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Wolfgang Hentrich und das Philharmonische Kammerorchester Dresden konzertieren für die DNN-Spendenaktion

Wolfgang Hentrich und das Philharmonische Kammerorchester Dresden konzertieren für die DNN-Spendenaktion

In einer Woche, am vierten Advent, laden die Dresdner Neuesten Nachrichten und das Philharmonische Kammerorchester Dresden wieder zum Benefizkonzert zugunsten der Spendenaktion "Dresdner helfen Dresdnern" in die Dreikönigskirche ein.

Dank der Unterstützung des Hauses der Kirche findet ein solches Konzert bereits zum 11. Mal statt. Sybille Graf unterhielt sich darüber mit dem Leiter und Konzertmeister des Ensembles Wolfgang Hentrich. Thema waren aber auch dessen Auszeit als Philharmoniker und der Umbau des Kulturpalastes.

Frage: Nach einem Jahr "Auswärtsspiel" beim Rundfunksinfonieorchester Berlin musizieren Sie seit September wieder am Konzertmeisterpult der Dresdner Philharmonie. Haben Sie sich wieder eingelebt?

Wolfgang Hentrich: Ja, schnell. Ich habe in Berlin enorme Energie getankt, die mich jetzt hier beflügelt.

Wie war das Jahr in Berlin?

Toll! Vom Orchester bin ich schlichtweg begeistert, davon, wie es sich dem harten Konkurrenzkampf im Berlin stellt, wie es tagtäglich um Qualität ringt und dabei ganz vorne mitspielt. Marek Janowski begeisterte mich schon immer und nun noch mehr, da ich ihn so intensiv in der alltäglichen Arbeit erleben konnte, darin, wie er am Feinschliff feilt. Und nicht zuletzt ist mir die Mentalität der Berliner, mit der wir Dresdner uns ja immer ein bisschen schwer tun, sehr sympathisch geworden. Zumindest so, wie ich sie im Orchester und seinem Umfeld erlebt habe - eine große Offenheit, die Dynamik, ein Vorwärtsdenken, das in dieser Form neu für mich war. Hier in Dresden üben wir uns ja eher im Behüten und Bewahren der Traditionen. Das finde ich gut, keine Frage, aber Berlin ist eben das komplette Gegenteil. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass zwei Autostunden so einen großen Unterschied machen.

Sie hatten das Angebot, fest in Berlin zu bleiben. Warum neigte sich die Waage nach all der Begeisterung zugunsten der Philharmonie, die Ihnen für das Jahr unbezahlten Urlaub gewährte?

Anfangs war es für mich kaum vorstellbar, in Dresden wirklich zu kündigen. Im Verlauf des Berliner Jahres wurde es aber immerhin eine 50/50-Wahrscheinlichkeit, stand die Wahl zwischen zwei sehr guten Orchestern, zwischen "Aufbruch zu neuen Ufern" oder dem Behalten und Ausbauen des Liebgewonnenen. Eine richtig schwere Entscheidung! Aber Dresden ist eben doch mein Zuhause, hier habe ich außer meiner Familie viele freundschaftliche Verbindungen, die mir wichtig sind. Es ist hier alles da, man muss nur manchmal ein bisschen warten können. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt war das treue, tolle Publikum, das die Dresdner Philharmonie hat, ein Publikum, das nah an uns dran ist, uns Musiker kennt, sich für alles interessiert. Eine ganz starke Motivation, wieder in Dresden zu musizieren, ist natürlich auch die endlich gegebene Perspektive eines erstklassigen Auftrittsortes, eines wirklichen Zuhauses für unser Orchester.

Sie sind optimistisch, obwohl die Querelen um den Kulturpalastumbau noch lange nicht beendet sind und es Gerüchte gibt, dass Abstriche an der geplanten, international üblichen Ausstattung gemacht werden sollen?

Ich gehe davon aus, dass bei der Planung Spitzenleute ihres Gebietes an der Arbeit sind und dass der Saal super wird. Schließlich soll er ja nicht nur unsere Heimstatt werden, sondern den großen Orchestern der Welt ein Podium geben. Eine Sparvariante wäre fatal, dann kann man es auch lassen.

Generell halte ich die Entscheidung für den Umbau zum gegenwärtigen Zeitpunkt für sehr richtig. Der Kulturpalastsaal in seiner jetzigen Gestalt ist nicht mehr zeitgemäß, für mein Empfinden auch für Musik außerhalb der Klassik nicht immer optimal geeignet. Trotz toller Künstler konnten mich Rock/Pop-Konzerte im Kulturpalast weder von der räumlichen Atmosphäre noch von den akustischen Gegebenheiten überzeugen. Und für Klassikkonzerte sind die 2400 Plätze heutzutage zu viel. Die akustischen Mängel beklagen wir schon lange, die Arbeitsbedingungen hinter der Bühne sind sehr unbefriedigend, unser Publikum ist verunsichert. Es wird also Zeit, dass es mit dem Umbau nun wirklich losgeht.

Ihre Rückkehr nach Dresden fiel mit dem Amtsantritt Michael Sanderlings als neuer Chefdirigent zusammen - wie lässt sich die Zusammenarbeit an, wie präsent ist Sanderling?

Wenn möglich, ist er auch außerhalb seiner Dirigate vor Ort, ist etwa anwesend, wenn Probespiele oder Kammermusikbesprechungen stattfinden, wenn es mit dem Orchestervorstand wichtige Dinge zu klären gibt etc. Im Orchester spürt man eine hohe Motivation, die Musiker freuen sich auf seine Energie und neue Ideen.

Auch während Ihres Jahres in Berlin ließen Sie es sich nicht nehmen, für das Benefizkonzert für die DNN-Aktion "Dresdner helfen Dresdnern" anzureisen. Das Projekt scheint Ihnen also sehr am Herzen zu liegen...

Unbedingt. Am Anfang war da eine Idee, die sicher viele haben, nämlich, Bedürftigen zu helfen. Inzwischen hat sich das Ganze als festlicher Abschluss der DNN-Aktion zu einer Tradition entwickelt, die in meinen Augen zu Dresden passt. Das Konzert macht auf sehr kulturvolle Art aufmerksam auf die Situation schlechter gestellter Menschen. Der Publikumszuspruch ist groß, es kommen auch Zuhörer, die zur Philharmonie sonst nicht gehen. Auf diese Weise immer wieder Menschen motivieren zu können, etwas von sich für andere zu geben, ist doch wunderbar. Und das scheint allen meinen Kollegen vom Philharmonischen Kammerorchester genauso zu gehen. Die geben ihren sonst freien Adventsabend - für uns Musiker eine rare Sache - dafür her, und inzwischen fragen diejenigen Kollegen, die dieses Mal nicht mitspielen, sogar, ob sie nicht doch mitmachen können.

Läuft die Verbindung zur Spendenaktion nur über die Zeitung oder gibt es auch Kontakte zu den Projekten, an die das Geld am Ende fließt?

Es kommen regelmäßig Dankesbriefe der jeweiligen Verantwortlichen der drei Spendenempfänger, und auch das eine oder andere Gespräch mit Vorstandsmitgliedern hat es schon gegeben. Irgendwann würde ich es aber gern noch realisieren, die Musik direkt auch etwa den Obdachlosen zu offerieren...

In den Konzertprogrammen bringen Sie auch weniger Bekanntes, in diesem Jahr zwei Sätze aus dem Concerto grosso Nr. 2 von Ernest Bloch. Was dürften die Hörer da erwarten?

Das Stück komponierte Bloch 1956, in einer Schaffensphase, in der er viel Neobarockes schrieb. Es ist sozusagen Barock im Stil des Amerika der 1950er Jahre. Einfach schöne Musik.

Das 11. Benefizkonzert des Philharmonischen Kammerorchesters für "Dresdner helfen Dresdnern" findet am 18. Dezember, 20 Uhr in der Dreikönigskirche statt. Es erklingen Werke von Vivaldi, Locatelli und Bloch. Die Leitung hat Wolfgang Hentrich, der auch die Solovioline spielt. Sonja Beißwenger und Christian Erdmann vom Staatsschauspiel Dresden ergänzen das Programm mit Textlesungen. Karten zu 15 Euro (Kinder bis 14 Jahre 8 Euro) gibt es in der DNN-Geschäftsstelle, Hauptstr. 21 (Mo-Fr 8.30-18 Uhr/Sa 8.30-13 Uhr) und an der Abendkasse.

Sonja Beißwenger

Sonja Beißwenger gehört seit der Saison 2009/10 zum Ensemble des Staatsschauspiels Dresden. 1980 in Heilbronn geboren, begann sie mit 20 Jahren ein Studium der Ethnologie, Journalistik und Philosophie in Leipzig, wechselte aber ein Jahr später an die Hochschule für Musik und Theater Hannover. Am dortigen Schauspiel nahm sie in der Spielzeit 2004/05 ein Engagement an. In Hannover spielte Beißwenger u.a. Desdemona in Shakespeares "Othello" und den Mephisto Goethes "Faust" in der Regie von Sebastian Baumgarten. In Dresden stand sie als Elisabeth in Roger Vontobels Inszenierung von Schillers "Don Carlos" sowie in Friederike Hellers Adaption von Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" auf der Bühne.

Christian Erdmann

Christian Erdmann kam ebenfalls 2009 ans Staatsschauspiel Dresden. Er wurde 1975 in Rudolstadt geboren. 1995 bis 1999 erhielt er seine Ausbildung an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. 1999 trat er ein Engagement am Meininger Theater an und spielte sein ersten großen Rollen, darunter die Titelrolle in "Hamlet". 2002 wechselte er ans Schauspiel Hannover, wo er u.a. in Jürgen Goschs Inszenierung von Tschechows "Drei Schwestern" mitwirkte. Das Stück wurde 2006 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. In Dresden ist Erdmann auch als Johannes Pinneberg in Falladas "Kleiner Mann, was nun?" zu erleben. Außerdem steht er für Serien, Fernseh- und Kurzfilme vor der Kamera.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2011

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