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Werner Wittig und 30 weitere Künstler in der Galerie Kunstausstellung Kühl in Dresden

Werner Wittig und 30 weitere Künstler in der Galerie Kunstausstellung Kühl in Dresden

Vor mehr als 40 Jahren hat Johannes Kühl Arbeiten Werner Wittigs erstmals ausgestellt. Schon damals zeichnete sich ab, dass der Maler und Grafiker nicht auf kurzlebige Effekte setzte.

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Alle stehen unter dem Blauen Wunder. Aber auch was nicht verboten ist, ist noch lange nicht erlaubt.

Quelle: Repro: Kunstausstellung Kühl

Das bestätigt auch die aktuelle Werkauswahl in der Kunstausstellung Kühl, die den Bogen von der klassisch-realistischen "Straße in Chemnitz" (1954) zu aktuellen, stärker der Imagination verpflichteten Bildern wie "Baum am Hang" (2007) schlägt. Auch bei der Grafik, besonders den für Wittig typischen, seit 1969 entstandenen (Farb-)Holzrissen, spannt sich der Bogen vom "Herbstmorgen" des Jahres 1976 bis zum "Weinglas"-Stillleben von 2011. Hinzu kommt eine größere Zahl jüngerer Übermalungen und Überzeichnungen grafischer Arbeiten, darunter einiger Algrafien - eine Technik, die der Künstler besonders in den 1980er Jahren verfolgte.

Wittigs Schaffen sind feine Farbskalen in naturhaften Tönen eigen, die teils von aufregenden Farbakzenten, etwa in Rot und Gelb, belebt werden. Unzweifelhaft ist zudem das exzellente Handwerk im Grafischen und Zeichnerischen, dessen Grundlagen im Studium an der Hochschule für Bildende Künste (1952-1957) gelegt wurden. Wichtig dafür waren Lehrer wie Erich Fraaß, Hans Theo Richter und Max Schwimmer, Gefährten wie Claus Weidensdorfer und Dieter Goltzsche, Inspiratoren wie die älteren Kollegen Paul Wilhelm, Karl Kröner und Theodor Rosenhauer. Gerade letzterem scheint Wittig mit dem Älterwerden gedanklich-künstlerisch zunehmend nah, sucht doch auch er das Geheim-nis in den einfachen Dingen des Lebens.

Nicht wenig beeinflusst von einer Italienreise in den 1980ern begann der Künstler, unbeeindruckt von Größenverhältnissen und mit einem Anklang zum Surrealen, Häuser, Steine, Muscheln und vor allem Früchte, häufig Äpfel, zusammenzuführen. In seine kleinformatige, unspektakuläre Malerei trat ein philosophisches Element: das Haus als Synonym für Behaustheit, Geschichte, der Apfel für Leben, ja Sinnlichkeit. Die Bilder thematisieren damit die Daseinsgrundlagen, den ewigen Wandel des Werdens und Vergehens. Gleichwohl bedrückt diese gedankliche Vertiefung den Betrachter nicht. Er fühlt sich vielmehr angezogen von teils leuchtender Farbigkeit in pastosem, abstrahierendem Duktus, wo Ritzungen - untere Schichten hervorkratzend - Struktur in die Bilder tragen, vom Gebüsch über die Kontur einer Frucht alles andeuten können.

Auffällig ist auch der wachsende Hang zum Spielerischen. Diesem sind letztlich die Kombinationen von Grafik, Zeichnung oder Malerei zu verdanken, ebenso die Kombination von verschiedenen, schon vorhandenen Druckformen oder die Einbeziehung des Zufalls in Gestalt einer unbeabsichtigt sichtbar gewordenen Holzstruktur der Arbeitsunterlage. Mit den Jahren ist eine Art "Verwertungslinie" für Vorhandenes entstanden. Überzeichnungen etwa bringen neue Unikate wie "Fabrik und Hütten" (2006) oder "Am Rande" (2001) hervor - das eine eine Zeichnung über Algrafie, das andere über Holzriss. Unikate sind natürlich auch die Aquarelle und Zeichnungen, darunter das zauberhafte, sich durch feinen lockeren Strich und wenige Pastellhöhungen auszeichnende "Stillleben in der Landschaft" (2001).

Der Schwarz-Weiß-Holzriss "Spiegelungen" (1997) schlägt schließlich den Bogen zum zweiten Teil der Ausstellung mit Werken von gut 30 Künstlern der Galerie. Als Thema eröffnen "Spiegelungen" ein "weites Feld" - vom optischen Effekt in der Realität oder in der formalen Anordnung der Formen eines Bildes bis zum Philosophisch-Metaphorischen. Die meisten der gezeigten Werkbeispiele sind der ersten Kategorie zuzuordnen. Die Elbe oder ein anderes Gewässer werden zum Spiegel - etwa bei Klaus Dennhardt, Ulrich Eisenfeld, Ernst Hassebrauk, Ingo Kraft, Wilhelm Lachnit oder Christopher Simpson. Manchmal erfüllt auch das offene Fenster diese Funktion, erweitert so den Blick hinaus oder in den Raum. Hans Körnigs Aquatinten "Das Fenster" und "Otto Dix arbeitet in Dresden", beide von 1954, sind beispielhaft dafür, ebenso Arbeiten von Michael Hofmann oder Sabine Curio. Interessante "Spiegeleffekte" entstehen nicht zuletzt dank polierter Oberflächen, wie sie etwa ein Gemälde Erna Linckes adaptiert. Im übertragenen Sinn arbeiten Hermann Glöckner und Inge Thiess-Böttner damit, indem sie eine Form verdoppeln oder vervielfachen. Diesen Effekt findet man auch bei Ornamenten, denen eine Farblithografie mit Pflanzenmotiven von Franziska Kunath nahe steht. Eine philosophische Dimension ist schließlich dem Selbstbildnis wie dem Bildnis im Spiegel eigen. Hans Jüchser, Hans Theo Richter oder Willy Günther feiern auf diese Weise die Schönheit einer Frau. Metaphorischen Charakter hat die Spiegelung im Gegenüber, der sich Christine Schlegel widmet.

Kunst thematisiert aber nicht nur "Spiegelung", Kunst ist auch selbst mehr oder weniger "Spiegel" - der Welt und ihres Zustands, ebenso des Einzelnen, des schaffenden Künstlers und seiner Befindlichkeit oder der Befindlichkeit anderer. Dies kann in vielerlei Sujets Ausdruck finden - auch in der Naturreflexion und ihrer vom Betrachter als solche empfundenen symbolhaften Aufladung. So schließt sich der Kreis zu Werner Wittig, der mit seiner Kunst liebevoll-freundlich daran erinnert, dass das Leben seinen unumstößlichen Gesetzen folgt und man sich an ihm freuen sollte, so lange man kann.

bis 6. April, Di-Do 11-18, Fr 11-19 (Karfreitag geschlossen), Sa 10-14 Uhr

www.kunstausstellung-kuehl.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2013

Lisa Werner-Art

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