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"Wir haben nicht vor,unsere Generation zu vertreten" - Kraftklub sind am Samstag in Dresden

"Wir haben nicht vor,unsere Generation zu vertreten" - Kraftklub sind am Samstag in Dresden

Mit "Ich will nicht nach Berlin" lieferten Kraftklub ein Statement ab. Die Chemnitzer Band, die mit ihrer Mischung aus Rap, Indie- und Punk-Klängen die Charts toppte, bleibt hartnäckig: Ein Umzug raus aus ihrer Heimatstadt kommt für sie nicht in Frage, wie Sänger Felix Kummer verrät.

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Erfolgsband aus Chemnitz: Kraftklub.

Quelle: tsch

Am Sonnabend sind sie im Dresdner Beatpol.

Für Bandgeschäfte müssen Sie nach Berlin?

So ist das wohl. Die Journalisten weigern sich ja, uns in Chemnitz zu besuchen. Wenn, dann zeigen wir aber gerne die Stadt. Das würde sich schon lohnen.

In einem Interview Ende des vergangenen Jahres waren aber deutliche Zweifel herauszulesen, ob Sie noch länger in Chemnitz wohnen wollen.

Damals fühlten wir uns auch ein bisschen als Maskottchen der Stadt. Man hätte uns von manchen Seiten aus gerne als unkritische Fähnchenschwinger gesehen. Aber in den letzten Monaten hat sich wieder vieles zum Guten gewendet. Es ist ein ewiger Kampf.

Im Interview ging es auch um Ihr altes Stammlokal, das Atomino. Sie setzten sich für einen neuen Standort. Nun musste es wegen angeblicher Lärmbelästigung abermals umziehen. In "Meine Stadt ist zu laut" schildern Sie mit viel Ironie die Lage eines "Lärmbelästigten"...

Solche Fälle gibt es überall. Egal, ob in Hamburg mit dem Molotov, in Köln mit dem Gebäude 9 oder das Münchener Atomic Café - die haben alle ähnliche Probleme. Meistens geht es dann auch nur um Einzelpersonen. Das ist echt paradox: Eine Person vermiest Hunderten, ach was, Tausenden den Spaß.

Und die Städte geben sich hilflos...

So ist es. Es geht uns vor allem darum, wie in einem urbanen Kontext Subkultur wahrgenommen und geschätzt wird. In den Rathäusern wird dann gerne ein Kampf zwischen Sub- und Hochkultur ausgerufen. Und wenn es um Gelder geht, bekommt im Zweifelsfall das Theater die Kohle.

Also braucht es Ihr Engagement.

Wir geben uns alle Mühe. In Chemnitz herrschen eben gruselige Aussichten, gerade wenn es um die Altersstruktur der Bewohner geht. Da muss man schon auch zeigen, dass es noch immer eine subkulturelle Jugendszene gibt, die ihren Platz braucht. Wir können aber auch nicht alles alleine machen. Zum Glück gab es schon immer Gruppen, echte Kämpfer, die die Fahne hochgehalten haben. Und aktuell ist die Entwicklung echt positiv.

Eines Ihrer Projekte ist das "Kosmonaut Festival", das Sie 2013 ins Leben riefen. War es leicht, das in der Stadt durchzusetzen?

Die hielten sich da angenehm raus. Viel mehr möchte man ja meistens auch gar nicht. Es geht nicht immer um finanzielle Zuwendungen. Hauptsache, man wird nicht von behördlicher Willkür drangsaliert. Bisher läuft alles super. Dieses Jahr war das Festival schon um einiges größer als zur Premiere.

Auf Ihrem neuen Album und auch im ersten Video zu "Hand in Hand" spielen Sie mit Protestbildern. Schlummert tief in Ihnen ein echter Revoluzzer?

Schon, das wird wachgeküsst von all diesen Themen. Aber wir waren als Privatperson alle schon immer sehr politisch. In Chemnitz muss man sich eben früh entscheiden, auf welcher Seite man steht. Deswegen schimmert das wohl immer Mal durch.

Entscheiden zwischen Rechts und Links?

In den Städten gibt es auch noch einige Graustufen. Aber je östlicher und ländlicher, umso krasser wird es schwarz-weiß. Bei uns war aber schon immer klar: im Zweifelsfall nicht Rechts.

Sieht man Sie dann auch auf der Straße bei Anti-Nazi-Demos?

Natürlich. Aber das machen wir nicht öffentlich. Aber wenn zum Beispiel im sächsischen Schneeberg ein Asylantenheim gebaut werden soll und aus der Bevölkerung so ein erschreckender Gegenwind weht, dann muss man etwas dagegen tun. Das nahm groteske Züge an. Die NPD zog mit einem Fackelmarsch durchs nächtliche Schneeberg. Unheimlich, ganz gruselig.

Und warum nutzen Sie nicht Ihre Prominenz als Nummer-eins-Künstler, um Ihren Standpunkt klar zu machen?

Ich hasste das immer, wenn sich Musiker wie etwa Morrissey hinstellen und ihre Wahrheit verbreiten. Das ist mir suspekt. Wir haben nicht vor, unsere Generation zu vertreten. Wir sind kein Sprachrohr einer Jugendszene. Die würden uns ohnehin nicht wählen.

Wer könnte denn ein Sprachrohr Ihrer Generation sein?

Ach, ich habe ein generelles Problem mit "Führern". Mehr Einfluss als wir haben da wahrscheinlich sogar solche YouTube-Stars wie Y-Titty.

Sprachrohre einer vorherigen Generation finden Sie aber anscheinend gut. Oder warum erwähnen Sie Rio Reiser auf "In Schwarz"?

Ton Steine Scherben sind eben ganz groß. Aber bei Rio Reiser geht es mir losgelöst vom Politischen auch um das Musikalische. Er war eben ein großartiger Musiker, der wunderschöne Lieder geschrieben hat.

In Ihren Texten nehmen Sie ohnehin nie direkt Stellung zu ernsthaften Themen, sondern kaschieren Ihre Aussagen gerne mit Ironie.

Das stimmt zu weiten Teilen. Doch in "Schüsse in die Luft" werde ich auch mal direkt gegen Rechts, auch wegen Schneeberg. Aber für solche Texte tue ich mich verdammt schwer. In diesem Fall habe ich über zwei Jahre hinweg immer wieder Änderungen vorgenommen, da ich die Wörter mit Bedacht wählen wollte. Ich will eben nicht wie der Oberlehrer klingen. Mit dem Stilmittel Ironie ist das alles natürlich einfacher.

Aber auch mit Ironie kann man anecken.

Natürlich. Viele tun sich damit schwer. Aber wir wollen auch keine Texte erklären. Leute, die uns mögen, werden es schon verstehen. Oder die machen halt eben nur Party und ihnen ist egal, was wir singen. Wir sind ja vordergründig eine Tanzmusik-Band. Und wer uns nicht mag, mag uns eben nicht.

In "Unsere Fans" thematisieren Sie den beliebten Vorwurf, kommerziell zu sein. Wann hat der Sie das erste Mal ereilt?

Ach, das kam schon ziemlich früh. Bereits als wir 2010 Vorgruppe von Fettes Brot waren. Oder als wir bei Universal unterschrieben hatten. Spätestens als dann klar war, dass wir 2012 mit "Mit K" auf Platz eins der Charts einsteigen - "Ihr seid Kommerz!". Aber wenn ich ehrlich bin: Als Fan bin ich auch nicht frei davon. Musik ist eben eine emotionale Angelegenheit. Im Endeffekt ist es aber albern. Entweder gefällt mir die Musik - oder eben nicht.

Ein weiterer Vorwurf ist, dass Sie ein Hipster seien. Dabei machen Sie sich selbst gerne über Hipster lustig. Ein Teufelskreis?

Der Begriff an sich macht eben wenig Sinn. Im Endeffekt ist der Hipster ein getriebenes Tier. Der neueste Scheiß ist es, herumzulaufen wie der letzte Normalo, wie ein Chemielehrer oder so. Ich finde es halt lächerlich, sich so viele Gedanken über die eigene Außenwirkung zu machen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.10.2014

Max Trompeter

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