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Willy Astor entzückte in Dresden mit seinem Kalauerdauerdienst „Reim Time“

Humor Willy Astor entzückte in Dresden mit seinem Kalauerdauerdienst „Reim Time“

Der bayrische Kabarettist Willy Astor steht seit 30Jahren auf der Bühne. Sich selbst nennt er Silben-Fischer und Verb-Brecher. Am Mittwoch ist Astor, der auch jenseits des Weißwurstäquators bekannt und beliebt ist, mit seinem aktuellen Programm „Reim-Time“ am Mittwoch im Alten Schlachthof gewesen.

Willy Astor

Quelle: Archiv

Dresden. Die deutsche Sprache gilt aus schwierig, entsprechend kursiert eine Sentenz, die mal Mark Twain, mal Oscar Wilde zugeschrieben wird: „Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen“. Das Urteil über diese schwierige Sprache hat in Frankreich sogar dazu geführt, dass das Deutsche eine Stellung wie in Deutschland das Latein oder das Altgriechische einnimmt, nämlich als Sprache für „pour les trés bons élèves“, für die besonders guten Schüler.

Nun kommt Willy Astor aus Bayern, einer Region, wo die Uhren nicht nur anders gehen, sondern auch einem Dialekt gefrönt wird, der im „Original-Ton Süd“-ungewohnten Rest der Republik nicht immer so ganz verstanden wird. Trotzdem ist Astor auch jenseits des Weißwurst-Äquators bekannt und beliebt. „Well-Kamm Willy!“ möchte man folglich zurückrufen, wenn dieser Sprach-Bastler und -Tüftler kreativ mit Wörtern wie scheinbar ganz normalen Gegenständen hantiert und von der Bühne herab erst einen gewellten Kamm, dann seine neueste Innovation entgegenreckt: das erste Islam-Handy mit verschleiertem Display und dem Akku-Signal „Bin Laden“.

Deutschlands vielleicht berühmtester Verb-Brecher und Silben-Fischer war nach Dresden gekommen, um im Alten Schlachthof sein neuestes Programm „Reim Time“ vorzustellen, nächste Stationen der kleinen „Tour durch den Nahen Osten“ sind Plauen, Reichenbach und Erfurt. In bewährter Manier fragt Astor zunächst ein bisschen die Leute in der ersten Reihe ab, zollt etwa dem Pärchen aus Obercunnersdorf Respekt dafür, dass es gar keinen polnischen Akzent hat, ermuntert einen etwas maulfaul-einsilbigen Mann, sich an das bewährte Prinzip Subjekt-Objekt-Glutamat zu halten.

Nun hat das Deutsche ja einen sehr großen Wortschatz, lädt geradezu dazu ein, neue Worte aus bestehenden zusammenzusetzen. Man hat es deshalb auch schon Lego-Sprache genannt. Der Vorteil: Aus den zusammengesetzten Wörtern kann man die neue Bedeutung sofort herauslesen, wobei ein Kinderarzt schon ein paar Jährchen aufweist, ein Kindersoldat hingegen eher verdammt jung ist. Wie auch immer, Astor ist nicht nur im Baumarkt und auf dem weiten Feld der Erotik, sondern auch in Sachen Wortkombination ein „Master of the Steckverbindung“.

Astor hat einfach ein Gespür für die Komik, die entstehen kann, wenn man ein oder zwei Buchstaben austauscht, Wörter dehnt, verdreht, phonetisch verschleift oder unorthodox betont, englische Brocken einkreuzt. Klar, hinsichtlich der Orthografie und Grammatik begeht Astor bei einem seinem KDD, seinem Kalauerdauerdienst, so manches „Verbrechen“, aber selbst Deutschlehrer stöhnen nicht innerlich auf, wenn der akribische und wortverspielte Sprachkünstler ins Plaudern kommt und Filmstars, Pop-Größen oder auch Politiker ebenso lautmalerisch wie sachfremd sich begegnen lässt, etwa à la: „Einmal fuhr ich mit Harrison Ford, wir drivten durch Frankreich, aber ohne dass wir in Paris Hilton ... plötzlich hörte ich Liam Neeson, der wusste ja nicht, dass ich Sean Penn ...“ Minute um Minute geht das so, Schlag auf Schlag, man könnte dem Name-Dropping endlos lauschen (passable Englisch-Kenntnisse sollte man mitbringen), muss aber aufpassen, nicht den Anschluss zu verpassen, wenn man sich mal zu lange fragt, auf wen Astor, der die „fragenden Gesichter“ durchaus registriert, nun wieder anspielt.

Natürlich fehlt es auch an Liedgut nicht, dessen sich Astor, der auch ein versierter Musiker ist, in seiner ganz eigenen Weise angenommen hat. Zu fetten Beats teilt der sympathische Münchner rappenderweise mit, dass das „Pubertier inda house“ ist, und beim „Senioren-Medley“ textet er einmal mehr bekannte Songs nach seinem ganz persönlichen Gusto um – da wird aus der Schickeria „Schick a Rührei“, wird „See you later, my Rollator“ geröhrt. Bei allem Nonsense - ein Stück praktische Lebenshilfe gewährt Astor durchaus, so wenn er die Herren der Schöpfung im Saal wissen lässt: „Happy wife – happy life. ... Schauen Sie Ihrer Frau tief in die Augen und sagen ihr: ,Hey, du bist okay.‘ Das reicht dann schon.“ Und bei einer der vielen Zugaben freut sich der Kalauer-King, dass kluge Leute, ja sogar welche mit Hochschulabschluss, auf die Melodie von „Guantanamera“ lauthals Kaulquappensocken und anderen Nonsens mitsingen. Es sei gut, Kontakt mit dem inneren Kind aufzunehmen, freut sich Astor, der virtuos versteht, seinem inneren Kind „vielsaitig“ immer wieder freien Lauf zu lassen.

Von Christian Ruf

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