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Werke Gerd Küchlers aus zwei Jahrzehnten in der Dresdner Villa Eschebach

Ausstellung Werke Gerd Küchlers aus zwei Jahrzehnten in der Dresdner Villa Eschebach

Noch bis 8. April werden in der Villa Eschenbach Werke des Dresdner Künstlers Gert Küchler ausgestellt. Ein Vertreter der Konkreten Kunst, der in der Tradition von Kandinsky und Mondrian steht.

Gert Küchler: Komposition 3, 2011, Monotype.

Quelle: Repro: Dresdner Volksbank

Dresden.  Mit der zwei Schaffensjahrzehnte abbildenden Ausstellung „Konkret – Abstrakt“ stellt die Dresdner Volksbank Raiffeisenbank in der Villa Eschebach einen der nicht so zahlreichen jüngeren Vertreter der Konkreten Kunst des Dresdner Raums vor: Gerd Küchler (geb. 1965). Der hatte schon als Kind lebhaftes Interesse an allem Rechteckigen und Rechtwinkligen. Gleichwohl war der Weg zur Kunst damit nicht zwangsläufig vorgegeben. Der junge Mann lernte zunächst Stahlbauer. Aber dann machte er doch an der HfBK Dresden 1995 sein Diplom im Fach Theatermalerei und schloss gleich ein Direktstudium der Freien Kunst (bis 1999) an, in dem Max Uhlig und Claus Weidensdorfer seine Lehrer waren.

Küchler schlug bald den Weg der Abstraktion ein, wobei er zunächst vom Sichtbaren ausging, wie einige der aus dem Jahr 2000 stammenden Bilder in der Ausstellung („Häuser in Pieschen“, „Große Stadtlandschaft“, „Streifenlandschaft“) verdeutlichen. Das Vorgehen jener Jahre erinnert an die Hinwendung Hermann Glöckners zum Konstruktiven in den 1920er/30er Jahren. Küchler selbst spricht vom „Zurückführen des Sichtbaren auf das Substanzielle“. Letzteres ist in Struktur, Raum und Farbe sowie dem Zusammenspiel dieser Elemente zu finden, die zugleich unterschiedlichste Inspirationen aufnehmen können – nicht nur aus der umgebenden Welt, sondern auch aus der Musik oder der Psyche. Zudem meint Struktur und Raum bei Küchler keineswegs nur Konstruktives, sondern ebenso Amorphes, wie es sich etwa in kleinen „Moosbildern“ (2000), die sich auf die Sächsische Schweiz beziehen, ausdrückt. Wie die frühen Stadtbilder haben diese noch einen Bezug zum Sichtbaren, der später aber ebenso wie bei den konstruktiven Arbeiten der künstlerischen Selbstreferenz Platz macht.

Abgesehen von bis heute anhaltenden erdenden Selbstvergewisserungen in der Landschaft (Beispiele findet man im kleinen Kabinett in der ersten Etage), ist Gerd Küchler um 2000 in der Konkreten Kunst angekommen. Vor reichlich hundert Jahren, um 1910 hatte Kandinsky von Kunst „ohne Bezug zum Sichtbaren, Kunst, die reine Gegenstandslosigkeit“ verkörpert, gesprochen. In jenen fernen Jahren findet auch Gerd Küchler manche seiner Bezüge, etwa bei Mondrian, dessen konstruktiver und farblicher Klarheit, aber ebenso bei Spielarten und Übergängen auf diesem Feld der Kunst.

In der Ausstellung spannt sich der Bogen - von den frühen Positionierungen war schon die Rede - von sich konstruktiv gebenden Bildern wie „Big Orange“ (2004), „Goldbergvariation 1 – 5“ (2006/07) zum farblich besonders leuchtenden „Sinalco 3“ (2014). Diese Werke zeigen eine klare Ordnung, beruhend auf einem Spiel mit rechteckigen Flächen oder Streifen. Sie erscheinen mal streng – das gilt für die hier genannten Bilder -, mal weniger streng (da spielt möglicherweise das Interesse an Scully eine Rolle), zeigen teils strukturierte, teils glatte Oberflächen. Mitunter sind die Bildelemente zu Rastern verbunden, etwa als gegeneinander gestellte Quadrate oder Rechtecke von Gruppen waagerechter und senkrechter Streifen, die mit den Abstufungen einer Farbe oder Farbkontrasten arbeiten. Teils werden Bilder aus Bildern, also Modulen, gebildet. Eine logische Konsequenz daraus scheinen in die dritte Dimension vorstoßende Objekte, deren gestaffelte Oberflächen vor- und zurückspringen, mal weniger, mal mehr eine plastische Wirkung entfalten, ja wie der „Floh“ (2009) zur Plastik werden.

Aus derartigen Staffelungen entsteht ein zusätzliches Spiel mit Licht und Schatten, das die Wirkung der Farbklänge beeinflusst. Mal Ton in Ton gehalten, mal kontrastreich, kommen die Farben partiell zum Flirren und Vibrieren, Farbflächen werden zu Energiefeldern. Nicht zuletzt gilt das für eine der jüngsten Entwicklungen mit dem Titel „Apollo“. Diese seit 2013 entstehenden Bildobjekte zeigen kleinteiligere Elemente, die obendrein in vier Schichten, neu geordnet, übereinander platziert sind. Das Unten scheint partiell nach oben durch, wird partiell aber auch verdeckt. Besonders auffallend: Küchler führt in diese lichten Arbeiten eine neue Form ein: die Kurve.

Eine andere Variante des Geometrischen zeigt sich in den unikalen, ausgesprochen malerischen, lyrisch wirkenden Monotypien der Folge „Farbklang“ (2014). Die Blätter erinnerten die Schreiberin an die „Variationen zu einem Thema von Otto Freundlich“, die der Dresdner Wilhelm Müller diesem mit der Moderne zutiefst verbundenen, von den Nazis als „entartet“ eingestuften und 1943 in Maidanek ermordeten Künstler 1990 gewidmet hat. Küchlers Arbeiten stellen eine Verbindung zur seit 1930 von Freundlich gepflegten tektonischen Farbfeldmalerei her.

Wie schon angeklungen, entstehen seit 2000 amorphe, informell erscheinende Werke. Dafür nutzt Küchler den Rakel, erzeugt damit durch wiederholtes Auf- und Abtragen der Farbe vielschichtige Farbflächen mit interessanter Textur. Sie stehen durchaus in Verbindung mit den „Moosbildern“ oder einer gleichnamigen Aquatinta sowie auch mit einem kleinen, landschaftlichen Farbflächenbild von 2009/11, das der Künstler „Für Paula M.“, also Paula Moderson-Becker, nannte. Natürlich ist es nicht zu weit hergeholt, wenn man bei den Rakelbildern zudem eine Inspiration durch entsprechende Werke Gerhard Richters vermutet, wenngleich der Rakel schon länger von Malern genutzt wird.

Küchler nennt seine Reihe von 2015 wie die Monotypien „Farbklang“, wobei das Bild mit der Nummer 7 bei der Schreiberin eine Assoziation zu Monets späten Seerosenbildern weckte, bei denen dieser der erst Jahrzehnte später entwickelten informellen Abstraktion sehr nahe kam. Gleichwohl ist die Entstehung eines solchen Assoziationsraums nicht beabsichtigt, genügt sich die Malerei Küchlers doch auch selbst.

Der Künstler setzt seit Jahren eigene Akzente im Feld der Konkreten Kunst, die auch in Dresden ganz unterschiedliche Spielarten zeigte und zeigt, sich als vielfältiger erweist, als es auf den ersten Blick scheint und wie es etwa das Schaffen von Karl Heinz-Adler, Inge Thiess-Böttner, Hermann Glöckner, Friedrich Kracht, Manfred Luther oder eben Wilhelm Müller belegt. Gerd Küchler ist ein Freund des Ausprobierens und Experimentierens, des Spiels mit geometrischen Formen, aber auch mit amorphen Strukturen, weniger der mathematisch begründeten konstruktiv-künstlerischen Entäußerung.

bis 8. April, Di, Do 8.30 bis 18 Uhr, Mo, Mi 8.30 bis 16 Uhr, Fr 8.30 bis 13 Uhr.

Von Lisa Werner-Art

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