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Werke von Wolfgang E. HerbstSilesius und Else Gold in der Galerie Mitte

Werke von Wolfgang E. HerbstSilesius und Else Gold in der Galerie Mitte

HerbstSilesius hatte seine künstlerische Initiation als Zehnjähriger beim Kühehüten in Schlesien erlebt. Das bedeutete zugleich Rettung für ihn.

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Blick auf ein vielfältiges Schaffen: Werke von Wolfgang E. HerbstSilesius.

Quelle: Heinz Weißflog

Wolfgang E. Noch heute erinnert er sich an die Farben und Stimmungen in freier Natur, an eine steinige Böschung mit rostroter Erde, grauen Steinen, bewachsen von Wegerich und Steinnelke, die seitdem seine Lieblingsblume ist. Das Urerlebnis kann man in seiner gegenwärtigen Werkausstellung in der Galerie Mitte bis in die Anfänge seines Schaffens zurückverfolgen. Der irdene Farbklang ist bis heute in seinen Arbeiten nachzuweisen. Aber auch in den zahlreichen neueren Landschaftsbildern vom Erzgebirge und der Lausitz schwingt etwas von dieser Wärme und bedingungslosen Liebe zum Elementaren. Das dort angewandte Aquarell (oft auch in der Kombination mit dem Bleistift) ist voller Atmosphäre und Authentizität. In einer Reihe von drei farbigen Erzgebirgslandschaften aus dem Jahr 2013 vereint HerbstSilesius die malerische Kraft der Farbe mit der feinen grafischen Durchdringung des Bleistiftstrichs.

Seine Landschaftsaquarelle sind wie Markenzeichen seines Werkes, verschickt er doch immer wieder kleine Aufmerksamkeiten in Gestalt von Kunstbriefen an seine Freunde. Dort herrscht die duftige Leichtigkeit des hingehauchten Aquarells, die durch sensible Andeutungen und Weglassen Frische und eine besondere geistige Unmittelbarkeit erzeugt. Geistreich und voll Mutterwitz sind auch die durch eine eigenwillige Sprache der Poesie verstärkten Verschenk-Blätter in einer Kombination aus Text und Bild, die den Philosophen erkennen lassen, ihn aber auch als versierten Buchmacher- und Gestalter ausweisen.

Am 7. Januar 1935 in Weißstein/Niederschlesien geboren (die magische Zahl Sieben kehrt in einigen Bildern immer wieder), erlernte HerbstSilesius zwei Handwerke: Bäcker und Schriftsetzer. Später arbeitete er als Korrektor an verschiedenen Tageszeitungen, studierte Gesang an der Staatlichen Hochschule für Musik in München und ging schließlich zum Studium der Freien Grafik an die Kunstakademie in Düsseldorf zu Rolf Sackenheim, war Tutor und Meisterschüler und gründete mehrere Handpressen, in denen seine zahlreichen grafischen Kunstbücher entstanden (eine Auswahl liegt in einer Ausstellungsvitrine). Natürlich hatte er an der Düsseldorfer Akademie Kontakt mit Josef Beuys, der ihn in seine Klasse einlud, was HerbstSilesius nach einer Bedenkzeit ablehnte.

Zunächst arbeitete der Maler und Grafiker abstrakt expressiv seine innige Verbindung mit dem Universum und seine Suche nach Heimat in ihm ab, wie zum Beispiel in den "Kosmischen Klangbildern" (vor allem als Hinterglasbilder), in denen er wie aus großer Entfernung aus dem Kosmos auf die Dinge schaut. 2006 entstand eine großflächige Arbeit, die in der Ausstellung als Tafelbild mit Predella ("Spur", 2007) zu sehen ist. Seine Heimatlosigkeit mag bei der Vorliebe für das Abstrakte eine große Rolle gespielt haben, die er in seinen Bildern "durchlässig" machte und läuterte. Das Gegenständliche verdichtete sich so zur Struktur aus Farbe und feinen Lineaturen. Später wurde das Gegenständiche wieder relevant, das bis heute immer wieder eine große Anregung besonders vor der Natur darstellt. Dabei fallen seine vielfältigen Holzschnitte auf, die durch eine tiefe Verbundenheit mit der Romantik geprägt sind und seine schöpferische Melancholie belegen, die ein wenig an die Wehmut von Marc Chagall erinnert. Die in hartes Kirschholz geschnittenen Motive überwiegen in der Ausstellung die aus weicherem Holz gegrabenen Arbeiten, die fast ohne Binnenstruktur auskommen und wie leicht abstrahierte, dunkle, fast schwerfällige Schattenrisse wirken. Figur und Baum verschmelzen oft zu einer eigenwilligen Einheit, die durch Kraft gebändigt wurde. Oft lösen sich die Konturen auf wie in "Feuermännchen" (2011) und züngeln ins Weiß. Die Unbestimmtheit des Figürlich-Gegenständlichen, manchmal mit einer gewissen Bitternis und Ironie vorgetragen und durch die Titel scharfzüngig kommentiert, hat ihr Gegengewicht in den realistisch aufgefassten Bleistift- und Tuschezeichnungen aus dem Erzgebirge und der Lausitz, die eine besondere Aura haben und ohne große Geste auskommen. Sie sind immer leidenschaftlich und unter erheblichen Kraftaufwand entstanden, manchmal im Winter tagelang im Refugium seines Kleinbusses gezeichnet, mit dem HerbstSilesius durch die Lande nomadisierte.

Eine Verbeugung vor dem betagten Künstler ist das Objekt "ZuNeigung" von Else Gold, seiner langjährigen Gefährtin. Es hält den Blickkontakt zu HerbstSilesius' Bildern: Eine großes Porzellanei mit schwarzem Band neigt sich einer kleinen goldenen Kugel zu. Die Künstlerin aus Meißen ist für ihre originellen Objekte und Assemblagen bekannt, von denen etwa 30 Arbeiten im Kabinett der Galerie zu sehen sind. Mit ihren aus Porzellan, Lampenfassungen, Glaskugeln, Holz, Haar, Metallgegenständen und anderem Material erfundenen skurrilen Figuretten hat sie etwas Eigenständiges geschaffen. Im Mittelpunkt stehen ihre seriellen Arbeiten aus farbigem Porzellan ("Ringelreihen") sowie zahlreiche grotesken Heiligenfiguren und mythische Figuren wie Alexander der Große in ihrer Bedeutung für das alltäglichen Leben. Else Gold aber hat etwas völlig Neues und Einmaliges in die Objektkunst eingebracht, das sich von der Leere und Lethargie der Moderne vor allem durch Witz und Erfindungsreichtum abhebt. Ein von Gebrauchsspuren gezeichneter, blauer Keramikuntersetzer ("Vergissmeinnicht") mit Kunstblumenkranz, einem Porellanpuppentorso und einem Meißner Scherben nebst plastischem Blumenschmuck illustriert eindrucksvoll die Bandbreite und Poesie ihrer Handschrift.

Bis 22. März. Galerie Mitte, Striesener Straße 49, Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Finissage 21.3., 19.30 Uhr, Tel. 0351/ 4 59 00 52

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2014

Heinz Weißflog

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