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Weltall, Erde, Will – Der Brite Will Samson wird immer besser

Konzert im Thalia Weltall, Erde, Will – Der Brite Will Samson wird immer besser

Dort, wo die Sterne sind, steht geschrieben, ob es im Kino Thalia nicht nur weiterhin Cinema, Coffee und Cigarettes geben wird, sondern dereinst noch mal ein Thalia Gardens Festival. Es tanzte drei Sommer lang. In diesem Jahr nicht – denen, die darum wissen, hat etwas gefehlt.

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Will Samson

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Dort, wo die Sterne sind, steht geschrieben, ob es im Kino Thalia nicht nur weiterhin Cinema, Coffee und Cigarettes geben wird, sondern dereinst noch mal ein Thalia Gardens Festival. Es tanzte drei Sommer lang, in Saal, Foyer, Garten mit Musik, Film, Party. In diesem Jahr nicht – denen, die darum wissen, hat etwas gefehlt.

Der Brite Will Samson wurde 2014 als „Artist in Residence“ eingeladen, spielte beim „Gardens“ an allen drei Abenden Sets, die sein stilistisches Spektrum auf komplette Weise widergespiegelt haben. Samson bewegt sich offensiv zwischen Folktexturen, Electronics, Singer/Songwriter-Poesie. Und er ist ein Edelmann des Gesangs. Hinzu kommen fast suggestive Gelassen- und Bescheidenheit im Auftreten, so dass ein Konzert mit ihm von sehr eigenem „Ambient“ getragen ist: Will Samson erzeugt Räume, die unabhängig von den Räumen existieren, in denen er spielt. Große macht er klein, kleine groß. Es passiert im Zuhörer.

Nun die Wiederkehr. Samson hatte seinen englischen Landsmann Ollie Loudon alias Luminous Twin dabei, einen Bruder im Geiste, der gerade den Aufbruch in einen größeren Bandkontext gewagt, für eine Handvoll Songs aber wieder das Komprimieren zelebriert hat. Stilles zur Elektrischen, Blenden ins Londoner Café Boogaloo, wo er in der Nachbarschaft wohnt und wo diese Lieder entstanden sind. Archway Road, Nebel, Regen – mutmaßlich … „Will macht jetzt viel mit Geräten, da ist es gut, dass er jemand an seiner Seite hat“, sagt Loudon im Anschluss ans Set. Womit seine Funktion bestens umschrieben ist. Er ist Begleiter klassischer Prägung, wichtig also, aber unauffällig. Ollie Loudon singt einige Verse im Background, heftet und schmiegt sich dabei der Leadstimme eher an, teilt sie beim Verdoppeln.

„Ground Luminosity“ heißt die brandneue Samson-CD, „Balance“ eine frühere, „Light Shadows“ eine andere. Oder „It Grows Again“ und „Hello Friends, Goodbye Friends“. „Animal Hands” ist das Projekt mit dem Berliner Florian Frenzel alias Heimer benannt. Wo ein Will ist …, da ist Zurückhaltung statt Aufdringlichkeit und irgendwo so etwas wie Heimathafen. Wie persönlich seine Lieder sind, kann man nachlesen. Darüber, dass sie immer persönlicher geworden sind – auch durch die Erfahrung mit Vaters Krebserkrankung in den letzten beiden Jahren – spricht Samson offen. Doch das Wichtigste ist, das er den Zuhörer daran teilhaben lässt. Persönlichkeit ist spürbar.

Hinfort sind schnell die vordergründigen Vergleiche seiner Falsett-Stimme mit der von Justin Vernon. Samson eben, nicht Bon Iver! Als er ganz am Schluss diese auffälligen Höhen lässt und seine „normale“ Singstimme erklingen lässt, ist es wie eine Offenbarung. Wird man schon als Nörgler gebrandmarkt, wünscht man sich mehr davon? Besonders die Flächen, die er unter seiner Stimme wabern lässt, ergänzen sie wunderbar, konkurrieren nicht. Die alte Telefunken-Bandmaschine ist wohlvertraut dreckig statt clean, hier werden keine Aggressivitäten geduldet, ja, man kann elektrische Gitarren auch ohne Lärmbelastungsgrenzen spielen! Die Samples, Snippets und Loops verdienen sich ein einziges Wort: Eleganz. Und man mag Samsons eigenen Worten zustimmen: „Pyrton Bells“ ist vielleicht das beste Stück, das er je geschrieben hat.

Nicht nur, weil dieses Sunset-Mission-Konzert im Kino stattfand, kann man darüber streiten, ob es des Zusammenschnitts von Filmaufnahmen, die die große Leinwand hinter den Musikern gefüllt haben, bedurft hätte. Weltall, Erde, Will waren zu sehen – Nasa-Bilder aus dem All, Hurrikan-Bilder von der Erde. Viel wichtiger war es zu erleben, wie diese so innige Musik entsteht. Weil bei Will Samson Vorproduziertes, Vorausgedachtes und Eingespieltes homogen mit der finalen Live-Umsetzung zusammenkommen.

Andreas Körner

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