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Werke von Folkert Rasch in der Dresdner Galerie Ines Schulz

Ausstellung Werke von Folkert Rasch in der Dresdner Galerie Ines Schulz

Folkert Rasch hat sich dem „Ort“ verschrieben, wo die Ewigkeit zum Tragen kommt: dem Horizont, der Linie zwischen Himmel und Meer. Seine Bilder, die das Sujet in sich tragen, lässt der Künstler beispielsweise mit dem Auftragen von Sand dabei sogar ein wenig dreidimensional wirken.

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Folkert Rasch. „Bilder vom Meer“. Mischtechnik auf Leinwand

Quelle: Galerie Ines Schulz

Dresden. Wie nähert man sich einem bildenden Künstler, der über sich sagt, ich muss nicht malen, was ich beschreiben kann? Man müsste sich demnach schweigend die Bilder vergegenwärtigen. Das ist wiederum kein schlechter Gedanke, da die Meeres­landschaften von Folkert Rasch in Schwingungen versetzte Stimmungen sind.

Eine Annäherung wäre aber auch über Titel und Themen bisheriger Ausstellungen in Köln, Hamburg, Düsseldorf oder Erfurt möglich: „Das Wunder der Schwerkraft“, „Zwi­schen den Gezeiten“, „Bilder der Sehnsucht“ oder „Das Geheimnis des Sichtbaren“. Apropos Geheimnis: „Nur was sich erahnen und erspüren lässt – das Geheimnis – ist wichtig.“, sagt Folkert Rasch, und das ist die Brücke, über die man gehen sollte, um ihn schließlich zu erreichen.

Die Eckpfeiler dieser Ästhetik sind Meereslandschaften, Sachlichkeit und die Metaphysik als eine Form des Realismus, welche mit der Wirklichkeit spekuliert. Was alle Bilder ver­bindet, ist vollendete Menschenleere als ein Seelenbild von Menschen. Eine kraft­volle Kunst, die auf Wirkungen abzielt; um im Sinne seines literarischen Vorbildes Ar­thur Rimbauds zu sprechen: „Die Ewigkeit, [ist] dort, wo sich die Sonne mit dem Meer vereint.“ Dort erkundet Folkert Rasch den metaphysischen, schwer fassbaren Augen­blick der Unendlichkeit in der Darstellung des Meereshorizonts. So gewinnt die hori­zontale Linie, wo die schiere Weite des Meeres mit der Weite des Himmels eine Symbiose eingeht, den Mittelpunkt seiner feingliedrig inszenierten Bilder. Dabei grei­fen die Elemente Wasser, Erde und Himmel so sensibel ineinander, dass der Be­trachter Konturen der Abgrenzungen kaum ausmachen kann. Dieser Eindruck wird durch die horizontale Überlagerung von Farbflächen sowie durch einen Farb- und Sandauftrag plastisch und damit auch dreidimensional erzeugt.

Folkert Rasch ist ein bodenständiger, klar strukturierter und ausgeglichener Mensch, der in Wilhemshaven geboren wurde, aus dem norddeutschen Mikrokosmos aus­gebrochen ist und schließlich in Braunschweig bei Professor Lienhard van Monkiewitsch und Hermann Albert seine künstlerische Heimat gefunden hat. Seiner inneren Ord­nung, seinem Realismus setzt er Fiktionen und Träume gegenüber. Er inszeniert kei­ne Bilder; er komponiert sie im Atelier und zeigt damit das Ende einer noch begeh­baren Welt. Seine Neigung zum Surrealismus steht in einer künstlerischen Nähe zu Edward Hopper, welcher Isolation und Entfremdung thematisiert, ebenso wie zu Gior­gio Morandi, dessen Werke von meditativer Stille und einem gewissen Futurismus geprägt sind. Aber auch an Caspar David Friedrichs Spiel mit unvergleichbaren Licht- und Strukturelementen, fühlt sich der Betrachter Folkert Raschs Bilder erinnert.

Diese rätselhafte Symbolik rückt die Arbeiten von Folkert Rasch auch in eine bühnenhafte, florentinische Kulisse als Traumwelt. Er möchte Bildräume erschaffen, die Harmonie vermitteln und bedient sich hier nicht selten am künstlerischen Prinzip des Goldenen Schnitts, wie er selbst sagt. Dieses Vorgehen spiegelt die Sehnsucht des Künstlers wider, alternative Welten zu entwerfen, die ausgewogene und ruhige Gefüge sein könnten.

Seine Meeres- und Landschaftsdarstellungen leben von Menschenleere und konzen­trieren sich daher ausschließlich auf das Objekt. Die Werkschau zeigt verlassene Häuser, Zypressen, Ruderboote, Brandungen und Leuchttürme, die, wie von Zufällen oder von Umständen gefügt, in die Kulisse gesetzt wurden. Eindrucksvoll ist zum Bei­spiel den Hiddenseebesuchern der bekannte Klausnerblick auf die Ostsee, wobei sich bei Folkert Rasch ganz beiläufig ein toskanisches Haus „eingeschlichen“ hat.

Je mehr Rasch von der erfahrbaren Realität abweicht, desto offenbarer wird das Prinzip der Ordnung, als eine Form des Neuen Realismus, mit der sich die Meta­physik auseinandersetzt. Der Neue Realismus ist alles andere als naiv. Die Grund-idee lautet vielmehr, dass wir die Wirklichkeiten, auf die wir Bezug nehmen, vermittelt erfahren. Wenn es keinen alternativen Blick geben kann, folgt daraus nicht, dass uns die Tatsachen verborgen sind. Vielmehr folgt daraus, dass wir die Dinge und Tatsachen, aus einer anderen Perspektive betrachten können. Und genau das macht Folkert Rasch. Das ist die Täuschung unserer Zeit, der wir mit den Arbeiten von Folkert Rasch auf den Zahn fühlen können.

Die Lebenskunst ist dem in Köln lebenden Folkert Rasch seit langem ein Thema; nicht weil er sie besitzt, sondern weil er sie sucht. Diese stammt be­kanntermaßen aus der antiken Philosophie und meint die immer neue Orientierung des Lebens im reflektierten Denken. Die Sehnsucht nach Gelassenheit wird in einer Zeit der „sti­mulierten Coolness“ immer größer. Von daher lohnt der Weg in den Obergraben 21. Denn, so sagt Folkert Rasch auch: „Wir können im Außen nichts finden, was wir nicht in uns tragen.“ Er lässt viel Raum, seine Bildwelten mit eigenen Gedanken und Emp­findungen zu füllen.

Der Rest ist Schweigen.

Ausstellung bis 5.4. Galerie Ines Schulz, Obergraben 21. Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa. 11-16 Uhr. Tel. 0351 8012243

www.galerie-ines-schulz.de

Von Uwe Behnisch

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