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William Fitzsimmons & Slow Runner spielten im Dresdner Beatpol

William Fitzsimmons & Slow Runner spielten im Dresdner Beatpol

Spätestens wenn die Abendkasse im Treppenhaus statt im Saal des Beatpols aufgebaut ist, wenn die Schlange am Einlass knapp vorm Dönerladen an der Straßenecke gegenüber endet und sogar Johanniter in Dienstkleidung zu sehen sind, haben sich alle Vermutungen bestätigt: ausverkauft.

Und das bei einem vorzugsweise stillen Singer-Songwriter, der bescheiden und beschlagen über das kleine Scheitern mit großen Auswirkungen singt! William Fitzsimmons erinnert während des Auftritts selbst an sein erstes Konzert vor Ort. "Vielleicht 50, 60 waren damals da. Danke, dass sich das Ganze so entwickelt hat."

Da werden noch einige Dankes kommen an diesem Dezember-Abend, der würdevoll ein weiteres Beatpol-Konzertjahr beschließt, das ein erfolgreiches war. Der Bart-Barde mit Wohnsitz Illinois dankt seiner Band auf dieser Tour, die wirklich eine Band ist: Slow Runner - Michael Flynn, Jonathan Gray und Josh Kaler. Letzterer hat auch Fitzsimmons' bislang letzte Platte co-produziert. "Thank you, Josh." Dank auch an den Club, an die Stadt, und vor allem an die, die kamen. Ein ausverkaufter Beatpol für Williams Fitz: Vielleicht wird nicht alles gut demnächst, aber vieles bestimmt. Wir haben jetzt jeden Mut dafür.

Würde William Fitzsimmons auch live die hör- und spürbaren Veränderungen in seiner Liedkunst umsetzen? Das, was er an Licht in seine Kompositionen und Texte hereinließ, die Beats und treibenden Saiten? Nun, nein. Im Vergleich zu den früheren Auftritten hat sich kaum etwas verändert. Fitzsimmons vertraut sich am meisten in seiner entwaffnenden Sanftheit, die von seiner Stimme ausgeht, von dem weichen Spiel auf der Akustischen, dem höchstens spröden, wenn er die Elektrische nimmt. Electronics fehlen, auch Slow Runner drehen im Vergleich zu ihren eigenen Songs am Beginn zurück, gehen zumeist hinter ihren "Chef", setzen Akzente, Elementarteilchen an Pedal Steel, Drums, Akkordeon, Perkussion, Banjo, mit dreistimmigem Fast-A-Cappella.

Im Song-Mix verzichtet Fitzsimmons sogar auf ein nahezu entfesseltes Stück wie "The Winter From Her Leaving". Bleibt einzig und allein das knarzende "Fade And Return", das sich dann doch erhebt. Ansonsten greift sich der Meister alte, zum Teil lange Zeit nicht angepackte Songs (u. a. von seiner Scheidungsplatte "The Sparrow and The Crow", mit denen er, wie er sagt, jetzt Frieden geschlossen hat), noch ältere, die erkennbaren der aktuellen CD "Gold In The Shadow", das natürlich ergreifend-schöne "Beautiful Girl" vornweg.

Spätestens wenn sich Besucher gegenseitig das eine oder andere unnachgiebige "Pscht!" zufauchen, weil das Gebrabbel des Nachbarn eben doch stört, wenn die vehementen Rufe einer Frau - "William, you're awesome" oder "William, I love you" - erst lustig, dann nervig sind, spätestens, wenn einem pressierend nach Kuscheln ist, dann ist man in einem Konzert von William Fitzsimmons. Und er selbst spielt wie ein kleiner Junge mit seinem falschen Ruf, er könne zu depressiv, zu traurig sein. Was wäre die Welt arm ohne Künstler wie diesen! Nichts würde gut werden! Gar nichts.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.12.2011

Andreas Körner

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