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Wechsel an der Spitze des Sächsischen Kultursenats: Jürgen Uwe Ohlau geht, Christian Schramm kommt

Wechsel an der Spitze des Sächsischen Kultursenats: Jürgen Uwe Ohlau geht, Christian Schramm kommt

Die Umgebung für die feierliche Amtsübergabe im Amt des Kultursenatspräsidenten passte gestern eigentlich nicht ganz zur Person des scheidenden Amtsinhabers. Der Fürstensaal im Dresdner Residenzschloss ist nicht unbedingt die Bühne, auf der Jürgen Uwe Ohlau bislang agierte.

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Jürgen Ohlau (r.) und sein Amtsnachfolger als Kultursenatspräsident, der Bautzener Oberbürgermeister Christian Schramm.

Quelle: Michael Bartsch

Kunstministerin Sabine von Schorlemer würdigte ihn vielmehr treffend als einen Mann "der leisen Töne und des diplomatischen Geschicks", der gut vernetzt sei. So sprach der illustre Kreis der geladenen Kulturverantwortlichen, Politiker und Medienvertreter eher für die Arbeitsweise des promovierten Germanisten und Historikers. Ein Strippenzieher, der den Treff im Café allemal einem Rednerpult vorzog.

Ohlau wurde gekannt und kannte jeden, weil er sich selber die Mühe machte, Kulturarbeiter und Kunstszene kennenzulernen. Im Rückblick schilderte er selbst seine Reisen nach der Ankunft in Sachsen. Der damalige Wissenschafts- und Kunstminister Hans-Joachim Meyer hatte ihn bei Gelegenheit einer Reise vom New Yorker Goethe-Institut sozusagen abgeworben. Es ging 1991 um die Kulturstiftung Sachsen, die Kurt Biedenkopf als ein gewaltiger Kunstministeriums-Ersatz vorschwebte. Ohlau geriet damals zwischen die Fronten, verschaffte sich aber bald Respekt als Gründungsdirektor der dann mehrere Nummern kleiner ausfallenden Kulturstiftung. Dafür konnte er mit einigen anderen für ein Engagement gewonnenen Stiftungen etwas erreichen, zum Beispiel mit der Wüstenroth-Stiftung als Hauptsponsor für Hellerau. Deren Engagement habe "aus verständlichen Gründen" allerdings deutlich nachgelassen, bemerkt Ohlau jetzt.

Als 2009 der langjährige Vizepräsident Ohlau nach Bernhard Freiherr von Loeffelholz an die Spitze des Kultursenats aufrückte, war er eigentlich schon vier Jahre Pensionär. Aber eben ein sehr vitaler, der von seiner Lebensaufgabe nicht lassen konnte. Er und sein Nachfolger, der Bautzener Oberbürgermeister Christian Schramm, sind sich einig, dass Verhandlungsgeschick und eine Affinität zum politischen Geschäft Voraussetzungen für ein solches Amt sind. Denn der mit dem Kulturraumgesetz vor 20 Jahren ebenfalls in die sächsische Kulturwelt und Weltkultur gesetzte Kultursenat verfügt weder über Machtbefugnisse noch über Geld. Aber er hat eine gelegentlich laute, häufiger aber leise Stimme, die von Einfluss ist. Letzteres beispielsweise bei den zweijährigen Haushaltsberatungen.

So hat Jürgen Ohlau eher hinter den Kulissen viel Gutes für die üppige, aber nicht ungefährdete Kulturszene Sachsens bewirkt. Die Präsentation sächsischer Kunst "Saxony in UK" 2005 in Großbritannien fädelte er ein. Zuletzt versuchte er, die Folgen der Entlassung der Landesbühnen Sachsen aus der Landesträgerschaft zu mildern. Nur wenige werden ihm etwas nachzutragen haben, etwa die Väter und Mütter der "Transnaturale" am Bärwalder See. Ein geteiltes Echo fand 2007 auch das von ihm mit erstellte Theatergutachten für Sachsen. Auf uneingeschränkte Anerkennung stößt hingegen bis heute sein Engagement für die kulturelle Bildung. Das und Kulturengagement überhaupt sei eine Querschnittsaufgabe, wird Ohlau nicht müde zu betonen. Indirekte Kritik am Kultusministerium kann er sich in dieser Hinsicht auch zum Abschied nicht verkneifen. "Wenn die Bildungslandschaft in Gefahr ist, ist es die Kulturlandschaft auch", sagt er.

Mit dem im April gewählten Christian Schramm kommt nun ein 61-jähriger Fuchs der Kommunalpolitik ans Ruder des Kultursenats. Diesen Akzent setzte der Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages erwartungsgemäß auch, als er die kommunale Ebene hervorhob, auf der die eigentlichen "Macher" von Kultur säßen. Für diese Aufgaben müsse man sie aber auch entsprechend ausstatten. Man darf gespannt sein, inwieweit sich Schramm und der Senat in der Frage der zwar stabilen, aber eben nicht mitwachsenden Kulturraummittel positionieren werden. Verständnis für die trotz momentan guter Steuereinnahmen absehbar enge Haushalt-Rahmensituation des Freistaates äußerte der Bautzener Oberbürgermeister aber schon.

Mit diesen Aussichten könnte die gegenwärtige kulturpolitische Ruhe in Sachsen eine trügerische sein, räumen beide ein. Sachsen-Anhalt liefert derzeit das Menetekel. Knapperen kommunalen und Freistaatsmitteln müsse mit Strukturen Rechnung getragen werden, die "Kultur aber nicht kleinmachen", sagt Schramm. Deshalb tritt er auch für ein Kulturraumtheater Bautzen-Görlitz-Zittau ein. So könnte auch der derzeit eher leise Kultursenat absehbar wieder eine lautere Stimme vernehmen lassen. Denn zurücklehnen kann sich niemand. "Kulturarbeit hört nie auf und entwickelt sich immer weiter. Man kommt nie am Ziel an", mahnt der scheidende Senatspräsident, der sich nach München zurückziehen wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.07.2013

Michael Bartsch

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