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Wie Öl und Essig - Maximilian Hecker singt und spielt mit Felix Räuber im Societaetstheater Dresden

Wie Öl und Essig - Maximilian Hecker singt und spielt mit Felix Räuber im Societaetstheater Dresden

Maximilian Hecker ist der Mann im Pop für die ganz großen Klavierballaden (manchmal ist es auch eine Ballade an der Gitarre). Seine Songs sind in Tönen aufgelöste Liebe, meistens in ihrer bitteren bis unerfüllten Form.

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Maximilian Hecker und Felix Räuber beim gemeinsamen Auftritt im Societaetstheater.

Quelle: Dietrich Flechtner

Nach jeder wichtigen Trennung gehört er albenweise in die Playlist. Hecker ist aber auch einer, der in seinen Songs verschwindet, beim Singen gern das Gesicht hinter seinen Haaren versteckt und überhaupt nicht viel Wirbel drum herum macht. Felix Räuber hat in der viel beachteten Polarkreis 18-Formation so ziemlich das Gegenteil getan. Im weißen Bühnenkostüm stand er immer ganz vorn, war das anschmachtbare Gesicht der Band, hat sich am Mikrofon komplett verausgabt und mit dem Publikum gespielt, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Dass sich diese beiden Charaktere nun auf der kleinen Bühne des Societaetstheaters treffen und miteinander spielen wollten, das mutete an wie der Versuch, Wasser mit Öl mischen zu wollen. Aber offensichtlich wollte man.

Sehen wollte man das offensichtlich auch gern, der Saal war ausverkauft. Es standen Teelichter auf dem Bühnenboden, darüber gemütliches Licht. Keine Frage, es würde ein emotionales Konzert werden. Was sollte es auch sonst werden? Aber wo nur, wo sollte Räubers Platz in diesem Kammerspiel sein? In Liedern, die so intim und minimalistisch sind und so gar nicht seine eigenen. Zu diesen Überlegungen stiegen Maximilian Hecker und Felix Räuber auf die Bühne. Sie sangen viele Lieder aus Heckers aktuellem Album "Mirage Of Bliss" (Blue Soldier Records, 2012). Hecker meist am Klavier, Räuber am Keyboard und an der Gitarre, gelegentlich wechselten sie. Häufig sang Räuber die zweite Stimme, manchmal aber auch eine ganze Strophe, mal fast ein ganzes Hecker-Lied. Nach ein paar Duetten wurde immer deutlicher, dass es sich hier nicht um Wasser und Öl handelte, sondern eher um Öl und Essig. Und in einer guten Vinaigrette kommt es eben auf die richtige Dosierung an.

Das Mischen oblag in diesem Fall eher Räuber als Hecker, der mit seiner immer gleich warmen Hallstimme nicht so viele Variationsmöglichkeiten hatte. Wenn Räuber Passagen ganz alleine sang, wie im Song "Heavenlies", "Lady Sleep" oder seine Interpretation vom Klassiker "Kate Moss", da bewies er, dass er jede Menge eigenes Leben in ganz sanfte Lieder bringen kann. Komplizierter wurde es bei der Begleitung. So waren die Songs, in denen Räuber mal unter und mal über Heckers Stimme agierte, deutlich anstrengender, als jene, in denen beide ihre eigenen Singstrecken hatten. Räubers zweite Stimme war häufig dominanter als die von Hecker, oder erklang in so hohen Höhen, dass das Gesamterlebnis ein wenig übersäuerte, um beim Essig zu bleiben. Trotz allen Wagemuts, die Lieder blieben urheckersche Werke und von dieser Originalmelancholie wollte man auch eine große Kelle mitnehmen. Das bestätigte der Gegenversuch. Felix Räuber sang sein eigenes Lied "Running Out Of Time", zusätzlich am Kontrabass PK18-Bassist Uwe Pasora. Das funktionierte gut, vermutlich auch, weil Hecker auf den Part der Zweitstimme verzichtete und nur am Klavier begleitete.

Doch Räuber stand nicht nur auf der Bühne, um bereits Bekanntes zu verdoppeln. Er zeigte durchaus neue Seiten seines musikalischen Könnens, spielte mehrere Instrumente und wirkte ziemlich selbstbewusst neben einem Menschen, der für ihn lange ein aus der Ferne bewunderter Künstler war. Außerdem half er bei der Suche nach dem "Live-Hecker". Der kam im Verlauf des Abends immer wieder zum Vorschein, witzelte, las eine Schlüsselpassage aus seinem autobiografischen Buch "The Rise And Fall Of Maximilian Hecker" vor (in der sich der echte Hecker folgenreich verliebt).

Dass diese neue Offenheit durch Räubers erwähnte "Tipps aus der Entertainmentschule" ausgelöst wurde, das kann nur glauben, wer den Musiker Hecker nicht kennt. Denn der hat sich durch seine vielen Konzerte - den kleinen romantischen in deutschen Klubs und den frenetisch gefeierten in riesigen asiatischen Stadthallen - einen zurückhaltenden bis lässigen Auftritt zugelegt, der seine Musik unterstreicht und nicht davon ablenkt. Tatsächlich aber tat ihm nun gut, dass da noch jemand auf der Bühne stand, mit dem er sich offensichtlich verbunden fühlte und auf den er reagieren konnte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2013

Juliane Hanka

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