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Werner Sobotka inszeniert die deutsche Erstaufführung "Catch Me If You Can" an der Staatsoperette

Werner Sobotka inszeniert die deutsche Erstaufführung "Catch Me If You Can" an der Staatsoperette

Wenn sich morgen Abend in der Staatsoperette Dresden der Vorhang zur ersten Premiere des Jahres hebt, erlebt das Publikum das Musical "Catch Me If You Can" als deutsche Erstaufführung.

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Jannik Harneit tanzt, spielt und singt den Frank Abagnale Jr.

Quelle: Kai-Uwe Schulte-Bunert

Dass dieser Broadway-Erfolg von 2011, zwei Jahre später in Wien für Europa uraufgeführt, so gut ankommt, liegt sicher an der guten Story, die auf Tatsachen beruht, und daran, dass es vor der Theaterfassung im Jahre 2002 schon einen erfolgreichen Film von Steven Spielberg mit Leonardo DiCaprio und Tom Hanks in den Hauptrollen gab. Zwei Oscars und einen Golden Globe erhielt diese nur scheinbar so romantische wie nostalgische Gaunerkomödie, die im Grunde in die "kalte, alptraumhafte Unterwelt des totalitären Überwachungssystems" führt, wie der "Spiegel" damals schrieb.

Der Musicalerfolg am Wiener Theater in der Josefstadt wäre nicht denkbar ohne die Arbeit eines Regisseurs wie Werner Sobotka. Als Allroundkünstler ist er seit Jahren erfolgreich am Regiepult, im Film und im Fernsehen, vor oder hinter der Kamera. Als Kabarettist hat er sich einen Namen gemacht, er gilt als Spezialist für Musicalinszenierungen, zumeist, wie bei "Catch Me If You Can", übersetzt er auch die Stücke und hat ein Gespür dafür, den Stil des Broadway zu übertragen. Preise und Auszeichnungen blieben nicht aus für den Mann, der sich auch als Fotograf einen Namen gemacht hat. Auf die Frage, was ihm denn noch fehle bei diesem weiten künstlerischen Spektrum, sagt er, dass er gar nicht daran denke, keine neuen Formate auszuprobieren, zu schreiben etwa, das reize ihn, jede neue Chance gilt es zu nutzen.

Jetzt inszeniert Werner Sobotka "Catch Me If You Can" an der Staatsoperette; deren Intendant Wolfgang Schaller hatte die Wiener Premiere gesehen, war begeistert und konnte die deutsche Erstaufführung für Dresden sichern. Zum Ende der Proben sagt der Regisseur, dass er ja nicht ahnen konnte, welche Chancen sich ihm hier bieten würden bei einem solchen Ensemble, vor allem bei einem solchen Orchester. Das ist doch eine ganz andere Dimension, so muss es klingen, will man den Bigbandsound der 60er Jahre hören. In Wien spielt eine Band mit sieben, in Dresden ein Orchester mit 37 Musikern, das konnte nicht mal das Neil Simon Theatre am Broadway aufbieten.

Also kann man jetzt eine neue Inszenierung erwarten? Zum Teil schon, sagt der Werner Sobotka. Natürlich bleiben grundsätzliche Vorgaben der Wiener Aufführung erhalten, aber es ist ein anderes Theater, es sind andere Darsteller, andere Tänzer, auch hat sich im Hinblick auf die Thematik des Stückes ja noch einiges in politischer Hinsicht und im Umfeld der Diskussionen zu Datenschutz und Überwachung zugespitzt.

Das Stück beruht auf Tatsachen, die sich in den Memoiren des 1948 geborenen Trickbetrügers Frank Abagnale finden. Der Typ war so clever, dass sich das FBI für ihn interessierte, seine Fähigkeiten nutzte und dabei den Menschen ausnutzte. Und wenn man für die Hauptrollen Titelheld und dessen Vater solche Darsteller wie Jannik Harneit und Christian Grygas zur Verfügung habe, dann gelte es einfach, diese Chancen zu nutzen und noch weiter auszuloten, was der komplizierte Konflikt zwischen Vater und Sohn bedeutete. Und mit einem Musicaldarsteller wie Harneit mache es einfach großen Spaß, so eine komplexe Rolle neu zu erarbeiten. Spielen, Singen oder Tanzen, kein Problem für ihn.

Und so sieht es Werner Sobotka für alle Protagonisten der Dresdner Inszenierung, hier könne man niemanden einfach in ein Kostüm stecken und mit einer Maske versehen, die Leute sind stark, selbstbewusst, sie wollen sich einbringen. Das Genre wirkt durch die so authentische wie individuelle Präsentation im Augenblick der Aufführung. Für jüngere Zuschauer wird es sicher überraschend, mit der scheinbar gänzlich vergangenen Welt der 60er Jahre in Berührung zu kommen; für ältere Zuschauer sicher auch eine Erinnerung an die eigene Jugend. Und so könnte das Musical, wenn man so will, zum "generationsübergreifenden" Erlebnis werden.

Das Theater als verbindendes Element der Generationen hat auch Werner Sobotka dahin gebracht. Der Vater Kurt, seit 1981 Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt, wird im März mit 85 Jahren seit seinem Debüt 1948 fast 70 Jahre auf der Bühne stehen. Über 400 Fernsehauftritte, Film, Kabarett und Synchronarbeiten kommen dazu. Auch die Mutter war Schauspielerin und das gesamte Umfeld der Familie künstlerisch in so gut wie allen Genres und Facetten zu Hause. Bis zum sechsten Lebensjahr, so erinnert sich der heute 49-jährige Werner Sobotka, wusste er gar nicht, dass es noch andere Berufe oder Tätigkeiten gäbe. Und dann war dem Jungen einfach klar, darauf wolle er nicht verzichten, mit zehn Jahren hatte er seine erste, monatliche Radiosendung beim ORF. Es blieb nicht aus, dass auch Vater und Sohn zusammen auf der Bühne standen oder dass der Sohn Regie führte, wenn der Vater spielte.

Er sei immer auf der Suche nach unbekannten Stücken, so der Regisseur, dieses aktuelle Stück gehörte dazu, ebenso wie als nächste europäische Erstaufführung in eigener Übersetzung die Inszenierung des Broadway-Musicals "The Wild Party" oder Klassikers des Genres in musikalischen Neufassungen, "Jesus Christ Superstar", "La Cage aux Folles". letzteres wieder am Theater in der Josefstadt. Nicht zu vergessen, die nächste Folge ist in Arbeit, "Wir Staatskünstler" im ORF-Fernsehen, hier führt Sobotka Regie. Die in Österreich beliebte Kabarettsendung ist vergleichbar mit der deutschen Politsatire "Neues aus der Anstalt".

Catch Me If You Can - The Musical, Buch: Terrence McNally, Liedtexte: Scott Wittman und Marc Shaiman, Musik: Marc Shaiman, Deutsche Fassung und Regie: Werner Sobotka Premiere: 30. Januar, Staatsoperette Dresden; weitere Vorstellungen: 31. Januar; 1. Februar

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.01.2015

Boris Gruhl

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