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Wenn Dresdner Kreuzchor und -schule Geburtstag haben, feiert das Kreuzgymnasium mit

800 Jahre Wenn Dresdner Kreuzchor und -schule Geburtstag haben, feiert das Kreuzgymnasium mit

Ein 800. Geburtstag ist eine Riesensache. Wenn Kreuzchor und Kreuzschule feiern, will das Kreuzgymnasium nicht abseits stehen. Also wird geklotzt statt gekleckert: Die Uraufführung eines Musicalmärchens nach E.T.A. Hoffmanns „Der goldne Topf“ wird das Ergebnis sein.

Proben für das Musical „Der goldne Topf“ am Kreuzgymnasium Dresden.

Quelle: Kreuzgymnasium

Dresden. Also doch eine Uraufführung zum 800-jährigen Bestehen des Dresdner Kreuzchors! Die Thomaner in Leipzig haben es vorgemacht und jede Menge Kompositionsaufträge vergeben. Hier aber feiert das Kreuzgymnasium mit und steuert eigens ein „musicalisches Märchen“ bei. Es sollte ein Stück mit Dresden- und Kreuzchor-Bezug sein.

Was lag da wohl näher als „Der goldne Topf“ von E.T.A. Hoffmann? Das romantische Märchen spielt vor den Toren der Stadt – genauer: vorm Schwarzen Tor, das sich bis etwa 1812 in der Nähe des heutigen Albertplatzes befand –, es führt hin zum Elbufer und hat mit der Figur des Konrektors Paulmann womöglich einen direkten Bezug zum Kreuzchor sowie zu Kreuzschülern von damals.

Vor allem aber geht es um den Studenten Anselmus, der sich in die Tochter des Geheimen Achivarius Lindhorst verliebt und allerlei Begegnungen zwischen Realität und träumerischer Romantik auszustehen hat. Aus dieser Vorlage – erstaunlicherweise ein Text, den der vielfach begabte Hoffmann nicht selbst vertont hat – sind in späterer Zeit zwei Opern entstanden, vor gut 70 Jahren eine vergessene des Darmstädters Wolfgang Petersen sowie die im Mai 1989 durch Joachim Herz inszenierte von Eckehard Mayer, zu der Ingo Zimmermann das Libretto verfasste.

Am Kreuzgymnasium hat nun Kornél Magvas die Idee gehabt, aus diesem Stoff ein Musical zu verfassen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Volker Milde und Dietrich Zöllner komponierte der Musik-, Deutsch- und Theaterlehrer aus dem Kunstmärchen dieses Stück, das er nun in eigener Regie auf die Bühne bringt. Auch das Libretto stammt von Magvas, für die Liedtexte hat Hendrik Felber zur Feder gegriffen.

Vor allem aber sind es rund 160 Schülerinnen und Schüler, die am „Goldnen Topf“ beteiligt sind und als Sänger-Darsteller, Orchester- und Band-Mitglieder sowie in Chor- und Tanzszenen bei diesem „musicalischen Märchen aus der neueren Zeit“ zu erleben sein werden.

„Diese Produktion ist eines der Vorhaben unserer Schule zum Jubiläum von Kreuzchor, -kirche und -schule“, sagt Kornél Magvas im Probengespräch. „Neben einigen gemeinsamen Projekten mit den Kruzianern ist dies unser eigener Beitrag dazu.“ Er habe bewusst auf Populärmusik gesetzt, um den Mitwirkenden und ihrem Publikum möglichst viel Freude zu bereiten. Entstanden ist ein Mix aus schwungvollem Pop und typischem Musical-Sound, angereichert mit klassischem Material, funkigen und sogar karibischen Elementen.

Kunstmärchen mit Dresden-Kolorit

Die grundlegende Idee sei gewesen, so Magvas, alle an der Schule vorhandenen Talente zu bündeln und für das Projekt auch zu fordern, um einerseits nichts dem Zufall zu überlassen, andererseits auch wirklich alles aus eigenen Kräften zu realisieren. Daher sind trotz der nur sehr wenigen Vorstellungstermine mehrere Rollen doppelt besetzt, werden einige Figuren zwischen Bühne und Orchester wechseln und ist auch der Chor szenisch angelegt. Zwei choreografische Einlagen werden einen Tanz der Schriftzeichen sowie die gegensätzlichen Prinzipien von Gut und Böse darstellen, um die Welten von Anselmus und Archivarius zu verdeutlichen. Schließlich geht es um die Frage, ob aus dem Studenten ein biederbraver Hofrat wird oder ob ihm statt bürgerlichem Aufstieg nicht doch die Poesie viel näher am Herzen liegt. „Das Pendel schlägt nach beiden Seiten aus“, erläutert Kornél Magvas, „ganz sicher ist das auch bei vielen jungen Menschen heute so.“ Vor allem aber sei es die Sehnsucht nach Liebe, die von allen am „Goldnen Topf“ der heutigen Zeit beteiligten Menschen verstanden und wohl auch geteilt werden dürfte.

Dazu ist die Sporthalle des Kreuzgymnasiums zur Spielstätte mit Bestuhlung und extra eingerichteter Bühne umfunktioniert worden. Neben dem Kreuzschulorchester wirkt die Schulband M. & The Jazzmatix mit. Für das Bühnenbild hat sich mit Saskia Winkel eine weitere Kollegin von Magvas engagiert und teilweise aus Gebrauchsgegenständen Kulisse und Ausstattung gezaubert. Auch die Kostüme sollen einen Mix aus romantischer Vergangenheit und realer Gegenwart bieten.

Das Schwarze Tor und auch das Linckesche Bad, in dem E.T.A. Hoffmanns Anselmus einst „paradiesische Glückseligkeit“ empfunden haben soll, gibt es nicht mehr. Auch der Zeitgeist hat sich grundsätzlich gewandelt. Dennoch soll im „musicalischen Märchen“ viel Dresden-Kolorit aufscheinen, einerseits natürlich durch den Text und andererseits durch die Musik, die nicht zuletzt auch ein Zitat des einstigen Kreuzkantors Rudolf Mauersberger enthält.

Nach der 2010 am Staatsschauspiel herausgekommenen Inszenierung von Sebastian Baumgarten ist „Der goldne Topf“ am Kreuzgymnasium in jüngerer Zeit die zweite Deutung des Stoffes um Glaube, Liebe und Hoffnung am quasi historischen Handlungsort. Und eine veritable Uraufführung zum Jubiläum des seit acht Jahrhunderten überwiegend von zeitgenössischem Schaffen zehrenden Kreuzchors.

„Der goldne Topf“, Premiere 25.2., weitere Vorstellungen 26., 27.2., jeweils 19.30 Uhr, Sporthalle des Kreuzgymnasiums, Dornblüthstr. 4

www.kreuzgymnasium.de

Von Michael Ernst

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