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Wider den Virus der Gleichgültigkeit: Er(n)ste Allgemeine Verunsicherung im Alten Schlachthof

Wider den Virus der Gleichgültigkeit: Er(n)ste Allgemeine Verunsicherung im Alten Schlachthof

Aber vielleicht bauen die Medien ja ein Feindbild auf? So fragte zumindest Klaus Eberhartinger, Sänger der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV), die im ausverkauften Schlachthof ein Konzert gab.

Mal wieder. Zu weit wurde die Putin-Versteherei dann aber doch nicht betrieben, auch wenn die Verfolgung von Homosexuellen, politisch Andersdenken seitens der EVA durchaus registriert wurde. Klar Position bezogen wurde letztlich nicht, da lavierte man sich "schön" durch. Ähnlich die Haltung zu den Griechen. Opfer der bösen EU oder halt doch Verdränger der selbstverschuldeten Schuldenfalle?

Mit im Gepäck hatte man das neue Album "Werwolf-Attacke - Monsterball ist überall", dessen Titelsong frank und frei konstatiert: "Jetzt dampft die Kacke! Die Monster zeigen Flagge!" Es ist das 15. Studioalbum der österreichischen Band, die ihrem musikalischen Stil treu geblieben ist. Die Melodien sind eingängig und die Texte spaßig bis beißend im Humor wie eh und je. Aber ein anderer Geist weht doch, auch wenn etwa die Damen im Saal charmant mit einem "Küss die Hand" begrüßt wurden. Reine Nonsens-Lieder flechten die seit 35 Jahren im Musikgeschäft agierenden "Untoten auf der Bühne" nur noch hier und da ein. Die EVA ist, bei allem "Schmäh", politischer geworden, ernster, weshalb Eberhartinger auch mal von der Ernsten Allgemeinen Verunsicherung sprach. Man reitet wohlfeile und damit manchmal billige Attacken auf gierige Finanzhaie, religiöse Fanatiker, den Opernball (den Wiener, nicht den Dresdner), das EU-Monster und die SM-Manie in Zeiten, wo ein Werk wie "Fifty Shades of Grey" zum Bestseller mutiert.

Die humoristische Überhöhung von todernsten Themen hat bei der EAV Methode. Sie ist vor allem für das Texterduo Thomas Spitzer und Klaus Eberhartinger Ventil, um diverse Missstände auf Welt anzuprangern, im Ton charmant, in der Sache aber eindeutig gegen das "Virus der Gleichgültigkeit" anzusingen. Manche Textzeilen sollte, ja muss man immer im Gesamtzusammenhang sehen. Die Aussage "Macht koa Theater um die Kunst, im Internet ist eh alles umsunst" (der "Ösi-Dialekt" muss immer mitbedacht werden) klingt erst mal nach neoliberaler Grundüberzeugung, aber da man als Musiker von Tantiemen lebt, ist man über die Möglichkeiten der neuen Medienwelt nicht wirklich erbaut.

Letztlich ist die EAV gelegentlich noch immer für ein Skandälchen gut. In Österreich waren gewisse Kreise mehr als erbost, dass in dem Song "Lederhosen Zombies" Hohn und Spott über die volkstümliche Musik und die boomende Trachtenkultur ergossen wurden. Kann denn Jodeln Sünde sein? Und so wie Michel Houellebecq in seinem neuen Roman "Unterwerfung" sich ein islamisiertes Frankreich ausmalt, in dem inklusive der nun erlaubten Polygamie nicht alles schlecht ist, wie das eben in Diktaturen so der Fall ist, so wirft die EAV u.a. eine integrierte "Burka-Polka" in die Debatte über Islam und Islamismus. Eine Steinigung als Ulk-Nummer? "Scharia, Scharia-Ho?" als Ultima Ratio? Kann man gut finden, muss man aber nicht, sofern man jedenfalls vom Virus der Gleichgültigkeit noch nicht infiziert ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2015

Christian Ruf

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