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Werke von Bernd Hahn in der Galerie Hieronymus

Intermezz oder Collagen Werke von Bernd Hahn in der Galerie Hieronymus

Das Collagenwerk von Bernd Hahn stand bislang etwas im Schatten seiner Malerei und Zeichnung sowie der sogenannten "Materialbilder", die ja eigentlich auch Collagen sind. Doch es wäre höchst verwunderlich, hätte er sich dieser Technik nie bedient.

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Bernd Hahn. Ohne Titel, 1979.

Quelle: Galerie Hieronymus

Dresden. Das Collagenwerk von Bernd Hahn stand bislang etwas im Schatten seiner Malerei und Zeichnung sowie der sogenannten "Materialbilder", die ja eigentlich auch Collagen sind. Doch es wäre höchst verwunderlich, hätte er sich dieser Technik nie bedient, die eine reproduzierte Kunst-Wirklichkeit erzeugt, wie sie auch das gesamte Werk kennzeichnet.

Bernd Hahn hat sich früh entschieden, auf einem Feld zu arbeiten, das bereits gründlich bearbeitet war, als er es für sich entdeckte. Und so gebildet und reflektiert, wie er war, hat er immer mitbedacht, was die Moderne bereits geleistet hatte, ohne sich je irgendwelcher postmodernen Frivolitäten oder Zitate zu bedienen. Was er wollte, war eine poetische Interpretation von bildhaften Ordnungen, die er selbst erfunden oder aus dem abgeleitet hat, was ihn umgab: Natur, Architektur, Materialstrukturen und dergleichen mehr.

Die Attribute der Gegenstandslosigkeit - konkret, konstruktiv, geometrisch, abstrakt - passen auf diese Arbeit nicht, weil von allem etwas darin aufscheint, am wenigsten wohl das Konkrete, denn mit mathematisch grundierten Ordnungen hielt er es nicht.

Viel eher kann man sein Werk beschreiben als andauernde Umkreisung sinnlich-intuitiver Gesetzlichkeit, die nicht vorgegeben war, sondern die er im Arbeiten selbst bestimmte. Das macht erst die Ausdrucksvielfalt möglich, die er in seiner Arbeit erreicht hat, einem Werk, das beständig changiert zwischen kalligraphischen Impulsen, gespannten Flächen und minimalistischen Formen, die an Gehäuse oder anorganische Strukturen erinnern.

Bernd Hahn selbst sprach von der Geometrie der Poesie und nicht von der Poesie der Geometrie, was einen bedeutenden Unterschied macht. Emotion und Objektivierung, Einfachheit und Nobilitierung der sparsamen Materialien waren die Pole, zwischen denen er sich mit wechselnder Entschiedenheit bewegte. Die statischen Momente seiner Arbeit deuten auf alles andere als Beharrung. Er wählte vielmehr eine bedächtige Bewegungsform, denn es kam ihm nicht darauf an, große Schritte zu machen, sondern die Harmonien zu vervollkommnen, die allem seinem Tun zugrunde lagen.

Ursprünglich hatte Bernd Hahn einen Bauberuf erlernt und wollte Architekt werden. Es war der Dresdner Stadt- und Figurenmaler Siegfried Klotz, der ihn an der Abendakademie dazu brachte, Malerei zu studieren. Doch geriet er nie in dessen Dunstkreis und begann schon als Student in Dresden seine ungegenständlichen Formen zu entwickeln, indes die Mehrheit der Kommilitonen sich einer expressiven Figuration zuwandte. So kam es, dass Bernd Hahn ohne programmatische Attitüde in seiner Generation die zweite Linie der Dresdner Moderne-Tradition fortsetzte, die durch Hermann Glöckner begründet und definiert worden war. Ob Bernd Hahn den großen Koloristen Albert Wigand und dessen wunderbares Collage-Spätwerk kannte, darüber haben wir nie gesprochen. Man kann es jedoch vermuten, Reflexe von dessen vollkommen unbefangenem Umgang mit dem Material deuten darauf hin.

Um 1990 bricht das Intermezzo der Collagen ab, vielleicht auch deshalb, weil die DDR-Relikte zu viel soziale Konkretion und Zeitgebundenheit ins Werk transportiert haben, die Bernd Hahn eigentlich nicht interessierten. Die Metaphysik seiner Bilder und Zeichnungen spiegelte real Erlebtes auf viel höher übersetzter Ebene, aber er hatte eben auch eine Biographie, in der Rockmusik und Pop-Art und die damit verbundene ironische Widerständigkeit eine wichtige Rolle gespielt haben. So etwas wie ein Esoteriker der Farbfeldmalerei ist er nie gewesen.

Nach 1990 wurde seinem Werk weithin Anerkennung zuteil. Er hat im Unterschied zu etlichen Kollegen die geschichtliche Veränderung als Glück und Ermutigung empfunden. An den Tröpfen offizieller Kunstförderung der DDR hat er nie gehangen, die gemeinsam mit Kollegen aufgebauten Produktions- und Vertriebsstrukturen der Künstlergruppe B 53, vergleichbar denen westlicher Produzentengalerien, hatten ihm schon früh ein vergleichsweise hohes Maß an Unabhängigkeit gesichert. Es blieben ihm gut 20 Jahre, um sein Werk in alter Beharrlichkeit mit neuen Energien voranzutreiben. Reisen brachten neue Inspirationen und er begann auch fotokünstlerisch zu arbeiten. Jenes Feld, das er früh betreten hatte, schritt Hahn mit immer neuen Werkgruppen in alle möglichen Richtungen aus, ohne es jemals zu verlassen.

Ausstellung Bernd Hahn "Collagen" bis 15. Januar verlängert, Galerie Hieronymus, Friedrich-Wieck-Straße 11, Mi und Fr 13-18 Uhr, Do 14-19 Uhr, Sa 11-14 Uhr. Tel. 0351 / 267 87 56

www.galerie-hieronymus.de

Matthias Flügge

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