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Weiter geht's bei Suhrkamp - Umwandlung in Aktiengesellschaft vorgesehen

Weiter geht's bei Suhrkamp - Umwandlung in Aktiengesellschaft vorgesehen

Endlich kommen Bewegung und Klarheit in das, was man die Suhrkamp-Krise nennen kann. In den vergangenen Monaten drangen aus dem Verlagshaus in der Berliner Pappelallee vor allem Nachrichten, in denen juristische Begriffe dominierten: "Schutzschirmverfahren", "Gewinnforderungen", "nicht fällig stellen".

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Die Protagonisten des Streits: Hans Barlach und die Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz.

Quelle: dpa

Nun kann es vielleicht endlich wieder um Autoren und Literatur gehen. Seit gestern ist bekannt: Am Dienstag wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Und, erklärt Sprecherin Tanja Postpischil in einer Pressemitteilung: "Der im Rahmen dieses Verfahrens vorzulegende Insolvenzplan sieht die Umwandlung des Suhrkamp Verlags in eine Aktiengesellschaft vor."

Mit dieser Entscheidung sei nicht nur die Medienholding mit ihren zahlreichen Klagen und Anträgen gescheitert, die Umwandlung sichere die Existenz sowie die Handlungs- und Planungsfähigkeit des Verlags, heißt es weiter. Zudem bedeute das den Erhalt sämtlicher bestehender Arbeitsplätze. Der mit dem Traditionshaus eng verflochtene Insel Verlag, der Anfang Juli Insolvenz angemeldet hatte, wird eine Tochtergesellschaft des Suhrkamp Verlags und damit "die gesellschaftsrechtliche Struktur der Verlagsgruppe entscheidend vereinfacht".

Ausgelöst hatte die Insolvenz ein Gesellschafterstreit zwischen der Familienstiftung von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz, die 61 Prozent der Anteile hält, und Minderheitsgesellschafter Hans Barlach, seiner besagten Medienholding AG Winterthur gehören 39 Prozent. Im Wesentlichen ging es um Geld, Kompetenzen und Einfluss. Ulla Unseld-Berkéwicz, 1951 (nach anderen Angaben 1948) als Ursula Schmidt geboren und Witwe von Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld, hat 2003 die Geschäftsführung übernommen.

Hans Barlach, Jahrgang 1955, war unter anderem Eigentümer und Herausgeber der Fernsehzeitschrift TV Today. 2006 hat er gegen den erklärten Willen von Unseld-Berkéwicz Suhrkamp-Anteile gekauft. Seitdem wird Verlags-Geschichte in Gerichtsakten fortgeschrieben.

Durch die Änderung der Rechtsform des Verlags in eine Aktiengesellschaft werde dieser Streit das operative Geschäft des Verlags nicht länger beeinträchtigen können, so Sprecherin Postpischil. "Zukünftig wird ein Vorstand - kontrolliert von einem durch die Aktionäre gewählten Aufsichtsrat - eigenverantwortlich handeln." Dabei sind die Gesellschafter als Aktionäre weiter am Verlag beteiligt. Wollen sie das nicht mehr, sehe der Insolvenzplan ein Abfindungsangebot vor, die Aktien gingen dann an die Gesellschaft oder - mit Zustimmung des Verlags - an einen Dritten.

Noch ist der Plan aber nicht endgültig in trockenen Tüchern. Zwar hat die zuständige Richterin Mechthild Wenzel vom Amtsgericht Berlin Charlottenburg das Insolvenzverfahren nun offiziell eröffnet. Sie hat aber jetzt zwei Wochen Zeit, den Vorschlag zu prüfen. Anfang Oktober oder bei einem Termin kurz darauf könnte eine Gläubigerversammlung dann entscheiden, sagt der gerichtlich bestellte Sachwalter Rolf Rattunde.

Die Zeit drängt. Denn nach Rattundes Gutachten ist der Verlag überschuldet und zahlungsunfähig. Die Zeitung Die Welt berichtete unter Hinweis auf eine eidesstattliche Erklärung von Geschäftsführer Jonathan Landgrebe, dem Haus fehlten im August 3 Millionen Euro, im September bereits 3,5 Millionen Euro. Kredite geben die Banken derzeit nicht, bestätigte Rattunde.

Gemeinsam mit dem Generalbevollmächtigten Kebekus geht er aber davon aus, dass ihr Rettungskonzept bei den Gläubigern gute Chancen hat - schließlich sollen sie ihr Geld zumindest "weitgehend" bekommen. Große Schlüsselfrage bleibt, was Barlach sagen wird: Für die Gesellschafter sind zunächst keine Auszahlungen vorgesehen. Gestern war er für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dass Suhrkamp den Miteigentümer möglicherweise ganz loswerden will, bestreitet Kebekus. Zwar gibt es in dem Plan eine Abfindungsklausel, sollte einer der beiden Gesellschafter nicht Aktionär werden wollen, aber: "Barlach rauszukaufen, ist und war nie die Absicht".

Damit steigen die Chancen, das Sibylle Lewitscharoff bei Suhrkamp bleibt. Die Büchnerpeisträgerin hatte damit gedroht den Verlag zu verlassen, wenn sich der Minderheitsgesellschafter durchsetzt. Lewitscharoff gehört in die Reihe namhafter Autoren wie Bertolt Brecht, Hermann Hesse, Martin Walser, die in dem 1950 von Peter Suhrkamp gegründeten Verlag ihre geistige Heimat fanden und finden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.08.2013

Janina Fleischer/ Nada Weigelt

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