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Wenn es auf der Bühne explodiert:Die wunderbare Wallis Bird im Beatpol

Wenn es auf der Bühne explodiert:Die wunderbare Wallis Bird im Beatpol

Sie stampft, sie tanzt, sie dreht sich. Sie schreit, sie bringt Gitarren-Saiten zum Reißen. Wo die nur 1,60 Meter hochgewachsene Irin diese Energie hernimmt, bleibt fraglich.

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Ein Zauber, eine Kraft: Wallis Bird.

Quelle: Dietrich Flechtner

Aber eine Wallis Bird kann auch anders. Leise und zerbrechliche Töne, ehrliche, hochpersönliche Texte, gesungen mit geschlossenen Augen - auch das ist typisch für die Musikerin. Zu versuchen, sie und ihre Musik in eine Schublade zu stecken, wäre vermessen. Aber eines kann man mit Sicherheit sagen: Wer ihr Konzert im Beatpol sah, wird diesen Abend nicht so schnell wieder vergessen. Wallis Bird tourt mit ihrer Band gerade durch Europa, um ihr neues Album "Architect" vorzustellen - und machte auch in Dresden einen Stopp. Ehrlicher, mitreißender und energiegeladener kann ein Konzert kaum sein. Wallis Bird toppte jede Vorstellung eines grandiosen Konzertes. Doch auch die Vorband verdient Erwähnung.

Die Rede ist von Teresa Bergman und ihrem Schlagzeuger, Alex Skoczowsky. Das Duo zeigte bereits die Richtung an, in die es später bei Wallis gehen sollte: eine Power-Frau an der Gitarre, mal (überaus) laut, mal gefühlvoll, treibend, wuchtig, zart. Die ganze Palette an Gefühlen. Besonders Alex hatte einen großen Anteil daran, dass die Musik so lebendig wirkte - alle paar Minuten hatte er ein anderes Percussion-Instrument entweder in der Hand oder auf dem Schoß. Die gebürtige Neuseeländerin Teresa Bergmann war nach eigener Aussage zum ersten Mal in Dresden und hatte bis dahin auch nur "diesen Zimmer gesehen", womit sie den Beatpol meinte.

Dann kam Wallis. Und legte los. Was diese Frau für eine Ausstrahlung hat, kann man kaum beschreiben. Betritt sie eine Bühne, fühlt man sich ihr und der Band sofort verbunden. Zwischen der 32-jährigen Sängerin und dem Publikum entsteht eine so starke Verbindung, eine Energie, die man selten bei einem Konzert erlebt. Einer der Gründe: Wallis spielt ihre Songs nicht nur, sie lebt sie. In jeder Minute. Und da spielt es keine Rolle, ob sie alte Songs wie beispielsweise "Encore" oder "Blossoms in the street" spielt oder brandneue.

Auf "Architect" hat sich die Musikerin übrigens stark weiterentwickelt. Elektronischer ist es geworden, experimenteller und unkonventioneller. Doch den tief in ihr verwurzelten Folk-Elementen bleibt sie nach wie vor verpflichtet. Auf der Bühne verwendet sie allerdings wenige elektronische Instrumente, sondern beschränkt sich hauptsächlich auf einen Looper. Oder aber, Wallis steht mit Christian Vinne, ihrem Drummer, am Schlagzeug und legt eine Top-Session hin. Christian, wie auch sein Bruder Michael Vinne am Bass und Aidan an der Klarinette, Gitarre und Melodica sind seit Jahren ein fester Bestandteil der Band. Dieses Jahr neu mit dabei ist Emma Greenfield an der Trompete und als Background-Sängerin. Gemeinsam erzeugen sie ein einzigartiges Klanggemisch, mal dicht, mal differenziert, mal in Hau-drauf-Manier, mal schlicht.

Doch die besonderen und hoch intimen Momente sind die, in denen Wallis ganz alleine auf der Bühne steht. Einer davon wird zum wahren Höhepunkt, der übrigens nicht ohne die begeisterten Fans zustande gekommen wäre. Die wollten nämlich mehr, eine zweite Zugabe. Das Konzert ist eigentlich schon beendet, die Hintergrundmusik aus den Lautsprechern hat bereits eingesetzt, das Licht ist an. Doch das Klatschen und Pfeifen nimmt kein Ende. Wallis erscheint erneut - alleine. Sie stimmt "In dictum" an, ein Song ihres 2012 erschienenen Albums "Wallis Bird". Nach wenigen Takten lässt sie die Gitarre ruhen, dann verzichtet sie auch auf das Mikrofon. Sie steigt ins Publikum hinunter und bildet mit ihm einen riesigen Kreis. Alle halten sich an den Händen oder umfassen die Schulter des Nachbarn. Wer den Text kann, singt mit. Diese Massen-Energie, dieses unglaubliche Gemeinschaftsgefühl - unbeschreiblich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.05.2014

Annette Thoma

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