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Werkretrospektive Ursula Sax in den Hellerauer Werkstätten

Modell & Wirklichkeit Werkretrospektive Ursula Sax in den Hellerauer Werkstätten

Eine Werkretrospektive bietet derzeit die Werkstättengalerie, Deutsche Werkstätten Hellerau mit einer Schau von Arbeiten der Dresdner Bildhauerin Ursula Sax (sie lebt seit kurzem in Berlin). Äußerer Anlass ist ihr 80. Geburtstag im vergangenen Jahr, der zunächst mit einer Ausstellung in Berlin (Semjon Contemporary, Galerie für zeitgenössische Kunst) gefeiert wurde.

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Blick in die Ausstellung.

Quelle: Lothar Sprenger

Dresden. Eine Werkretrospektive bietet derzeit die Werkstättengalerie, Deutsche Werkstätten Hellerau mit einer Schau von Arbeiten der Dresdner Bildhauerin Ursula Sax (sie lebt seit kurzem in Berlin). Äußerer Anlass ist ihr 80. Geburtstag im vergangenen Jahr, der zunächst mit einer Ausstellung in Berlin (Semjon Contemporary, Galerie für zeitgenössische Kunst) gefeiert wurde. Teile davon gingen nach Hellerau, private Leihgeber und die Berlinische Galerie beteiligen sich mit umfangreichen Sammlungsstücken von Ursula Sax aus einem Zeitraum von 1950 bis 2015, darunter Plastiken, Objekte, Grafiken, Video-Performances und eine Fotodokumentation von ihren Projekten im öffentlichen Raum.

Unter dem Titel „Modell und Wirklichkeit“ werden realisierte und nicht realisierte Projekte der Künstlerin aus einem Zeitraum von 60 Jahren gezeigt. Die Ausstellung spannt sich mit der ältesten Arbeit, der Kleinskulptur „Hockender Mann“ (Ebenholz, 1950) bis zu einem großflächigen Entwurf (Modell) eines Flugobjektes im Jahr 2015. Die Ausstellung umfasst über 60 Arbeiten, deren Hängung und Arrangement einen vielfältigen und abwechslungsreichen Überblick über das Schaffen von Ursula Sax geben. Bereits als 15-jähriges Mädchen wurde sie, begeistert bildhauernd, zum Studium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zugelassen, studierte danach 1956-1960 an der Hochschule für Bildende Künste Berlin (Meisterschülerin bei Prof. Hans Uhlmann). 1990 bis 1993 hatte sie eine Professur für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, 1993 bis 2000 an der HfBK Dresden. Nach ihrer Emeritierung ging sie als freischaffende Künstlerin nach Berlin.

Ursula Sax arbeitet und experimentiert mit den unterschiedlichsten Materialien, wie Bronze, Eisen, Holz, Plaste, Papier und anderen diversen Stoffen, auch mit Textil und arbeitet dabei deren materialspezifische Seiten heraus. Erfinderisch faltet sie Alubleche und Papier aus der Fläche in den Raum. Ihre aus vielen dünnen Stäben bestehenden Holzplastiken reiht sie rhythmisch aneinander, Eisendrähte, kunstvoll verknüpft, schlingen sich wie Netze und Schnüre von oben herab. Ursula Sax schafft mit ihrer eigenwilligen Kunst Atmosphäre auf allen Raumebenen, vom Boden über die Mitte bis nach oben. Auf jeder Ebene beherrscht sie gleichermaßen virtuos den Raum. Die Anordnung der Arbeiten im Ausstellungsraum der Werkstättengalerie, Deutsche Werkstätten Hellerau, folgt unwillkürlich diesem Prinzip. „Bodendecker“, niedrige Plastiken aus Bronze und bemaltem Holz, zum Teil aufgepostet, bestimmen die untere Ebene. Danach folgen die in Augenhöhe platzierten Fotos und Bilddokumente, eine Grafikserie mit abstrakten Formenspielen und eine Videoinstallation, in der ein Projekt mit „lebenden Skulpturen“ im Oktogon vorgestellt wird. Das ganz Oben beherrschen die Entwürfe für diverse Hängeplastiken. Im Jahr 2011 hatte Sax den Auftrag für eine Arbeit im Albertinum bekommen, den „Raummesser UX35 (in mehreren Varianten), der raumgreifend und wie ein Flugobjekt über den Köpfen der Besucher schwebte. Einer der beiden Entwürfe (die gelbe Variante) ist in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

Die Komplexität des Werkes von Ursula Sax ergibt sich aus einem Spiel mit dem jeweiligen Material, lustbetont und immer innovativ. Ihre Kreativität sprengt konventionelle Lösungen, nichts scheint unmöglich. In einer kleinen Vitrine biegt sich ein gelber Draht zu einer verschlungenen Linie: Ihr großes Pendant steht bis heute als meterhohes „Looping“ (die „Königin der Berliner Außenskulpturen“) vor den Toren des Berliner Messegeländes um den Funkturm. Dass die Künstlerin aber auch in traditionellen Materialien und im Kleinen ihr Handwerk versteht, zeigen die in Vitrinen gestapelten, zum Teil durchbrochenen Gefäße und Figuren aus weißem Porzellan. Das späte Werk von Ursula Sax ist eng mit der Kunst Sachsens verbunden. In den 90er Jahren schuf sie bedeutende Arbeiten für den öffentlichen Raum, Brunnenplastiken, Stelen und futuristische Raumobjekte. Schon 1974 hatte die Künstlerin ihr „Modell für eine begehbare Großplastik“ erfunden. Der Architekt Bjorn Münder hat im Auftrag der Künstlerin eine CAD-gestützte Visualisierung der Großplastik einschließlich verschiedener Betrachterstandpunkte nach einer überlieferten Fotografie von Reinhard Friedrich erstellt. Der reizvoll verschachtelte Raum wartet immer noch auf eine reale Umsetzung an einem geeigneten Ort in unserem Land.

Bis 1. April. Werkstättengalerie, Deutsche Werkstätten Hellerau, Moritzburger Weg 68, Tel. 0351/21 590-202, Mo-Fr 9-17 Uhr. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog gemeinsam mit der Galerie für zeitgenössische Kunst in Berlin erschienen.
Künstlergespräch mit Ursula Sax 31.3.2016, 15 Uhr Werkstättengalerie

www.dwh.de

Von Heinz Weißflog

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