Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Google+
Was mir heilg ist: Alexandra Prinzessin zur Lippe

Was mir heilg ist: Alexandra Prinzessin zur Lippe

Weihnachten unter Palmen, weitab vom üblichen Einkaufs- und Konsumtrubel faul am Strand liegen, Sonne satt genießen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Voriger Artikel
Seltenes Hobby: Ehemaliger Lehrer hat sich in Oßling in der Oberlausitz der Ikonenmalerei verschrieben
Nächster Artikel
Wolken aus Folk: Interview mit Lestat Vermon alias Philipp Makolies

.. - klingt super entspannt und ist doch kein Modell für mich.

Ich möchte den Advent nicht missen, diese Wochen des Lichts, der Wärme und der vielen kleinen Vorbereitungen für eine zauberhafte Zeit, die für mich schon am 11. November beginnt. Die Geschichte des Heiligen St. Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt, hat sich mir früh fest eingeprägt. Das tintige Blauschwarz des kalten Novemberabends, das prächtige Pferd, das in meiner Kirchgemeinde immer an diesem Tag zu Einsatz kam, das Laufen mit der Laterne, die Lieder, die wir dabei gesungen haben. Vom St. Martinstag bis zum 1. Dezember war es nicht weit. Da gab es dann immer die wunderbaren Adventskalender, die meine Mutter in mühevoller, abendfüllender Handarbeit selbst bastelte und mit Süßigkeiten befüllte. Jedes Jahr gab es einen anderen, immer hatte sie tolle Ideen. Bis heute - inzwischen seit rund 45 Jahren - ist das so - und jedes Jahr bin ich ganz gespannt, was sie sich dieses Mal ausgedacht hat. Früher - als das Warten auf den Heiligen Abend schier unerträglich lang war, machte das tägliche Türchenöffnen den Morgen zum Erlebnis, heute schaffe ich es manchmal tagelang nicht nachzuschauen, was der Kalender für mich bereithält. In der Woche vor dem 1. Advent wurde bei uns zu Hause gebacken. Dann kramte meine Mutter ihr altes Landfrauen-Kochbuch hervor, in dem zahllose Rezepte auf zum Teil vergilbten Zetteln gesammelt waren und es begann die Weihnachtsbäckerei. Wir Kinder haben Teig gerollt, ausgestochen, verziert, in Schokolade getunkt und auf Oblaten platziert, bis wir alle keinen Zucker oder Teig mehr sehen konnten. Wenn der verlockende Duft frisch gebackener Plätzchen durchs Haus zog, war das Glück perfekt. Zu unserem Bedauern wurden die verschiedenen Kekse - vor allem die Zimtsterne und Vanillekipferl - dann sorgsam in Blechdosen verstaut und fortan - unserer Ansicht nach - zu stark rationiert, nur in homöopathischen Dosen zum Nachmittagstee im Advent ausgegeben.

Das Licht vieler Kerzen in dieser dunklen Jahreszeit, die Heimlichkeit um die Geschenke, die schön dekorierten Schaufenster in der Stadt und nicht zuletzt die Musik - die alten Weihnachtslieder - selbst gesungen natürlich und nicht in der Endlosschleife als Kaufhausatmo, all das verbinde ich mit dem Advent.

In nicht ganz so guter Erinnerung habe ich das alljährlich wiederkehrende Ritual des Baumaufstellens, am Vormittag des 24.12.. Jedes Jahr gab es Stress um diesen Baum. Mal war er schief gewachsen, mal nur schief aufgestellt, mal war er zu schütter, mal nadelte er zu früh, mal war er hässlich, mal zu groß - stets gleich blieb das Drama, das sich zwischen meinen Eltern abspielte. Einmal musste der Baum sogar an einem Heizkörper angebunden werden, um überhaupt einigermaßen sicher zu stehen. Mehrfach war unser Weihnachtsfrieden in Gefahr, ausgerechnet unmittelbar vor dem Kirchgang und der Bescherung.

Die besondere Atmosphäre des Heiligen Abends habe ich mehrfach in der Erlöserkirche, mitten in der Altstadt von Jerusalem besonders eindrücklich erfahren. Als Konfirmandin habe ich dort Christmetten erlebt, die unter Posaunenbegleitung mit dem gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern im Kreuzgang der Kirche fortgesetzt wurden. Mitten im arabischen Teil der heiligen Stadt begrüßten wir, Christen aus aller Welt, jeder in seiner Sprache, nur einen Steinwurf von Bethlehem entfernt, singend die Geburt Jesu. Noch heute, Jahrzehnte später, kann ich mich genau an diese Stunden erinnern. Diese gemeinsame Freude hat mich nachhaltig geprägt. Deshalb liebe ich den Advent und das Weihnachtsfest. Meinem kleinen Sohn versuche ich etwas davon zu vermitteln. Im Advent nehmen wir uns - trotz aller beruflicher Hektik - Zeit, um zu singen, zu basteln, zu backen und Weihnachtsgeschichten zu lesen. Eine kostbare Zeit, die ich nicht missen möchte - schon gar nicht unter Palmen.

Alexandra Prinzessin zur Lippe

Freie Journalistin

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.12.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr