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Wissenschaftler testen auf dem Inneren Neustädter Friedhof ein neues Verfahren zur Rettung von Sandsteinobjekten

Wissenschaftler testen auf dem Inneren Neustädter Friedhof ein neues Verfahren zur Rettung von Sandsteinobjekten

Der Koloss auf dem Inneren Neustädter Friedhof ist komplett in Folie eingewickelt. Dünne und dicke Schläuche, in denen Flüssigkeit wabert, schlängeln sich futuristisch um ihn herum.

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Ernst Wandel von der österreichischen Restaurationsfirma Atelier Erich Pummer GmbH führt an einem luftdicht verpackten Grabmal auf dem Inneren Neustädter Friedhof eine sogenannte Injektion durch. Das moderne Vakuum-Kreislauf-Verfahren soll den Sandstein wieder verfestigen.

Quelle: Andor Schlegel

Der Steinriese steht unter einem provisorischen Holzverschlag, ein gewelltes Kunststoffdach schützt vor Regen. Im Hintergrund dröhnt monoton eine Pumpe - die Szenerie erinnert ein wenig an eine Intensivstation im Krankenhaus.

Dieses Bild sei gar nicht so abwegig, meint Heiner Siedel, Professor im Institut für Geotechnik an der TU Dresden. "Ich bezeichne unsere Arbeit gerne als Steinmedizin", sagt er und lacht. "Im Moment befinden wir uns noch im Stadium der Diagnose, um die beste Behandlungstherapie zu finden."

Der Patient ist ein mehr als 1000 Kilogramm schweres Grabmal aus dem Jahr 1731. Das barocke Epitaph erinnert an die einst hier begrabene Familie Richter. Doch der Zahn der Zeit hat dem Denkmal aus Cottaer Sandstein mitsamt Engelfiguren schwer zugesetzt und massive Steinschäden verursacht. "Die starke Luftverschmutzung hat das Gestein an der Oberfläche extrem entfestigt", erklärt Siedel. "Die Denkmalschutzbehörde stand in diesem Fall vor der Entscheidung, das Grabmal sterben zu lassen oder ein neuartiges Festigungsverfahren auszuprobieren."

Auf dem Inneren Neustädter Friedhof entschied man sich für eine Rettung der Anlage. Zum Einsatz kommt nun das moderne Vakuum-Kreislauf-Verfahren der österreichischen Atelier Erich Pummer GmbH, das unter anderem bereits auf Schloss Schönbrunn in Wien angewendet wurde. Der Sandstein wird dazu mit einem Festigungsmittel behandelt, das ihm in seinen chemischen Bestandteilen ähnlich ist. Das Neue an dem Verfahren: Statt das Mittel mit Pinseln oder Spritzen auf die Oberfläche aufzutragen, wird es durch Unterdrucktechnologie in den Sandstein hineingezogen. Rund 60 bis 80 Liter der Flüssigkeit nimmt das Epitaph dadurch auf. Durch chemische Reaktionen, die sich über mehrere Wochen hinweg im Gestein abspielen, gewinnt das Denkmal wieder an Festigkeit. Das Verfahren ist aufwendig, auf 10 000 bis 20 000 Euro schätzt Restaurator Erich Pummer die Kosten.

Die Restauration wird im Rahmen des Projekts "Innovatives Verfahren zur Festigung von schwer konservierbaren umweltgeschädigten Sandsteindenkmalen und numerische geomechanische Simulation der Risiken" von der "Deutschen Bundesstiftung Umwelt" (DBU) gefördert. Begleitet wird das Vorhaben von der TU Bergakademie Freiberg, der TU Dresden und dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Die beiden Universitäten testen, inwieweit sich das Verfahren auf den hiesigen Elbsandstein übertragen lässt. "Dazu haben wir im Vorfeld dem Denkmal Bohrproben entnommen", sagt Siede. "Diese vergleichen wir später mit Proben des restaurierten Zustands."

Wenn das Gestein in einigen Wochen erhärtet ist, werden die Bohrlöcher wieder fachmännisch verfüllt. Die Wissenschaftler aus Dresden und Freiberg klären dann, ob das Vakuum-Kreislauf-Verfahren grundsätzlich an Bauwerken aus Elbsandstein - wie Zwinger oder Semperoper - angewendet werden kann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2013

Philipp Nowotny

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