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Wolf Maahn in Dresdens Tante Ju

Konzert Wolf Maahn in Dresdens Tante Ju

Ein guter alter Bekannter war in die Tante Ju gekommen: Wolf Maahn mit seiner Band, die nicht mehr Die Deserteure heißt. Unverwechselbarer Deutschrock, der gar nicht mehr so leicht zu finden ist.

Wolf Maahn in der Tante Ju.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Eigentlich schade, dass Wolf Maahn seine Band nicht mehr Die Deserteure nennt – denn es würde immer noch perfekt passen.Wie in den bleischweren 80ern bilden sie zusammen mit ihm ein immens notwendiges Gegenstück zu all den Jasagern und Mitschwimmern.

Wolf Maahn in Dresden – das ist sowohl für den Sänger als auch für das Publikum etwas Besonderes. Der hagere 60-Jährige erinnert sich und die solide gefüllte Tante Ju an einen Solo-Auftritt auf dem Theaterkahn vor einigen Jahren, vor allem aber an einen Besuch vor dem Fall der Mauer, „auf einer Wiese, vor 40 000 Menschen“ – und es gibt laute Begeisterungsrufe von denjenigen, die damals dabei waren, als „die Grenze in Ungarn gerade offen war und eine Stimmung von Aufbruch in der Luft lag“. Danach, so Maahn, habe er den Song geschrieben. Und natürlich erklingt „Himmel über Dresden“, in dem von dem „Schrei nach Freiheit“ die Rede ist, von „Stacheldraht und Zäunen“ und „Millionen Tränen“. Aber Maahn wäre nicht Maahn, wenn er nicht im Anschluss – damals mit der folgenden CD, im aktuellen Konzert mit dem nächsten Song – fragen würde: „Was ist eigentlich Freiheit?“ Und „Freie Welt (Setz die Segel)“ spielen würde. Einen Song, der jegliche Abhängigkeiten anprangert.

Das aktuelle Album heißt „Sensible Daten“ und es kommt gut an. „An einem Montag“, Opener von CD und Konzert, ist druckvoll-satter Rock, die stets leicht nölende Stimme Maahns verkündet gnadenlosen Optimismus angesichts eines ungeliebten Wochentags: „Hab mein Leben neu im Griff.“ Zu kaufen gibt es an diesem Abend in Dresden nur noch die Schallplatte. Das Publikum in Cottbus hat sämtliche CDs mit nach Hause genommen.

Musikalisch ist das jener solide Rock allererster Güte, den man von Wolf Maahn kennt, mitunter mit leichtem Ska-Einschlag. Da greifen die Gitarre von Leadgitarrist Roger Schaffrath und Maahns eigene – elektrische wie akustische – perfekt ineinander; im Verlauf des Konzerts erhält Schaffrath dann mehr und mehr Gelegenheiten für Soli, die allesamt großartig sind, vor allem aber eingebunden bleiben ins Gesamtgefüge der Songs, nie zur Leistungsschau mutieren. Auch Keyboarder Jürgen Dahmen, den man zuerst akustisch kaum wahrnimmt, darf dann sehr gut passende Akzente setzen. Volker Vässen am Bass und Jan Wienströr an den Drums legen ein unbestechliches Fundament.

Es sind immer wieder auch Außenseiter-Welten, die in Wolf Maahns Songs beschrieben werden: „Ich ging vorbei an all den Spielern“ heißt es in der Ballade „Gelobtes Land“, ebenfalls von der aktuellen Scheibe. Und man fühlt sich ein wenig an den anderen großen, etwas älteren, deutschen Rocker erinnert, an Achim Reichel. Oder an Klaus Lage, für den Maahn schließlich auch den Hit „Monopoly“ schrieb.

Wie sagte Thees Uhlmann im Interview mit den DNN vergangene Woche? Es sei unsäglich, wenn Cro Werbung für Mercedes mache. Wolf Maahn dürfte mit dem Blick in den Spiegel keine Probleme haben. Und Konzerte wie jenes in der Tante Ju genießt er ganz offenbar. Zweieinhalb Stunden ehrliche, schweißtreibende Arbeit - in dem Gefühl, für das Publikum und mit ihm etwas Echtes zu erzeugen: Das wird dieser lächerliche Pandabär niemals erreichen.

Die alten Hits, sie werden wie nebenher eingestreut. „Fieber“ ist ein Highlight, das einen spontan denken lässt: Doch, es ist noch da, jenes Feuer, das die Menschen antreibt. Bei Maahn ebenso wie beim ebenfalls in die Jahre gekommenen Publikum. „Irgendwo in Deutschland“ und „Rosen im Asphalt“ vermitteln nach wie vor jenes On-the-road-Gefühl, die Aufbruchsstimmung, die die 80er ein klein wenig erträglicher machten und die heute, wo so viele ihr kleines Leben einmauern möchten, auch wieder so nötig ist.

Der Titelsong des neuen Albums lässt sogar musikalisch ein wenig 80er-Gefühl aufkommen, wenn Jürgen Dahmens Keyboard wie ein alter Synthesizer klingt. Als Gegengewicht darf Roger Schaffrath schön losgelassen rocken. Die Mahnung im Text ist eindeutig, und so ist es schon Realsatire, wenn neben einem Leute das Foto der Band auf facebook posten. Gefällt mir!

Mahnungen gibt es noch ein paar. Schönes zum Thema „Gier“: „Jeder macht ja nur seinen Job, bis hoch zum G20-Club“, verknüpft mit der optimistischen Prophezeiung: „Wir werden Sieger sein – wir werden klüger sein.“ Hoffen wir es!

Von Beate Baum

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