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Wieder frisch aufgespielt: Jubiläumskonzert des Jungen Sinfonieorchesters Dresden

Wieder frisch aufgespielt: Jubiläumskonzert des Jungen Sinfonieorchesters Dresden

Musik, insbesondere im Orchester mit Gleichgesinnten zu musizieren, macht Spaß. Eine Erkenntnis, die nicht nur an den fröhlichen Gesichtern der jungen Musikerinnen und Musiker des Jungen Sinfonieorchesters Dresden auf der Bühne der Semperoper ganz deutlich abzulesen war - auch die vielen Orchestermitglieder, die in den fünfzig Jahren seines Bestehens vor der heutigen Generation an den Pulten saßen, haben diese Erfahrung gemacht.

1965 als Spezialschule für Musik gegründet und erfolgreich entwickelt, ist die Einrichtung heute im Sächsischen Landesgymnasium für Musik Carl Maria von Weber aufgegangen. Das Junge Sinfonieorchester Dresden ist eines seiner Ensembles, das jetzt unter der Leitung von Wolfgang Behrend steht.

Die Auftritte in der Semperoper haben Tradition, und auch das diesjährige, das Konzert zum 50. Jubiläum, avancierte zum reinen Ohrenschmaus. Wolfgang Behrend und seine Musiker verstanden sich blendend auf Präzision, auf hoch inspiriertes Musizieren. Es lag knisternde Spannung über dem Konzert, die nie nachließ.

Kraftvolle Fanfarenklänge, die zur Festlichen Ouvertüre von Dmitri Schostakowitsch gehörten, eröffneten das Ganze und warfen zugleich ein erstes Schlaglicht auf die durchweg exzellenten Bläser, die sich insgesamt, auch bei den noch folgenden Werken, kaum einen Wackler leisteten. Schmissig und farbenprächtig wurde die Ouvertüre musiziert. Klasse!

Auch Schostakowitsch hat eine "Neunte" geschrieben, und zwar 1945 nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Schostakowitsch wäre nicht Schostakowitsch gewesen, hätte er in diesem Opus heroisch-pathetischen Feiervorstellungen gehuldigt. Stattdessen ist ein oft sarkastisches, konturenscharfes Werk entstanden, das vor Trivialitäten nicht zurückscheut, ein fünfsätziges Divertimento. Es gelang Wolfgang Behrend und dem Orchester hervorragend, die Balance zwischen leichter Ironie und Bitterkeit zu halten, mit Witz und Charme die Hintergründe des Werkes ganz fein herauszuarbeiten, den gestalterischen Akzent auf den spöttelnden Schostakowitsch zu legen. Der geschmeidige, fein differenzierte Streicherteppich, dazu die schon erwähnten Bläser (sensibel die Holzbläser im Moderato, makellos und einfühlsam das Fagott im Largo - um nur wenige Beispiele zu nennen), das markante Schlagwerk - ein sehr durchdachte, emotional dichte und musikalisch erfüllende Wiedergabe.

Die Solisten des Konzertes - der Geiger Martin Funda und der Cellist Norbert Anger - gehörten auch einmal dem Jungen Sinfonieorchester Dresden an und haben inzwischen Karriere gemacht. Hier nun vereinten sie sich für Brahms' Doppelkonzert a-Moll op. 102 - eine lebhafte, musikalische Konversation auf Augenhöhe, die den Dirigenten und das Orchester aufs Schönste mit einschloss. Braves Begleiten war dessen Sache gewiss nicht! Beide Solisten ließen ein Farbenfeuerwerk erglühen, bauten große Spannungsbögen, die nie brachen, brillierten mit emotionaler Dichte und Intensität. Man weiß nicht, was man mehr loben soll - die Eleganz und Agilität des Finales oder den tiefen Glanz des Andantes.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2015

Mareile Hanns

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