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Wolfgang Hänsch kämpft unverdrossen um "seinen" Kulturpalast

Wolfgang Hänsch kämpft unverdrossen um "seinen" Kulturpalast

Die gute Laune der Dresdner Delegation um Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) trübte sich erst auf der Rückfahrt von Leipzig in die Elbestadt.

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Etwas zerstören, was noch gebraucht wird: Wolfgang Hänsch gestern im Landgericht Leipzig. Der Architekt will den Umbau des Kulturpalastes verhindern, hat aber nach dem gestrigen Gutachten schlechte Karten.

Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Von Thomas Baumann-Hartwig

Bei Nossen hatte es einen Unfall gegeben, der städtische Kleinbus stand im Stau. Zuvor hatten die Rathausvertreter allen Grund zum Feiern: Im Prozess um den geplanten Umbau des Dresdner Kulturpalastes vor der auf Urheberrechtsfragen spezialisierten 5. Zivilkammer des Landgerichts Leipzig neigt sich die Waagschale zugunsten der Stadt.

Entsprechend enttäuscht verließ Architekt Wolfgang Hänsch, der gegen die Umbaupläne klagt, das Gericht. "Die wollen etwas zerstören, was nicht zerstört werden müsste, weil es noch gebraucht wird", sagte er. Der Mehrzweck-Charakter des Saales solle erhalten bleiben. "Trotzdem will die Stadt den Mehrzwecksaal herausreißen und einen neuen Saal einbauen. Das kapiere ich nicht", sagte der Architekt des 1969 eingeweihten Kulturpalastes kopfschüttelnd.

Gerd Zimmermann, früherer Rektor der Bauhaus-Universität Weimar, hatte als von der Kammer beauftragter Sachverständiger in der Verhandlung Dinge gesagt, die für traditionsbewusste Dresdner ungeheuerlich klingen müssen: "Wenn wir das Alte bewahren wollen, müssen wir es erneuern", oder: "Wir müssen ein Denkmal weiterbauen." Der Gutachter erklärte auch, dass im Originalzustand erhaltene Bauwerke der Moderne eigentlich nur als Museen genutzt werden könnten. "Ist das die Lösung für den Kulturpalast?", fragte er in Richtung Hänsch.

Die Stadthalle am Altmarkt sei weder architektonischer Durchschnitt noch eine Sensation, die zu den Ikonen der Moderne gezählt werden könne. "Der Kulturpalast läutete in der DDR den Wechsel von der stalinistischen Ästhetik zu einer weltoffenen Architektur ein", so Zimmermann. Der Festsaal sei wie ein "Ei in der Schachtel", das problemlos durch einen modernen Saal getauscht werden könne. Dafür bleibe die Hülle des Kulturpalastes erhalten. "1960 hatte das geplante Gebäude eine andere Funktion als heute. Daran muss sich die Architektur anpassen", sagte der Gutachter.

Die Kammer unter Vorsitz von Kai-Uwe Deusing will am 24. April ihr Urteil verkünden. "Wir müssen noch tiefgründig beraten, ob der Umbau vielleicht erlaubnisfrei sein könnte", erklärte der Vorsitzende. Besonders die These vom "Ei in der Schachtel" werde die Kammer hinterfragen.

"Der Gutachter ist weit über seinen Auftrag hinausgegangen", meinte Friedrich Kühn, der Anwalt von Hänsch. "Er hat zwar viele Fragen beantwortet, die eigentliche aber nicht: Hat der Kulturpalast Individualität?" Lunau und auch Hochbauamtsleiter Roland Müssig wollten gegenüber DNN nicht zum Prozessgeschehen Stellung nehmen. Ihr Lächeln aber sprach Bände - sie fühlten sich durch Zimmermanns Worte bestätigt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.03.2012

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