Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / -2 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Weltgericht am bajuwarischen tresen: Gerhard Polt in der Dresdner Herkuleskeule

Weltgericht am bajuwarischen tresen: Gerhard Polt in der Dresdner Herkuleskeule

Gute, alte, vielgescholtene Dichterlesung. Der Begriff klingt nach interpunktionsloser, reimfreier Lyrik, verschämtem Schlürfen aus dem sprudelfreien Wasserglas und anschließendem Gespräch (mit Tendenz zum Monolog) über Inspiration und Subvention.

Voriger Artikel
Internationales Pantomimenfestival im Dresdner Theater Wechselbad feiert 30. Geburtstag
Nächster Artikel
Alles begann im Volkskunstpodium Das Pantomimefestival Dresden startet im November in seinen 30. Jahrgang

Gerhard Polt las am Montagabend aus seinem Sammelwerk "Circus Maximus".

Zu einer szenischen Naturgewalt wie Gerhard Polt, der seinen 70. Geburtstag mit einer Lesereise nachfeiert, mag der Begriff nicht so recht passen, und doch ist die Tournee zum Sammelwerk "Circus Maximus" - im Titel klingt mit dem parodistischen Sandalen-Epos "Germanicus" kokett einer der wenigen Polt-Flops an - als eine Reihe szenischer Lesungen angekündigt.

Sympathischerweise dienen Stuhl und Vorlesetisch aber nur als Umrundungsanlass, denn während seines zweistündigen Auftritts in der Herkuleskeule gab Polt einen furiosen Querschnitt durch einige seiner bissigsten Soli. Da erfuhr man einleitend vom geplanten CSU-Museum, mit Original-Reliquien vom Märtyrer Stoiber und fossilen Überresten eines von Franz Josef Strauß abgenagten Schweinshax'nknochens, wurde anschließend von einem alten Mütterchen in den Zauber des bayerischen Schulwesens eingeweiht, wo solange Griechisch und Latein auf dem Curriculum stehen, "bis man gut in Mathe wird" und Störenfriede wie Mozart und Michelangelo knallhart ausgesiebt worden wären, und durfte am ergreifenden Nachruf auf "den Berti" von der örtlichen Allianz-Vertretung teilhaben, der im Dorf schon früh das Preis-Leistungs-Prinzip verinnerlicht hatte - und sich als Bub zum Amüsement der Kameraden gegen Bezahlung in die Hose schiss.

Polts Figuren sind in ihrer Abgründigkeit, ihrer Biedermeierlichkeit und ihrem unerschütterlichen Weltbild dem bayerischen Leben abgelauscht - die geographische Abmessung erfolgt irgendwo zwischen Weißwurst-Äquator und der Abonnentengrenze des "Miesbacher Merkurs", das politische Spektrum reicht von der CSU bis zu den Freien Wählern, also "der unabhängigen CSU". Doch Volkstümelei ist dem längst kanonisierten und mit dem Bayerischen Staatspreis für Literatur geehrten, aber nie gezähmten Satire-Urgestein Polt fremd, und natürlich geht es in seinen blauweißen Alltagsdramoletten keinesfalls nur um alptraumhafte Alpenlandschaften. In den bayerischen Bierzelten und Wirtshäusern, die er auskundschaftet, tagt immer auch ein wenig das Weltgericht und wird Geschichte so aufbereitet, dass der Zuschauer der vielzitierten Banalität des Bösen gewahr werden darf: Polts interkulturell ambitionierter Wies'n-Philosoph, der sich ein beherztes, eindeutiges "Ja zum Nein zu Europa" abringt, erntet noch Heiterkeit, wenn er die finnischen Pisa-Sieger dafür ausschilt, die Schlacht von Ampfing im Geschichtsunterricht wohl übersprungen zu haben.

Doch der nächste Denkschritt führt bereits an den Abgrund: Da wir ja alle Europäer seien, so Polts geschichtsaffiner, glänzend beobachteter Tresen-Historiker, habe letztlich ja wohl auch der Oberbayer am Kampf der Alliierten gegen die Nazis seinen Beitrag geleistet. Unbestrittener Höhepunkt im Programm: Die Abrechnung mit dem Zeitzeugen-Stadl von Guido Knopp, wenn Polt einen grantigen Rentner an seine Zeit im Kinderwagen zurückdenken lässt. Freilich sei ihm der Hitler damals begegnet, freilich sei an dem nicht alles sympathisch gewesen ("ja, er war halt a Vegetarier"), dennoch: Die Zeche hat der Führer nie geprellt, das wird man ja noch sagen dürfen!

Den Schlusssegen überlässt Polt seinem Landsmann Ratzinger, denn auch Papst Benedikt führt das vielgerühmte Stimmwunder mittlerweile im Repertoire. Seine Heiligkeit hat ja neulich die erste Indianerin heiliggesprochen. Wenn sich das mal nicht bis nach Oberbayern rumspricht!

Vorverkauf für Konzert

der Toten Hosen

Heute beginnt der Kartenvorverkauf für das Konzert der Band Die Toten Hosen am 23. August 2013 bei den Filmnächten am Elbufer. Er startet um 9 Uhr und wird drei Wochen lang nur über die Homepage der Band unter www.dth.de laufen. Ab 14. November gibt es dann auch Karten an allen anderen bekannten Vorverkaufsstellen. Die Tickets kosten 34 Euro zuzüglich anfallender Gebühren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.10.2012

Wieland Schwanebeck DNN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr