Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Google+
"Wie längst vergangen, im Nieselregen" - Neue Malerei von Marc Schmitz (Berlin) in der Galerie am Damm

"Wie längst vergangen, im Nieselregen" - Neue Malerei von Marc Schmitz (Berlin) in der Galerie am Damm

Den Berliner Maler Marc Schmitz (geb. 1963 in Hamburg) haben die Galeristen Romy und Peter Eisermann in ihrem Showroom von Berlin-Neukölln entdeckt. Ausstellungsbesuche folgten, dann der Besuch im Atelier.

Voriger Artikel
„Kleider machen Leute“ im Dresdner Hygienemuseum - 4000 Besucher in den ersten Tagen
Nächster Artikel
Mehr Nähe wagen

Yellow Khan, Einladungskarte, 2012.

Quelle: Peter Eisermann /Galerie am Damm

Nun ist der Künstler mit sieben Ölbildern in der Galerie am Damm zu sehen. Reizvoll spielt das wechselnde Licht auf ihnen. Am Abend glimmt eines der Bilder golden auf. Stille und meditative Momente stellen sich ein...

Die großformatigen "Zufallslandschaften" haben sowohl gegenständliche auch als abstrakte Elemente, die von einer ungekünstelten Leichtigkeit erfüllt sind. Das Bild "fugi" (2011) scheint von einer Reise nach Japan inspiriert, der Vulkan vor den Toren der Metropole wie hinter einem Vorhang aus grauen, herablaufenden Farbschlieren verborgen. Das ist das Arbeitsprinzip von Marc Schmitz: Bildzustände werden immer wieder verändert, korrigiert, ausgelöscht, neu geschaffen. Eine feine Hintergrün- digkeit klingt auch in anderen Arbei-ten an, wie in "yellow khan" (Einladungskarte, 2012) die stakkatohaften, gelb-grünen Lanzenspitzen des Steppengrases an die kriegerische Vergangenheit der Region erinnern.

Der weit gereiste und mit einer Mongolin verbundene Maler ist durch seine Land Art-Projekte in den Weiten der mongolischen Steppen bekannt geworden. Die Erlebnisse von Reisen nach Korea, China und Japan, besonders die Begegnung mit deren Kunst und Kultur, formten sein Weltbild, das von den ostasiatischen Religionen und Philosophien geprägt ist, vornehmlich durch den Buddhismus.

Als Maler liebt er die breit aufgestrichene Farbe, ihre Nuancen auf großen, fast monochrom-meditativen Flächen. Der Gesamtklang wird von farbigen Strichen, aufblitzenden Farbsträhnen oder auch durchscheinenden Schriftzügen komplettiert. Grau und Rosa dominieren seine beiden Bilder "Buddha Bar" (2009) und assoziieren das zwischen Dunst oder Nebel auf-oder absteigende Tagesgestirn, wie es zu den Dämmerstunden in den Bergregionen und Hochflächen Asiens oft üblich ist.

Schmitz nimmt ein uraltes Thema wieder auf: Er kehrt zu einer ganz eigenen ursprunghaften Einheit von Natur und Kunst zurück. Seine Bilder scheinen wie aus einem Haiku von Buson gemacht, wo es heißt: "Das, was vor Augen,/Sieht aus wie längst vergangen/Im Nieselregen". Drippings und Schlieren überlagern die meisten jüngeren Arbeiten und machen gespannt auf das Dahinter. Auf einem der Bilder verbergen sich hinter einem Farbnebel diffuse Figurationen ("o.T.", 2011), filigrane Gebilde in Grün und Rot, die wie das prächtige Geschirr eines mongolischen Reiters erscheinen. Die Malerei von Marc Schmitz entsteht immer im Prozess: Alles ergibt sich im Fluss des Malens, wenn die Idee gezündet hat. Eigenes Befinden wird darin ebenso eingeschrieben wie der Zufall. Immer neue Bildindividuen erobern sich ihre Fläche. Mancher beigefügte Titel verweist dabei vage auf Inhalte, nach denen man fast vergeblich sucht. Der Raum verschwindet in der Tiefe. Übrig bleibt ein flächiger Schatten, eine farbige Aureole, ein flüchtiger Hauch von Vergeblichkeit, eine von farbigen Partikeln erfüllte Welt nach einem ihrer zahllosen Untergänge.

Marc Schmitz studierte Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der FU Berlin. Darüber hinaus ist er Absolvent der Kunstakademie München sowie der Akademie für Neue Medien in Berlin. Sein umfangreiches Werk, Malerei, Installationen, Objekte, Videos und Land Art waren bislang unter anderem auf der Busan Bienale in Südkorea, den internationalen Bienalen in Peking und Kairo sowie der ersten Land Art Bienale in der Mongolei zu sehen.

Bis 29. Mai. Galerie am Damm, Körnerplatz 10, 01326 Dresden. Kontakt: 0351/ 267 92 18, geöffnet: Di-Fr 10-13 und 15-19 Uhr, Sa n.V. (11-14 Uhr)

www.galerie-am-damm.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.05.2012

Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr