Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+
Werke von Eberhard Havekost in der Dresdner Galerie Gebrüder Lehmann

Werke von Eberhard Havekost in der Dresdner Galerie Gebrüder Lehmann

Eine Retrospektive versprechen die Gebrüder Lehmann mit ihrer aktuellen Ausstellung, die in zwei Teilen bis über den Jahreswechsel hinaus in Dresden und Berlin zu besichtigen ist.

Voriger Artikel
Kleine Dresdnerin erobert das Staatsschauspiel
Nächster Artikel
Sachsen verleiht künftig alle zwei Jahre hochdotierten Tanzpreis

Blick in die Ausstellung der Galerie Gebrüder Lehmann: Eberhard Havekost, Ausdruck 2, Ausdruck 1, Copy (v.l.), alle 2013.

Quelle: Tomas Petzold

Ein solches Anliegen scheint durchaus angemessen für einen Künstler in der Mitte der Vierziger, der zudem soviel Furor gemacht hat wie eben Eberhard Havekost. Doch dessen Intention sei eine umfassende Rückschau gerade nicht, wie der Galerist Ralf Lehmann auf Nachfrage verrät, mit retrospektiv sei schließlich nur schon einmal Gezeigtes gemeint, in diesem Fall zunächst in New York bzw. London und danach in der Ausstellung "Titel" an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo Havekost seit 2010 eine Professur für Malerei inne hat.

Die mehr als 100 Arbeiten dieser Auswahl sind in der übergroßen Mehrheit erst seither, also neben der Lehrtätigkeit bzw. nach der nunmehr drei Jahre zurückliegenden Ausstellung im Dresdner Lipsiusbau entstanden. Lediglich 15 Mal Öl auf Leinwand, darunter vier mehrteilige Arbeiten, erscheinen im Vergleich äußerst spartanisch, zumal in ihrem eigenen Minimalismus, bieten aber dennoch ein Spektrum der Mittel und einen Eindruck des Panoramas an Anregungen, aus dem Havekost derzeit schöpft bzw. das er vermittelt.

Wie bei dem ein paar Jahrzehnte früher in Dresden aufgewachsenen großen Bilderfinder, der seine tatsächliche Retrospektive, vom Zeitlichen abstrahierend, "Panorama" nannte, steht auch bei Havekost das Analysieren und Ausloten von Wahrnehmungs- bzw. Bildentstehungsprozessen im Vordergrund, aber er ist eher ein kalkulierender Transformer, der im Rückgriff auf (häufig medial vermittelte) Vor-Bilder offenbar wenig dem Zufall überlässt. Die Spannweite beim Umgang mit Farbe und Leinwand geht an die Grenzen: in der einen Richtung zu einer dem abstrakten Expressionismus nahestehenden, sehr stofflichen Malerei, in der anderen zu rein technischen, also im Grunde präzise reproduzierbaren Prozessen (bei denen allerdings die Feinstrukturen einer Leinwand respektive Ungenauigkeiten bei der Verwendung von Schablonen - zumal mit Hilfe digitaler Auswertung - eine sichere Identifizierung erlauben). "Copy" nennt er denn auch sein kühn und kühl ausbalanciertes Farbstreifenbild aus Blau, Grün, Schwarz und Rot, "Ausdruck" 1 bzw. 2 die im Positiv-Negativ kontrastierenden schwarz-weißen Konstrukte aus seriell verwendeten grob gezahnten Schablonen.

In der Mitte liegt ein Bereich sinnlicher Erfahrung, vermittelt als Verwaschung einerseits, als Konkretisierung andererseits. So zeigt das Duo "Licht" in erster Instanz lediglich einmal warme, einmal kalte, nicht im psychologischen Sinn atmosphärische Farbnebelgebilde. Während ähnliche Arbeiten auch mal ironisch Gegenständliches durchscheinen lassen oder assoziieren ("Fast Food"), finden sich daneben extrem, gewissermaßen expressiv gewählte Realitäts-Ausschnitte oder sperrige, stilllebenhafte Arrangements etwa aus hingeworfenen, wie Wolken über einem dunklen Grund dräuenden Pappresten ("Altpapier") oder rund um eine straff, aber beiderseits ins Nichts gespannte Kette, im übertragenen Sinne des Zitierens. Auch hier meidet der Künstler in ironischer Weise die Titellosigkeit des Bild-an-Sich, indem er nur schlicht die Entstehungstechnik der Arbeit angibt: "Siebdruck". Er spielt mit Fragmenten von verfremdeter, vermittelter Realität, die im weitesten Sinne mit dem Verhältnis Mensch-Natur-Technik zu tun haben, im engeren mit Konsum, Stoffwechsel, Transformation, womit sich der Kreis zur Bildverarbeitung schließt. Rätsel, die nicht unbedingt entschlüsselt sein wollen, auf den ersten Blick kein Streben nach einer erkennbaren Marke, aber doch eine unverwechselbare Aura, die gerade wegen der betonten Kühle und Distanziertheit etwas Verführerisches hat.

Eberhard Havekost: bis 11. Januar 2014 in der Galerie Gebrüder Lehmann, geöffnet Di bis Fr von 10 bis 18, Sa von 11 bis 14 Uhr, ab dem 21. Dezember bis zum 7. Januar ist die Galerie geschlossen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.12.2013

Tomas Petzold

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr