäuser können sich auf verblüffende Weise in Tisch und Stühle verwandeln. Die feine Poesie aber, all die guten Emotionen, die in dem Thema Freundschaft so wunderbar mitschwingen, finden in multimedialen Aktionen einen passenden Rahmen. Hier wird vor einer kleinen Kamera gespielt und zeitgleich auf die obere Bühnenebene projiziert. Ein Film - von Franz Ehrenberg in Dresdner Neubaugebieten gedreht - wird gezeigt, so dass man sich schon fast wie im Kino fühlt. Dazu bleibt auf der Bühne immer noch Gelegenheit für eine kleine Überraschung.

So zum Beispiel der dreimalige Wechsel der Puppen-Gestalt von mittelgroß zu handpuppenklein bis lebensecht. Die beiden Schauspieler Annemie Twardawa - die auch die Puppen hergestellt hat - und Manuel de la Peza spielen sicher und nah am Publikum, was dem großen Vorteil dieser kleinen Bühne entspricht. Eine Unsicherheit hat sich möglicherweise eingeschlichen, wo es um den Übergang in das "coole Alter" geht. Sieht Coolness aktuell nicht irgendwie doch noch "cooler" aus?

Die Geschichte von der Freundschaft jedenfalls geht gut aus. Wie sagte Mahatma Gandhi: "Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen." Theo und Beeny haben dies rechtzeitig erkannt und konnten wieder gemeinsam Wolken-Bilder erfinden.

"Wolkenbilder". ab 6 Jahre. Theater Junge Generation, Puppentheater im Rundkino. Nächste Vorstellungen: 21.10., 10 Uhr; 24.10., 10 und 16 Uhr; 26.10, 16 Uhr; 28./29./30.10. je 10 Uhr u.m.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.10.2014

Andrea Rook

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr