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"Wendegelände" im Dresdner Ausstellungsraum bautzner 69

"Wendegelände" im Dresdner Ausstellungsraum bautzner 69

Die Künstlerin Susanne Hanus hat ein Faible für Geschichte und Geschichten. Bereits in dem Anfang des Jahres erschienenen Band "Zeitspuren: Reisen in die Vergangenheit" warf sie in ihrer umfassenden Arbeit "Reise nach Czernowitz" einen Blick in ihre persönliche Familienhistorie.

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Susanne Hanus zwischen ihrer Installation "Verstrickung". Im Hintergrund Frank Eckhardts Erinnerungen mit dem Titel "Unspektakulär besetzt".

Quelle: Dietrich Flechtner

Zeichnungen, Fotos und Tagebucheinträge dokumentieren eine gemeinsame Reise mit Vater und Großmutter in die alte ukrainische Heimat.

In ihrem aktuellen Projekt "Wendegelände" wirft die Künstlerin, die an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studiert, 2004 einen Meisterkurs absolviert hat und heute in München lebt und arbeitet, ihren Blick auf das Wendegeschehen in Dresden in den Jahren 1989 und 1990. Die in Westdeutschland Aufgewachsene setzt sich mit Erinnerungen der Dresdner auseinander und hält sie in teils colorierten Zeichnungen fest. 20 Zeitzeugen hat Susanne Hanus in den vergangenen Wochen interviewt und die Essenz des Erlebten auf Papier gebannt. Die Arbeiten können ab Sonnabend im Ausstellungsraum bautzner69, Bautzner Straße 69, betrachtet werden.

"Ich finde es interessant festzustellen, wie sehr sich die Sicht der Menschen auf die damaligen Ereignisse unterscheiden. Die einen waren erst 14 Jahre alt und haben die Geschehnisse nur am Rand wahrgenommen. Andere organisierten sich konspirativ in kleinen Gruppen und Zirkeln. Bei all den negativen und positiven Erfahrungen, es war eine spannende Zeit. Heute ist es schwer, etwas zu finden, an dem man sich stoßen kann", bewertet Susanne Hanus die Gespräche und zeigt, dass sich ihr Geschichtsverständnis nicht in der bloßen Betrachtung der Ereignisse erschöpft: "Einzelne Erlebnisse, Gegebenheiten und Geschichten wirken im Verbund. Die Zusammenhänge erschließen sich nicht auf den ersten Blick, aber sie bestehen." Deutlich macht die Künstlerin dies mit ihrem Werk "Verstrickung". Schwarze Fäden durchkreuzen den Ausstellungsraum, berühren und bewegen sich gegenseitig, so wie sich die Ereignisse zu einem großen Ganzen - etwa zur friedlichen Revolution - summieren.

Wie das alles konkret aussieht, lässt sich gut an Frank Eckhardt, Künstler, Mitbegründer und Geschäftsführer des riesa efau, einem der Zeitzeugen, nachempfinden. Eckhardt, zu DDR-Zeiten Künstler ohne Arbeitserlaubnis oder, wie er sagt, "Jagdschein", sitzt im Ausstellungsraum und diktiert Susanne Hanus seine Geschichte, die auch die Geschichte des riesa efau ist, und Erinnerungen etwa aus den Sitzungen des Neuen Forums in den Block. Komisch ist die Erzählung der Besetzung des kulturellen Zentrums. Frank Eckhardt, den bis heute Höhenangst plagt, wurde auserkoren, über das Dach in das leerstehende Haus einzusteigen, was ihm wenig behagte - Susanne Hanus bringt das Ereignis aufs Papier. Kurios eine Gegebenheit während eines Treffen des Neuen Forums am 9. November: Einer der anwesenden Westjournalisten sprang auf und unterbrach die Diskussion lauthals mit den Worten "Die Grenze ist offen". "Wird ja auch Zeit", antwortete einer der Teilnehmer ungläubig genervt, und die Debatte wurde einfach fortgesetzt.

Wie schon bei Susanne Hanus' vorherigen Projekten ist das Thema "Wendegelände" mit der Ausstellung nicht erschöpft. Es soll ein Katalog folgen, der die Ergebnisse ihrer Arbeit collagenhaft bündelt. Eingang finden hier nicht nur ihre Zeichnungen, sondern beispielsweise auch Fotos, die Dresdner während Demonstrationen oder anderen politischen Veranstaltungen geschossen haben.

Susanne Hanus. "Wendegelände", Bautzner Straße 69; Eröffnung am Sonnabend von 16 bis 21 Uhr im Rahmen des Herbstrundgangs von Dresden Contemporary Art; Öffnungszeiten: bis 4. Oktober, Dienstag von 10 bis 12 Uhr, Donnerstag von 18 bis 20 Uhr, Sonnabend 15 bis 18 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.09.2014

Hauke Heuer

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