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Weihnachten im Jägerhof - besinnlich, inspirierend, traditionell und ganz neu

Lizenz zum Selermachen Weihnachten im Jägerhof - besinnlich, inspirierend, traditionell und ganz neu

"Volkskunst ist die Lizenz zum Selbermachen", meint Museumsdirektor Igor A. Jenzen. Dabei belächelt er selbst seinen Tunnelblick auf die Marke "Eigenbau" und den Wunsch, ganze Familien zu verführen, nicht nur daheim, sondern auch im Museum.

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Diese kunstvollen Weihnachtssterne wurden von der 80-jährigen Hannelore Förster gefertigt.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. "Volkskunst ist die Lizenz zum Selbermachen", meint Museumsdirektor Igor A. Jenzen. Dabei belächelt er selbst seinen Tunnelblick auf die Marke "Eigenbau" und den Wunsch, ganze Familien zu verführen, nicht nur daheim, sondern auch im Museum nach Herzenslust zu basteln und Traditionelles immer wieder neu zu erfinden. Selbstgemachten Weihnachtsbaumschmuck zu präsentieren, ist solch eine liebgewordene Tradition. Die diesjährige Ausstellung werden 35 Weihnachtsbäume schmücken. Gleich im Eingangsbereich sind Kerzen aus Papier und Perlen zu bewundern. Ihr Licht flackert fröhlich bei jeder Bewegung der Eingangstür. Schüler der Astrid-Lindgren-Schule haben sie gebaut. Das DRK hat Pfefferkuchen aus Pappmachee abgegeben, Kostümbildnerin Barbara Blaschke nähte schier unzählige, ganz zarte Batzdorfer Engel. Hannelore Förster hat rund 60 Sterne aus Styropor gefertigt, mit roten und goldenen Fäden durchzogen und kleinen, bemalten Gewürzkügelchen verziert.

"Hannelore Förster ist 80 Jahre alt", weiß Elke Birninger. Sie ist im Museum für die Weihnachtswochen zuständig und staunt immer wieder, wie neu und anders man Weihnachtsbäume schmücken kann. "Nie hätte ich mir vorstellen können, dass Schlittschuhe das Bäumchen so attraktiv schmücken. Bunte Stoffe zugeschnitten, mit Vlies gefüllt, eine Kufe aus Draht und ab gehts über die Grachten." Ob die Mitglieder des Jahresringe e.V dabei vom Hollandurlaub inspiriert wurden, weiß sie nicht. Doch dass die FKK-Waldteichfreunde für ihren Baum schon im Sommer rote und weiße handtellergroße Sterne in der Kamm-Quilling-Technik hergestellt haben, das ist sicher. Ein paar Papierstreifen, ein grobzinkiger Kamm und mit etwas Geschick entstehen Tiere, Sterne, Blumen oder Bäume. Filigran wirken auch die geklöppelten Figuren des Johannstädter Kulturtreffs. Die Stichelhexen aus Pieschen bezaubern mit Patchworksternchen, so exakt wie farbenfroh.

Strömungsmechaniker Mr. Buschmann gehört zu den Stammkreateuren des Volkskunstmuseums. Seit 15 Jahren überrascht er Birninger mit neuen Ideen. "Seinen Vornamen weiß ich gar nicht. Bei mir heißt er immer Mr. Buschmann. Er hat in meiner Vorstellung einen sehr trockenen Beruf, jedoch zu unser aller Freude einen mindestens so trockenen Humor. In diesem Jahr hat er nach der Dramaturgie "Der Spatz im Schneesturm" gearbeitet. Im Wipfel hängen die Wolken, draus schneit es und irgendwo im Geäst versteckt sich der Spatz."

Kuratorin Elke Birninger genießt ihre Arbeit und bringt sich auch aktiv in das alljährliche Rahmenprogramm der Präsentation ein. Seit 1997 begleitet sie das Weihnachtsliedersingen als ein Höhepunkt. Neun unterschiedliche Darbietungen gehören zum Programm, das adäquat zur Ausstellung auch moderne und traditionelle Elemente pflegt. Ganz neu ist zum Beispiel die Zusammenstellung der Märchen für Jungs. Mädchen dürfen natürlich auch zuhören. Doch der Fokus der Auswahl liegt auf männlichen Helden.

Bis in den Januar hinein werden rund 75 Volkskünstler zu unterschiedlichen Tagen und Zeiten im Museum sein und Besucher einladen, bei alten Handwerkstechniken über die Schulter zu schauen und sich selbst zu versuchen. "Dinge erwerben, die als Vorbild wirken, selbst aktiv zu sein", ist eine Intention von Hartwig Fischer. Als Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen schätzt der das Volkskunstmuseum als einen Ort, der immer wieder neu entdeckt werden kann. "Diese Sammlung soll Lust am Gestalten machen und anregen." Volkskunst ist das Erreichbare, Greifbare, das Nicht-Perfekte, das, was jeder versuchen kann.

Glücklich sind die Ausstellungsmacher auch darüber, dass die Wendt & Kühn-Präsentation in der zweiten Etage über die Weihnachtszeit verlängert werden konnte. Das ist dann Weihnachtsschmuck mit Tradition und Perfektion. Niemand konnte ahnen, was aus der kleinen Geste, Soldaten im Ersten Weltkrieg zur Weihnachtszeit Bäumchen in die Schützengräben zu schicken, einmal werden würde. Weihnachtsbaumschmuck ist eine Industrie geworden. Doch die Ausstellung zeigt, dass Bäumchen auch mit Stoff, Papier, Stroh, Fäden und Perlen festlich aussehen. Nicht jeder kann klöppeln, eine Schere bedienen schon. Elke Birninger lädt ein, die Bühne der Kreativität zu betreten. Und sie freut sich jetzt schon auf die vielen neuen Ideen für die Weihnachtsbäumchen 2016. Von 35 möglichen sind 20 für das nächste Jahr schon vorbestellt.

Rosa Hauch

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