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Wenig spannend: Burghart Klaußner inszeniert "Baumeister Solness" im Kleinen Haus in Dresden

Wenig spannend: Burghart Klaußner inszeniert "Baumeister Solness" im Kleinen Haus in Dresden

"Baumeister Solness" von Henrik Ibsen muss nicht zwingend jedermanns Lieblingsstück sein. Dafür ist es dem bekannten norwegischen Dramatiker wohl ein wenig zu sehr als absichtsvolles Konstrukt geraten.

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Ines Marie Westernströer (Fräulein Hilde Wangel) und Christine Hoppe (Frau Aline Solness, Baumeister Solness' Frau).

Quelle: David Baltzer

Doch so halbwegs möchte man eben schon erahnen, warum das vor gut 120 Jahren entstandene Stück einmal mehr wieder auch in Dresden auf die Bühne kommt - diesmal am Staatsschauspiel, im Kleinen Haus. Keine Frage - das Thema um die versiegende Kraft des durchsetzungsfähigen, mittlerweile gealterten Baumeisters, der sich mit Glück und Beißlust eine einflussreiche Position zu verschaffen wusste, ist durchaus aktuell. Und Ibsen hat es auch verstanden, daraus ein Netzwerk von Ereignissen, Erfahrungen, Abhängigkeiten und Missverständnissen, von mehr oder weniger lebbaren Idealen und Sichtweisen zu knüpfen, in dem sich Personen unterschiedlichen Alters verfangen.

Um aber aus diesem Stück einen markanten Theaterabend machen zu können, braucht es besonderes Geschick. Und eine Idee, wie es denn zu schaffen sei. Die man Regisseur Burghart Klaußner, den wir in Dresden bislang als Schauspieler in "Don Carlos" und "Der zerbrochne Krug" erleben können, gewiss nicht absprechen möchte. Aber wirklich zu überzeugen vermag er mit dieser Inszenierung nicht. Viel zu deutlich zerfällt das Netzwerk in seine "Einzelteile", sind Geschehnisse vorhersehbar, agieren die Darsteller trotz ihrer Emotionalität, ihres Engagements immer wieder wie positionierte Figuren auf einem Tableau. Man hört die Botschaft, spürt die Absicht, allein es fehlt der Glaube, dass es gut ist, so, wie es jetzt ist. Was sich ja auch noch ändern kann.

Dabei sind durchweg Schauspieler zu Gange, die dieses Ibsen-Stück mit Leben erfüllen können. Authentische Darsteller, denen man abnimmt, was sie spielen. Doch es ergibt sich letztlich kein Ganzes daraus, und es mangelt deutlich an spannenden Konstellationen, an Überraschungen. Wenn man uns blinden, aufgereihten Hühnern im Zuschauersaal schlussendlich auch noch vorgaukelt, wie der zu hoch Gestiegene strauchelnd in die Tiefe stürzt und ihm zur Bekräftigung der Annahme trudelnd seinen Hut hinterher schickt, dann ist es aus mit dem freundlichen Entgegenkommen. Schließlich hat der Regisseur, und ganz besonders, wenn er ein Schauspieler ist, die Verantwortung dafür, aus dieser Aufgabe das Beste zu machen. Und das muss ja nicht zwangsläufig langweilig sein.

Wer sich vielleicht noch an die "Baumeister Solness"-Inszenierung von Gerald Gluth am Theater Junge Generation erinnern kann - das war Ende der neunziger Jahre -, hat sicherlich nicht vergessen, dass auch für ihn dieses etwas sperrige Stück eine harte Nuss gewesen ist. Aber schließlich kam Miriam Kohler als Hilde Wangel ins Spiel, und die Szene lebte förmlich auf. Da war leibhaftig zu spüren, wie die ungestüme junge Frau die Tatkraft des Gealterten zu erwecken wusste.

Rund anderthalb Jahrzehnte später ist Ines Marie Westernströer am Staatsschauspiel Dresden in dieser Rolle zu erleben. Und sie ist darin nicht minder glaubhaft, bringt Bewegung in den unheilvollen Stillstand im Hause Solness. Selbst das Leben der Ehefrau verändert sich, eine verlorene Seele, die sich ihren "Pflichten" unterordnet, den Verlust des "Puppenheims" mehr beklagt als den Tod ihrer beiden kleinen Söhne. Christine Hoppe spielt Aline mit einem feinen, vibrierenden Empfinden für deren Entrücktheit, mit einer unbeschreiblichen, sprachlosen Einsamkeit an der Seite des Baumeisters.

Holger Hübner als Solness ist weder besonders stark noch besonders schwach, wirkt nicht zwingend abstoßend, aber auch nicht erkennbar anziehend. Warum dieser Mann junge Frauen derart in seinen Bann zu ziehen vermag, bleibt eher ein Rätsel. Und so ganz nimmt man ihm auch die Überzeugung von einem Neuanfang nicht ab. Eine Gestalt, die auf sehr eigene Weise scheitert, umworben und dennoch einsam ist. Wie das überhaupt recht denkwürdige Charaktere sind - jeder mit einem tiefen Graben um die eigene Insel. Sie können, sie werden nicht zueinander kommen.

Ganz offensichtlich hatten sich alle von diesem Abend Bemerkenswertes erhofft, und es sind auch etliche Berliner Kritiker nach Dresden gekommen. Kein Wunder, wenn ein so erfolgreicher Schauspieler wie Burghart Klaußner, der zudem gerade noch mit dem begehrten Theaterpreis "Der Faust" ausgezeichnet wurde, eine eigene Inszenierung vorstellt. Bislang gab es Regiearbeiten von ihm nur in Hamburg und Bochum. Nun also auch in Dresden. Und erkennbar hat das Publikum zur Premiere ausgesprochen freundlich und mit viel Beifall reagiert, feierte besonders und verdient die Schauspieler. Gabriele Gorgas

nächste Vorstellungen: 25. & 30.1., 8. & 13.2.

www.staatsschauspiel-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.01.2013

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