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Wenn der Tanz spricht: Bemerkenswert Neues aus dem Palucca Tanz Studio

Wenn der Tanz spricht: Bemerkenswert Neues aus dem Palucca Tanz Studio

Es ist schon ein großer Vorzug, dass zum heutigen modernen Gebäudekomplex der Palucca Hochschule für Tanz Dresden eben auch ein großer, vielseitig zu nutzender Saal gehört, der nicht allein nur Raum bietet für Training oder Proben, sondern ebenso geeignet ist für öffentliche Aufführungen.

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Zoe Lenzi und Michael Ostenrath in "Reminiscence".

Quelle: Ian Whalen

Dresden. Wenn es also mal nicht gelingen kann, die beim Publikum gefragten Vorstellungen vom Palucca Tanz Studio im Kleinen Haus vom Staatsschauspiel unterzubringen, dann lassen sich so auch noch die eigenen Möglichkeiten nutzen. Und das ist für das Publikum aufgrund der besonderen Nähe zu den jungen Tänzern ganz gewiss kein Nachteil.

Am Wochenende nun ist mit der Premiere im besagten Grünen Saal der Tanzhochschule ein neuer mehrteiliger Abend vom Palucca Tanz Studio gestartet. Und was dabei den Besuchern geboten wird, kann sich absolut sehen lassen. Eine gute Mixtur aus neuen wie auch bereits bekannten Choreografien, mit Arbeiten, die die Tänzerinnen und Tänzer in schönster Weise herausfordern. Dazu gehören auch Ausschnitte aus "Drei" (2005) und "Seder" (2007) sowie "Echad mi Yodea" (1990), Arbeiten des israelischen Meisters Ohad Naharin. Die stets aufs Neue ihren Reiz entfalten, zumal auch dann, wenn sie von so jungen Künstlern aufgeführt werden.

Da nimmt man ganz aus der Nähe mehr als nur Formationen, Energien, Abläufe wahr, erfährt die Tänzer - korrespondierend mit Raum und Inhalten - quasi mittendrin im Geschehen. Und spürt geradezu leiblich dieses nuancierte Zeitgefühl, wo nichts dem Zufall überlassen ist. Mit "Me, myself and I" von Andreas Heise, der einst an der Palucca Hochschule Tanz studierte, zunächst beim Ballett Leipzig, dann beim Norwegischen Nationalballett in Oslo engagiert war und längst auch als Pädagoge und Choreograf erfolgreich ist, stellt dieser nun in Dresden mit drei Studierenden des 2. Studienjahres, Bachelor Tanz, ein Männer-Trio zu Musik von Wolfgang Amadeus Mozart vor. Das wirkt sehr speziell, besonders auch im Solo von Felix Berning, in der Tanzsprache bemerkenswert nuanciert ist und auf vordergründige Effekte verzichtet. Spürbar ist das eine Arbeit, die auf sympathische Weise in sich ruht, ohne langweilig oder banal zu sein, und dabei nicht rundum perfekt ist, aber so, dass man sie sich gern auch noch ein weiteres Mal anschauen möchte.

Was für alle Choreografien des Abends zutreffend ist. Zumal sich die Tanzstudierenden derart kraftvoll und engagiert einbringen, dass auch das Zuschauen Freude macht. Bei dieser Produktion - die künstlerische Leitung des Palucca Tanz Studios obliegt Anke Glasow - haben offensichtlich nicht nur die Einstudierenden gute Arbeit geleistet, sondern letztlich auch jene, die für die Probenleitung sorgen. Und da braucht alles so seine Zeit; der Hochschulalltag an sich ist ja schon herausfordernd genug.

90 Jahre nach Paluccas Unterrichtsstart

Gleich 15 Tänzerinnen und Tänzer vom 3. Studienjahr, Bachelor Tanz, sind bei "Reminiscence" auf der Bühne, einer Arbeit von Ihsan Rustem, dem gebürtigen Londoner, der in der Schweiz lebt, in den USA arbeitet und offenbar viel unterwegs ist. Seine Choreografie ist spannend beispielsweise in der Raumkomposition, schafft für jeden Beteiligten markante Auftritte und bekommt intensive Momente, wenn ein solcher Tänzer wie Michael Ostenrath dabei ist. Die Arbeit "Love us tender" von Avatara Ayuso kommt als erfrischend-gewitztes Spiel mit Worten und Körpersprache daher, wo man schon bald begreift, dass sich letztere noch gut und gern behaupten kann, wenn bei aller Empfindsamkeit, in Chaos und Katastrophe mit Worten an sich nicht mehr viel zu sagen ist. Da kann jeder seinem Affen Zucker geben, ist Spaß und Laune angesagt, und eine so junge Schar wie die Studierenden vom 2. Studienjahr, Bachelor Tanz, bringen gewiss schon einiges an Erfahrungen mit sich, wenn es um Beziehungen geht.

Ein bemerkenswerter Abend mit wunderbaren Tänzern. Und es ist ein wahrhaft gutes Gefühl, justament 90 Jahre nach dem Unterrichtsstart von Palucca in Dresden sagen zu können, dass diese Ausbildungsstätte für den Tanz immer noch und immer wieder Absolventen hervorbringt, die sehr besonders sind und sich aus der Menge hervorheben. An diesen engagierten, motivierten jungen Tänzern hätte Palucca ganz gewiss ihre Freude gehabt. Und auch daran, dass ihnen die Welt offen steht, dass jeder seine Chance nutzen, seinen Weg gehen kann. Wobei sich die Vorstellungen von Tanz, von musikalischer Inspiration, von Möglichkeiten und Herangehensweisen ja deutlich verändert haben. Doch das liegt nun mal in der Natur der Sache.

Palucca Tanz Studio, weitere Aufführungen am 11./12. Dezember, Beginn 19 Uhr, Tickets online unter www.cybersax.de oder an der Tageskasse ab 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn, Zugang über Wiener Straße 119, im Neubau der Hochschule ist zudem die Ausstellung "Bewegende Zeiten" zu sehen www.palucca.eu

Gabriele Gorgas

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