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Weltreise mit Urgesteinen - Endlich: Günter Baby Sommer und Oliver Lake treffen sich in Dresden

Weltreise mit Urgesteinen - Endlich: Günter Baby Sommer und Oliver Lake treffen sich in Dresden

Sie führen Zwiesprache bei ihrer Erstbegegnung. Das klingt, als hätten sie die Dialoge schon längst geprobt und feingeschliffen. In Wirklichkeit haben sich die beiden 71-jährigen Herren zwar seit langem aus der Ferne verfolgt, aber miteinander aufgetreten sind der Dresdner Schlagzeuger Günter Baby Sommer und der US-amerikanische Saxofonist Oliver Lake bisher noch nicht.

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Saxofonist Oliver Lake und Günter Baby Sommer am Schlagzeug.

Quelle: Matthias Creutziger

Das sollte sich erst diese Woche ändern, nach zwei Konzerten in Cottbus und Berlin gaben sie am Mittwoch auch im Jazzclub Tonne gemeinsame Beweise ihrer Improvisationskünste zum Besten.

Und wie sie improvisieren können! Jeder ist auf den eigenen Spuren unterwegs, lässt sich von dieser Warte auf den anderen ein - und genau da treffen sie sich. Denn es gibt eine ganze Menge ähnlich gearteter Ansätze.

Oliver Lake etwa stößt Tonfragmente in Fetzen hervor, Baby Sommer drischt dazu scheinbar unberührt einen Marsch, beide vereint eine jugendfrische Energie, gepaart mit dem Lebensschatz an Erfahrung. In ihren Solopassagen zelebrieren sie Ausschnitte des schier grenzenlosen Repertoires, Lake kann saxofonend Geschichten erzählen, kann aber auch durch das Instrument sprechen. Er findet Klangsprachen, die nach Ozeandampfern auf Grundeis klingen, und konterkariert sie mit luftigem Vogelgezwitscher wie aus einem Paradiesgarten. Seine meist kurzen Melodiebögen werden mit atonalem Geraune grundiert - und doch ist da nie etwas hingerotzt, sondern werden Mikrokosmen konstruiert, die den Komponisten in ihm verraten. Vielleicht legen diese tönenden Bilderspiele und -rätsel auch eine Spur zum bildenden Künstler, der Oliver Lake ja ebenfalls ist.

Während der schwarze Amerikaner seine Kraftakte scheinbar ungerührt durch das Sax strömen lässt, drischt Günter Baby Sommer hingabevoll auf sein aus Trommeln, Becken, Gongs und Röhrenglocken bestehendes Instrumentarium ein. Die unendliche Vielfalt dieses Virtuosen, der auch mal eine ganze Story nur auf Blech erzählen kann, dann die durchdringenden Glocken schallen lässt und selbst aus den Trommelfellen das höchste Variantenreich hervorzaubert - es ist immer wieder ein Ereignis. Beinahe kultische Effekte fließen aus dem Zusammenspiel von Gong und Saxofon, hier ein orientalischer Ausflug, da fernöstliche Getragenheit, beim Einsatz der sinnlich betörenden Holzschlitztrommel gar die Archaik afrikanischer Riten - das war nicht weniger als eine musikalische Weltreise, die diese beiden Urgesteine des Jazz von beiden Ufern des Großen Teichs aus unternommen haben.

Bleibt zu hoffen, dass Lake und Sommer nach diesen ersten gemeinsamen Konzerten bald den Weg ins Studio finden, um ihr begeisterndes Brausen und Beben, das neben sirrenden Skalen auch fesselnde Freiräume kontemplativer Entspannung beinhaltet, auf eine CD zu bannen. Der Live-Effekt ist damit gewiss nicht zu toppen, die ergreifende Zwiesprache sollte aber nachhörbar gemacht werden. Ulli Blobel, übernehmen Sie?

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.06.2014

Aldo Lindhorst

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