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Wiener Schmäh und ganz viel Amore: Die Wiener Popband Wanda spielte in der Scheune

Wiener Schmäh und ganz viel Amore: Die Wiener Popband Wanda spielte in der Scheune

Lässiger österreichischer Pop schien mit Falco Ende der Neunziger begraben. Fünf junge Wilde aus Wien haben ihn nun wiederbelebt: Wanda spielte am Mittwochabend in der seit Wochen ausverkauften Scheune.

Wanda - das sind Marco, Christian, Reinhold, Manuel und Lukas, eine verschworene Wiener Gang, benannt nach Wanda Kuchwalek, die in den 1970er Jahren als "Wilde Wanda" bekannt wurde und Wiens einzige namhafte weibliche Zuhälterin war. Mit ihrem Debütalbum "Amore" schossen die Österreicher im vergangenen Jahr nicht nur in ihrer Heimat durch die Decke, auch oberhalb des Bodensees mag man den rotzigen Austropop. Zugegeben, unsere österreichischen Nachbarn haben in Sachen Indie-Pop schon seit geraumer Zeit einiges zu bieten. Überhaupt scheint Popmusik made in Austria gerade schwer in Mode zu sein. Vorgemacht haben es die Kollegen von Bilderbuch mit Größenwahn und griffiger Arroganz.

Kurz vor 22 Uhr, nach der Performance des Kölner Supports Wellness, stehen die Fans schon dicht gedrängt im kleinen Konzertraum der Scheune. Wer sich jetzt noch weiter in Richtung Bühne oder zurück an die Bar zum Bierholen drängeln will, erntet vernichtende Blicke. Eine Viertelstunde später betreten die fünf Wiener im gewohnten lässigen Lederjacken-Look die Bühne. Sänger Marco Michael Wanda, stets eine Fluppe hinters linke Ohr geklemmt, mit aufgeknöpftem Hemd und den Mikrofonständer fest in beiden Händen, hatte das Publikum nach wenigen Takten in der Hand. "Alarm", ein bisher unveröffentlichter Track vom neuen Album, eröffnete die Show. Es folgten Hits wie "Luzia" und "Schickt mir die Post" - nach einem zögerlichen Einstieg war Letzteres schließlich der Startschuss zum Ausrasten und Mitgrölen.

Frontmann Marco Michael Wandas Texte können das, was in der heutigen Pop-Maschinerie kaum noch möglich ist: Sie drehen sich um Themen wie Tod, Euphorie, Sex, Drogen, Schnaps und Liebe, ohne affektiert zu wirken. Immer mit dabei ist eine gehörige Portion schwarzen Humors. "Eckig und ein bisschen versoffen", hat Marco Michael Wanda sich und seine Compagnons einst, recht trefflich beschrieben. Die Jungs von Wanda haben eine Nische gefunden: Rauer Indie-Pop gepaart mit unnachahmlich charmantem Wiener Zungenschlag. Und das ziehen sie durch.

Ruhige Töne werden mit "Bleib wo du warst" angeschlagen. Bei "Ich will Schnaps" legt Sänger Marco Michael eine Stagediving-Performance hin, bei der er sich von den Massen direkt zur Bar tragen lässt. Er kam wieder mit - was auch sonst - einem Glas Schnaps. Wie passend.

Nach mehr als einer Stunde dann endlich die Hymne, auf die das Publikum gewartet hat: "Bologna", ein Lied, das einem nie wieder aus dem Kopf gehen wird, hat man es denn einmal gehört. In den ersten Reihen werden die Arme hochgerissen, textsicher wird von der ersten bis zur letzten Zeile mitgesungen. Frontmann Marco singt von seiner Tante Ceccarelli, die in Bologna Amore gemacht hat, eine Geschichte über unerfüllte Liebe. Hier eine kleine Kostprobe: "Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen, obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht." Wer jetzt nicht mitsingt oder wenigstens mit seinem Bier in der Hand mitschunkelt, der muss tot sein. An dieser Stelle darf man auch einmal Reinhold "Ray" Weber erwähnen, den Bassisten mit dem wohl geschmeidigsten Hüftschwung des Abends.

"Eins, zwei, drei, vier, es ist so schön bei dir!" grölt jemand aus den Reihen des Publikums. Der Wunsch wurde erhört. "Ans, zwa, drei, vier" stimmt Marco Michael ein weiteres noch unveröffentlichtes Stück an. Am Ende wird jeder Hit gespielt, die Fans waren zufrieden. Zum Grande Finale tun die Jungs von Wanda dann etwas, das man so auch noch nie erlebt hat: "Luzia" wird, weil es so schön war, ein zweites Mal gespielt. "Tu mir weh, Luzia" schreit der Frontmann in sein Mikrofon. Man kann es übertrieben finden, aber der Wiener Schmäh passt einfach unheimlich gut zu den rauen Gitarrenriffs. Vielfältig war das Publikum am Mittwoch in der Scheune. Vom hippen bärtigen Brillenträger bis zum Ärzte-Fan erreichen Wanda offenbar jeden.

Nachdem der letzte Ton verklungen war, wusste man: Das wird Wandas letzte Clubtour gewesen sein. Wer die Jungs am Mittwoch gesehen hat, der durfte eine Band vor ihrem großen Durchbruch erleben, die in Zukunft nur noch die großen Hallen bespielen wird. Vielleicht steht ihre Karriere aber auch gerade jetzt im Zenit. Ein selbstbemaltes Shirt und eine goldene Handtasche mit der Aufschrift "Amore" werden von Fans auf die Bühne geworfen. "Gibt's noch mehr Geschenke?", fragen Wanda und verabschieden sich damit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2015

Juliane Weigt

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