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Weinbergers "Schwanda" wird in der Semperoper inszeniert - Bariton Christoph Pohl singt die Titelrolle

Weinbergers "Schwanda" wird in der Semperoper inszeniert - Bariton Christoph Pohl singt die Titelrolle

Mit der Premiere von Jaromír Weinbergers Oper "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" erweitert der Bariton Christoph Pohl sein Repertoire mit einer anspruchsvollen Partie.

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Christoph Pohl (Švanda) mit Tichina Vaughn (Königin) und dem Staatsopernchor.

Quelle: Matthias Creutziger

Er interpretiert die Titelrolle in der 1927 in Prag uraufgeführten tschechischen Volksoper, einem Werk, das vor allem auf deutschen Bühnen damals einen kurzen Siegeszug durch das Repertoire der Opernlandschaften antrat. Tobias Kade sprach vor der Premiere mit dem Sänger.

Frage: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Axel Köhler, der ja selbst am Beginn seiner Laufbahn als Bariton sang, bevor er als Countertenor Weltruhm erlangte

Christoph Pohl: Axel Köhler schafft eine unglaublich produktive Atmosphäre und ist ein Theatermann mit klaren Vorstellungen. Noch nie habe ich während einer Probenphase erlebt, dass ein Regisseur sein Konzept in nur 14 Tagen vom ersten bis zum letzten Takt durchgestellt hat.

Was können Sie über das Konzept und die bevorstehende Produktion erzählen?

Um es vorwegzunehmen, Axel Köhler hält sich an das Libretto und erzählt das Volksmärchen pointiert und inspirierend. Pantomimische Elemente der Stummfilmzeit - und Entstehungszeit der Oper - sollen den Blick auf die Übertitelanlage erübrigen. Wir werden auf einem fliegenden Koffer über die Bühne reiten und phantastische Höllenmaschinen in Bewegung setzen. "Schwanda" heißt übersetzt "Jux", und Jux ist ein Volksheld mit grundehrlichen Charakterzügen, irgendwo zwischen Papageno - allerdings ohne die tölpelhafte Attitüde - und Till Eulenspiegel angesiedelt.

Worin liegen die musikalischen Hürden, die böhmische Volksfigur adäquat zu interpretieren?

Da das Werk in Tschechien nicht gespielt wird, rechnen wir mit Publikum aus dem Nachbarland. Daher setze ich mich mit der tschechischen Sprache extrem unter Druck. Sprachcoaches helfen, uns dem Original zu nähern, soweit es uns mit der phonetischen Lernpraxis möglich ist. Mit einer Übertragung in der Reihe "Euroradio Opernsaison" repräsentieren wir außerdem die Kunstmetropole Dresden und die Semperoper. Aus musikalischer Sicht ist die Partie sehr komplex und zudem extrem hoch gelagert. Der spätromantische Kompositionsstil ist üppig orchestriert, also eine Herausforderung in jeder Hinsicht!

Sie sind jetzt 35 Jahre, haben im lyrischen Fach von Mozart über Puccini bis Wagner alle wichtigen Partien gesungen. Gibt es Fernziele?

Mit dem Wolfram und den leichteren Partien bin ich momentan sehr gut aufgehoben und möchte dieses Fach - vor allem in der italienischen Literatur - weiter ausbauen. Ein wenig unvernünftig bin ich allerdings in der nächsten Spielzeit: Den Posa in Verdis "Don Carlo" konnte ich einfach nicht abschlagen, zumal ich diese Partie in einer mir vertrauten Akustik angehen kann. Es ist der Traum für jeden Bariton, gefühlt nur ein wenig zu früh! Wozzeck würde ich irgendwann sehr gern singen, eventuell auch Beckmesser. Sachs hat mit 60 Jahren auch noch Zeit, wer weiß, wohin sich die Stimme entwickeln wird!

Sie widmen sich auch dem Liedgesang, haben Liederabende u.a. in Japan gegeben. Warum wird dem Kunstlied nur von einem sehr kleinen Publikum Beachtung geschenkt?

Das stimmt, ich bin in Tokio mit Schuberts "Müllerin" eingesprungen und konnte eine sachkundige Hörerschaft im ausverkauften Saal erleben. Leider ist die Kunstform dem Publi- kum in den letzten Jahrzehnten oft intellektuell vorenthalten worden. Das Lied sollte neue Wege gehen! Vielleicht kann das verloren gegangene Gemeingut zukünftig durch eine etwas naivere Herangehensweise dargeboten werden. In eigener Sache: Am 11. und 15. April werde ich mit einem Kammer- ensemble der Dresdner Philharmonie auf Schloss Albrechtsberg Mahlers "Lieder eines fahrenden Gesellen" singen, und bei dem Leipziger Label "Genuin" ist gerade eine CD mit Liedern von Liszt, Mahler, Pizzetti und Rihm erschienen.

Wie sind Sie überhaupt zum Gesang gekommen?

Über den Knabenchor Hannover ist der Weg geebnet worden, die alten Meister sind mir dort ans Herz gewachsen. Da war noch lange nicht an eine Sängerlaufbahn zu denken. Als Zwischenstation möchte ich eine Rockband erwähnen und die Mitgliedschaft der A-cappella-Gruppe "Modell Andante". Obwohl wir nur ein sehr begrenztes Repertoire der Comedian Harmonists sangen, sind wir damals sehr erfolgreich auf der Revival-Welle mitgeschwommen. Der Entschluss für ein Gesangsstudium kam erst während dieser Zeit, angestoßen durch meinen damaligen Gesangslehrer. Das eigentliche Schlüsselerlebnis mit "Tannhäuser" und "Don Carlo" hat nach der erfolgreichen Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Hannover in einer Phonothek stattgefunden...

Was macht Christoph Pohl, wenn er nicht singt?

Momentan versuche ich jede freie Minute mit meiner Familie und der achtmonatigen Tochter zu verbringen.

Švanda dudák / Schwanda, der Dudelsackpfeifer, Volksoper in zwei Akten von Jaromír Weinberger. In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Premiere am Sonnabend, 18 Uhr, Semperoper

- seit 2005 der Sächsischen Staatsoper als Ensemblemitglied verbunden

- studierte in Hannover Gesang und begann seine Laufbahn im Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper

- der Christel-Goltz-Preisträger ist dem Dresdner Publikum besonders in Mozartopern als Guglielmo, Papageno, Figaro oder Graf Almaviva präsent

- einen großen persönlichen Erfolg hatte er in der letzten Spielzeit als Wolfram in Wagners "Tannhäuser"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.03.2012

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