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Werke von Gunter Jacob im BLICKPUNKT Kunst

Zwischen Abstraktion und Einfühlung Werke von Gunter Jacob im BLICKPUNKT Kunst

Bad Schandau im milchigen Gegenlicht. Häuser und Landschaftssegmente beginnen, sich in kubische Licht- und Farbreflexe aufzulösen. Schrittweise gelangt der Maler zur Abstraktion, indem er am real geschauten Landschaftsbild die blockhaften Strukturen aufgreift.

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Gunter Jacob. Bad Schandau, 2010.

Quelle: Archiv Jacob

Dresden. Bad Schandau im milchigen Gegenlicht. Häuser und Landschaftssegmente beginnen, sich in kubische Licht- und Farbreflexe aufzulösen. Schrittweise gelangt der Maler zur Abstraktion, indem er am real geschauten Landschaftsbild die blockhaften Strukturen von Uferbebauung und fern aufragenden Felsen aufgreift. Indirekt ist damit auch der Mensch als Bewohner und Gestalter dieser Landschaft ins Bild gebracht. Man kann sogar so weit gehen, die in der Elbe schimmernden sonnengelben Farbfelder als Erinnerung an die jahrhundertelang auf dem Wasserweg transportierten Sandsteinquader aus den umliegenden Brüchen zu sehen. Soviel Freiheit ermöglicht die einfühlsame Abstraktion Gunter Jacobs allemal.

Der Titel der Ausstellung "Zwischen Abstraktion und Einfühlung" spielt auf eine Schrift des Kunsthistorikers Wilhelm Worringer an, der die beiden einander gegenläufigen, sich aber ergänzenden Prinzipien des künstlerischen Prozesses bereits vor 100 Jahren als Einheit betrachtete.

Jeder Fleck bekommt ein Eigenleben

Gunter Jacob, in Hinterhermsdorf bei Sebnitz geboren, studiert in Heiligendamm und an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden, begann nach Meisterschülerjahren bei Kettner und Michaelis früh in seinem persönlichen Schaffen, den schmalen Grat zwischen "der Realität verpflichteter" und abstrakter Kunst abzuwägen. Mehr als 35 Jahre lang, seit der Einrichtung des Studiengangs Restaurierung an der HfBK, war er verantwortlich für das Grundlagenstudium künftiger Gemälderestauratoren, bald auch für die Vermittlung historischer Maltechniken und Gemäldekopien.

Doch schon zu Beginn der 1980er Jahre nutzte er für sein eigenes, in relativer Stille wachsendes Œuvre den Eigenwert der Farben und ihre perspektivbildende Kraft in freier Abstraktion. Damals meist aus dunklen, pastos-öligen Gründen aufleuchtend, entwickeln sich seine Farbfeldarchitekturen heute auch vor den unergründlichen Weiten heller Bildgründe mit bis ins Haptische spürbaren Konturierungen, jedem einzelnen Flecken ein Eigenleben gegenüber den benachbart liegenden gebend.

Die Ausstellung überrascht mit der Vielfalt künstlerischer Mittel: neben Ölmalerei vor allem Handzeichnung und skizzenhaftes Aquarell, viele mit spielerischem Ansatz. Oft ohne direktes Naturvorbild variiert Jacob Materialkombinationen.

Wie viel allein schon ein farbiger Grund zur Atmosphäre beiträgt, zeigt sich in einer Folge großformatiger Handzeichnungen mit Kohle, Kreide oder Graphit. Einmal sind es rhythmische Bögen, aufgetragen mit der Breitseite des Kohlestiftes, an anderer Stelle parallele Geraden, locker mit der schmalen Längsseite gezogen, deren Wirkungen er gegeneinander setzt. Richtungswechsel, Überschneidungen, sparsame farbige Akzente und weiße Höhungen schaffen auf den grauen, grünen oder aschfarbenen Tonpapieren dichte und weniger dichte Partien, zwischen denen nicht zuletzt Licht und Schatten agieren. Schließlich übertrug er mit lockerer Hand das Prinzip des barocken Chiaroscuro, das durch weiße Lichtsetzungen dunkel gehaltenen Gegenständen Plastizität verleiht, auf seine surreal-abstrakten Kompositionen.

Mit derart reduzierten Mitteln gelingt es Jacob, einen unerschöpflichen Reichtum landschaftlicher, urbaner und natürlicher Visionen sichtbar zu machen. Auf jedem Blatt scheint eine fassbare räumliche Situation erkennbar: südliche, steilstufige Inselgässchen, eine breitgelagerte nordische Kirche mit aufragendem Turmstumpf, selbst Paris, La Defense, gaukeln sich ins Gedächtnis.

Architekturen als Volumina im Raum

Allerdings gibt es auch Phasen, in denen er sich dem Reflektieren der Natur hingibt. Reiseimpressionen aus Mittel- und Hochgebirgen, Maritimes, Elbblicke und Sächsische Schweiz. Tagebuchartige Skizzen und Zeichnungen erweisen sich nach wie vor als Medien, in denen sich Temperament und Intentionen eines Künstlers unmittelbar mitteilen. Auch hierbei ist zu beobachten, wie er einmal stärker mit der Spitze des Stiftes arbeitete, dann wieder mit flacher Breitseite. Die Architekturen werden als Baukörper wahrnehmbar, als Volumina im Raum.

Die Pole von Abstraktion und Einfühlung sind in jedem Werk zu finden - mehr oder weniger.

bis 14. Januar, BLICKPUNKT Kunst in der Forststraße in der Praxisklinik Herz und Gefäße, Forststr. 3

geöffnet Mo-Do 7.30-19, Fr 7.30-14 Uhr (30.12 7.30-14 Uhr, Silvester geschlossen)

von Jördis Lademann

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