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Wer war Velemir Dugina? Der Dresdner Autor Mathias Bäumel auf Spurensuche

Wer war Velemir Dugina? Der Dresdner Autor Mathias Bäumel auf Spurensuche

Sein Grabmal hat kein Kreuz. Denn Velemir Dugina ist - mit nur 28 Jahren - freiwillig aus dem Leben gegangen. Das war für die Kirche auch im sozialistischen Jugoslawien eine Sünde.

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Velemir Dugina 1984 als Leiter seines Kammerensembles Quintetto 900.

Quelle: Joanne Dugina/ Archiv Soldicic

Gegen die Aufschrift "Professor Violine" hatten die orthodoxen Pfaffen jedoch nichts einzuwenden. Diese Besonderheiten eines winzigen Friedhofs auf der heute kroatischen Adria-Insel Cres sind Mathias Bäumel aufgefallen. Der Dresdner Autor hat Velemir Dugina nun nachträglich ein Denkmal gesetzt.

Mathias Bäumel kennt und liebt die multikulturelle Region um Triest und Rijeka, beinahe zwangsläufig stieß er so auch auf die Bücher von Claudio Magris. In dessen "Microcosmi" (dt. "Die Welt en gros und en détail", Hanser-Verlag 1999) fand er Hinweise auf "Prof. Violine" und dessen Grabstätte im Dörfchen Stivan. Über mehr als zwei Jahre hinweg recherchierte er nach jenem Velemir Dugina, befragte einstige Zeitzeugen und entdeckte so eine faszinierende Persönlichkeit. Dugina wurde 1958 in Australien geboren, ein Jahr später war seine Familie in Rijeka, musste 1968 Jugoslawien aber verlassen und übersiedelte ins nahe Triest. Diese Stadt ist seit jeher ein Schmelztiegel der Kulturen, auch für Dugina müssen die Einflüsse dort sehr fruchtbar gewesen sein. Er studierte Violine und gewann im Sommer 1972 den Internationalen Wettstreit Junger Talente in der Pionierrepublik "Wilhelm Pieck" am Werbellinsee, wie Mathias Bäumel herausfand. Für sein Buch interviewte er auch einstige Lehrer Duginas, die von dessen sensibler Persönlichkeit schwärmten, sowie spätere Mitstreiter in diversen Orchestern und Bands.

Schon während seines "mit einem brillanten Diplom" abgeschlossenen Studium schloss sich der Geiger verschiedenen Ensembles an, später wirkte er im Orchester bei den Festspielen in Verona mit, doch sein Herz schlug ganz offenbar für die Verbindung von Folklore und Jazz. Es gibt zwar nur wenige Aufnahmen seiner Musik, die aber verraten einen virtuosen Meister, der seine slawischen Einflüsse mit der irischen Herkunft seiner Mutter vermengte. Selbst die populäre "Riverdance"-Musik soll auf einen Titel Duginas zurückgehen.

Zur Buchpräsentation im Kulturhaus Loschwitz improvisierte Steffen Gaitzsch von der Dresdner Philharmonie zu mehreren Stücken von Velemir Dugina und gab so einen Eindruck von dieser durch verschiedenste Stile geprägten Persönlichkeit. Mathias Bäumel las Passagen aus seinem druckfrischen Buch und war im Gespräch zu mannigfaltiger Auskunft über seine Leidenschaft für "Prof. Violine" bereit. Bescheiden hob er hervor, nur einen Anstoß leisten zu wollen, um dieses besondere Talent dem Vergessen zu entreißen. So mutmaßte er auch nicht über die Umstände von Duginas Selbstmord, sondern beließ es bei den Fakten.

Ein schön gestaltetes, leider nur flüchtig lektoriertes Büchlein ist da entstanden. Mit Lesebändchen, stimmungsvollen Fotografien des Autors und obendrein zweisprachig, um auch das italienische Publikum auf die Stationen von Velemir Dugina einzustimmen. Zu wünschen wäre ihm ein vielfaches Echo, womöglich ist so noch mehr von diesem geheimnisvollen Musiker zu erfahren.

Mathias Bäumel: "Velemir Dugina. Eine Spurensuche / Una ricera di tracce", Verlag SchumacherGebler, Dresden, ISBN 978-3-941209-27-5, 90 Seiten, 12,95 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2013

Michael Ernst

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