Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Weniger kann mehr sein - 3. modul-dance-Festival im Festspielhaus Dresden Hellerau

Weniger kann mehr sein - 3. modul-dance-Festival im Festspielhaus Dresden Hellerau

"Ich mag Experimente", meinte eine Besucherin nach dem Auftritt der niederländischen Künstler beim 3. modul-dance-Festival im Festspielhaus Hellerau. Und ganz offenbar gehört sie wohl zu jenen Neugierigen, die sich nicht nur für die vermeintlichen Höhepunkte im Großen Saal, sondern eben auch für die möglicherweise riskanteren Aufführungen in den kleineren Sälen und Spielstätten interessiert hatten.

Voriger Artikel
Keller voller Klamauk - Saisonstart im Comedy Theater Club Dresden
Nächster Artikel

Szene aus der Choreografie "Democracy" von Maude Le Pladec.

Quelle: Konstantin Lipatov

Wie man überhaupt bei Young European Choreographers auf Unerwartetes trifft; fast alle der beteiligten Produktionen wurden als Ur- oder Deutsche Erstaufführungen vorgestellt. Bekannte Namen waren da eher selten. Was aber kein Nachteil sein muss.

Übrigens hatte besagte Besucherin zuvor gerade die Deutsche Erstaufführung von "I is an other" erlebt, ein wahrhaft ungewöhnliches "Zwiegespräch" auf der Bühne, in welches das Publikum denkwürdig mit einbezogen ist. Arno Schuitemaker als Choreograf des Stückes beobachtet zunächst, wie sich Mitchell-lee van Rooij, ohne sich räumlich fortzubewegen, in eine Art konzentrierte Entrücktheit steigert, die in der Balance des Körpers als sich permanent wiederholende Schwingung wahrzunehmen ist. Würde man sie aufzeichnen, wären im Bewegungsablauf diverse Überschneidungen, Abweichungen, Differenzierungen als leicht verschobene Phasen erkennbar.

Ein total spannendes Geschehen, das unbedingte Konzentration verlangt. Auch vom Zuschauer, der ein aufmerksamer Beobachter gemeinsam mit dem Choreografen ist. Welcher sich schließlich ebenso in diese bewegte Experimentierfolge einbringt, bei der Körper, Stimme, Klang und Licht eine Rolle spielen. Und ebenso der wunderbar assoziationsreiche Nancy Spero Saal. Dass die Aufführung dabei nichts Verklärtes, vordergründig Suggerierendes hat und das Publikum deutlich zum engagierten Mitdenken einlädt, bringt einfach die liebenswert-unaufdringliche Erzählweise mit sich sowie die geradezu entspannte Intensität beider Performer.

Bewährt hat sich bei diesem 3. modul-dance-Festival auch die Idee, dem Treffen eine kleine Gruppe junger Kritiker zuzuordnen. Keine ausgebildeten Journalisten oder Fachleute, sondern junge Leute, die sich speziell für Tanz interessieren und so die Aufführungen kritisch begleiten können. Was diese Schülerinnen im Alter von etwa 17 und 18 Jahren über die jeweiligen Vorstellungen zu sagen haben, konnte man schon bald in der täglich aktualisierten Videoaufzeichnung an einem der Monitore verfolgen. Und ihre ernst zu nehmenden Überlegungen besitzen eine individuelle Nachdenklichkeit und Qualität, die im Internet gewiss auch noch nach dem Festival beim Europäischen Zentrum der Künste Dresden/ Hellerau TV zu erfahren sind.

Wenn man diesen jungen Kritikern so zuhört, überlegt man sich schon, ob das eigene, vielleicht zu laxe Abtun einer neuen Arbeit der richtige Umgang mit jenen ist, die nach Wegen suchen und sich ausprobieren. Und die damit natürlich auch Risiken eingehen. Die beiden slowenischen Künstlerinnen Leja Jurisik und Petra Veber haben mit "ballet of revolt" im Dalcroze Saal den Aufstand eines weißen Schwans geprobt, der aus der Reihe tanzt und seine schwarze Seite zeigt. Und es ist schon klar, dass sich Rebellieren nun mal nicht in "geordnete Bahnen" lenken lässt und viele Gesichter zeigen kann. Doch das Solo (Leja Jurisic) gewinnt kaum an Kraft und Relevanz, schon gar nicht, wenn es bewusst zu pöbeln beginnt. Und so ist das eine etwas "verwaschene" Revolte, ohne wirklichen Biss.

Bei "Democracy", einer Arbeit der französischen Choreografin Maud Le Pladec, die im Großen Saal mit der Präsenz von vier Schlagzeugern auf fahrbaren Podien sowie fünf Performern aufwarten kann, hätte weniger weit mehr sein können. Dabei ist das französische Percussion-Ensemble TaCTuS äußerst präsent, wofür deutlich auch die differenzierte Komposition von Julia Wolfe (USA) sorgt. Doch die choreografischen Ideen bleiben eher illustrierend, entwickeln kaum Eigenständigkeit, so dass diese zuweilen eben auch verzichtbar wären. Schade. Aber doch nicht verloren. Man muss es nur schaffen, in der Bewegung Gleichgewichtiges zu finden.

Der Tanztheaterkrimi "about:blanc" erzählt als "Linie 08 Special"-Uraufführung der Choreografin Cindy Hammer skurril und eigenwillig, wie ein "Ermittler" in den Strudel krimineller Versuchungen gerät. Daraus macht der auch in Dresden bestens bekannte Schauspieler Wolfgang Boos einen recht verrückten Typen, der, flankiert von den rundum "verdächtigen" Tänzern Isabelle Schramm, Sarah E. Lewis und Jared Maks, endlich zum freien Fall kommt. Was gewitzt und halbwegs überraschend beginnt, verliert sich schließlich immer mehr. Und blutet irgendwann aus. Trotz des erwählten Teams stirbt mit der zu ausgedehnten Geschichte gleich noch der Krimi.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.09.2014

Gabriele Gorgas

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr