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Wie Kulturschutz unterm Vollmond funktioniert: Festival Frei improvisierter Musik in Dresden

Wie Kulturschutz unterm Vollmond funktioniert: Festival Frei improvisierter Musik in Dresden

Das Festival Frei improvisierter Musik (FFIM), bislang in der Blauen Scheune zu Hause, brauchte im aktuellen Jahrgang ganz plötzlich Asyl - und fand es glücklicherweise im Projekttheater auf der Louisenstraße.

Sonst wäre ihm wohl das Genick, will sagen, der Atem gebrochen.

Dank des wohlwollend aufgenommenen Begehrens nach einem Auffanglager konnte das 1992 von Günter Heinz in Berlin gegründete und seit 1996 unter seiner künstlerischen Leitung in der Dresdner Blauen Scheune heimische Kleinstfest der besonderen Musik auch in diesem Jahr stattfinden. Und es bot den durchaus besonderen Reiz, mitten im Wochenendtrubel der Neustadt abtauchen zu können in die bizarre Welt einer völligen Hingabe an Klang, Licht und Bewegung.

Nach einem Auftakt mit Cello, vorgetragen von der Schwedin Karolina Öhmann, die auf Neue Musik spezia- lisiert ist und in Verbindung mit Klangnetz Dresden gleich mehrere Uraufführungen beisteuerte, wurde am Freitag der 1979 von Werner Herzog gedrehte Kultgruselfilm "Nosfe- ratu - Phantom der Nacht" in einer stummen Variante aufgeführt. Statt Tonspur gab es Live-Musik von Peter Krug, Ray Kaczynski und Günter Heinz. Das Publikum - offenbar angezogen von diesem Mix aus Filmrarität und einmaliger Klangperformance mit Stimme, Bass, Posaune, Flöte und Schlagzeug nebst diverser Elektronik - war schwer beeindruckt und dürfte die Vollmondnacht wohl zu einer der eher unvergesslichen Nächte zählen.

Den "Atem der Nacht" ließen Festivalchef Günter Heinz und die Tänzerin Iris Sputh dann am Samstag in einer sehr intensiven, freilich recht kurzen multimedialen Performance erspüren. Da ergossen sich Reizfluten, die ihren Quell mal instrumental in der Posaune, mal rein körperlich beim Tanz hatten. Experimentell austastend, forschte das Paar nach immer wieder neuen Konstellationen. Auf engstem Raum umschritten sich die beiden wie zum Posaunentanz, dann wurde das Instrument zerpflückt und tönte in seinen Bestandteilen ganz anders, mit purer Stimmakrobatik fand das Blech ein verändertes Echo, mit Doppelrohr im Mundstück ging es beinahe die Mutation zum Holzblasinstrument ein. Für vielfältige visuelle Effekte sorgte Jo Siamon Salich, der mit kleingehackten Videoschnitten und Lichtschüssen die Spannung erhöhte.

Natürlich hätte so ein Festival mehr Publikum verdient, bietet es doch kreative Ansätze, die anderswo so kaum zu hören sind. Vielleicht erfährt das Sonderkonzert, das Günter Heinz am 22. November mit dem britischen Jazzpianisten und Improvisator Veryan Weston im Pianosalon Coselpalais ausrichtet, mehr Zulauf.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.10.2013

Michael Ernst

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