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Weichen gestellt: I Like Trains aus Leeds fahren im Beatpol in Dresden in Richtung Pluster-Rock

Weichen gestellt: I Like Trains aus Leeds fahren im Beatpol in Dresden in Richtung Pluster-Rock

Einer liebt auf alle Fälle Züge und Gleise: Emmet Ray. Der fiktive Jazzgitarrist aus Woody Allens göttlicher Komödie "Sweet And Lowdown" geht immer zu ihnen hin - um Ratten zu schießen.

Dass I Like Trains aus dem englischen Leeds Züge ebenfalls mögen, manifestierten sie auf der Bühne eine Zeit lang mit Uniformen der traditionellen britischen Eisenbahn. Nach 2007 war das, da hießen sie noch iLiKETRAiNS, eine sperrige Schreibweise, die in Erinnerung bleiben sollte. Damals war es sogar noch ihre Musik, die das schaffte.

Die Fünfer-Band um Bariton David Martin begann mit griffigem Postrock in Songformat, mit dunklen Gesängen über historisch belegte Stadtbrände, Sündenpfuhl und den Tod von Idealisten. Schwere Gitarren, schwere See. Das ist jetzt endgültig passé. Die Gitarren sind geblieben und haben Harmoniesucht, der Bariton auch - doch nicht nur "The Shallows", die aktuelle Trains-CD, auch die Live-Präsentation ist noch einmal behauen worden. Was sich beim letzten Konzert im Beatpol schon gefährlich angedeutet hat, erfuhr im neunten Jahr des Bestehens noch einmal eine Straffung. Ein Konzept, das den Kritiker ärgert, weil es ihm zu unspannend, zu wenig differenziert ist, zu oft gehört und dann doch nicht durchgestanden, eines aber, das weite Teile des am Mittwochabend üppig gekommenen Publikums aber zu entzücken vermochte.

Die I Like Trains versuchen sich nunmehr am Großwurf des Pop. Postrock ist das längst nicht mehr. Die Band weiß genau, was sie tut. Drei Gitarren vorn, Drums und Bass, die bis ins Treppenhaus gemischt sind (Es stand übrigens ein ganz tolles Exemplar von bandeigenem Techniker am Mischpult, der nur von sich selbst, keinesfalls aber von banddienlichem Raumklang überzeugt schien. Mal vom Beatpol-Regler Blitz schulen lassen!). Sänger Martin wird im negativen Sinne nur zum Instrument, was von den Tasten kommt, sind Fingerübungen. Dazu im Hintergrund schwarzweiße und farbig versetzte, experimentell anmutende Filmstücke ohne jegliche Funktion.

Die Weichen sind gestellt: Auch das Material der dritten Platte verweist auf jenen Zielbahnhof, der mit der CD "He Who Saw The Deep" vor zwei Jahren schon im Fahrplan stand. Songs nach Muster mit perfekt gesetztem Saiten-Schwurbel, großer Geste, klinisch sauber gespielt, bauernfängerisch arrangiert, weil die Trains Hand-Werk zelebrieren und geschickt verbergen, wie sehr auch diese Musik trotzdem vom Aufplustern lebt. Nach dem dritten Stück ist man mit ihr eigentlich durch. Keine Reibung, kein Wetzen.

Auch das kann ein Effekt sein, um auffällige Wirkung zu erzielen, die am Ende dann doch auf die Masse schielt. Einen ähnlichen Ansatz verfolgten dereinst Madrugada. Nach deren Auflösung zieht Sänger Sivert Høyem durch die Clubs und macht sie größer. Unheilig haben es längst geschafft. Mit einem Geboren-um-zu-kleben-Gefühl ging es in die Nacht. Könnte sein, der Zug ist jetzt abgefahren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.11.2012

Andreas Körner

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