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Wartungsintensiv und auch sonst unvollkommen: Kati Grasse gibt Tipps zur Männerdressur im Wechselbad

Wartungsintensiv und auch sonst unvollkommen: Kati Grasse gibt Tipps zur Männerdressur im Wechselbad

Dem blauäugigen Backfischalter erst mal entwachsen, weiß Frau, dass ein Mann pflege- und wartungsintensiv ist, dass er, der eben so vollkommen erschien, sich nun in der Ehe als unvollkommen herausstellt, und das nicht nur, weil sich die Leistungsfähigkeit des Gehörs auf mysteriöse Weise plötzlich um mindestens 80 Prozent vermindert hat, er überhaupt nicht reagiert, wenn er aufgefordert wird, den Müll runterzutragen.

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Kati Grasse und Robert Jentzsch

Es gibt zwei Wege, mit dem Problem, dass der Mann ist, wie er ist, umzugehen. Der eine: frau macht, sofern sie sich nicht zur Rückgabe entschließt, Kompromisse. Der zweite, deutlich häufiger angewendete Weg: Sie akzeptiert, dass der Mann kein Fertigprodukt, sondern ein Rohstoff ist, als solcher aber immerhin veredelbar. Wie frau das macht, das beschrieb frank und frei Katja Kessler in ihrem Bestseller "Das Schatzi-Experiment oder Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren", einem Buch, mit dem anders als im Falle von Esther Vilars antifeministischer Kampfschrift "Der dressierte Mann" von 1971 sogar die Emanzenfraktion leben konnte.

An Kesslers Werk im Titel angelehnt ist Kati Grasses neues Programm "Wie dressiere ich meinen Mann", das von Ulrich Schwarz am Wechselbad so in Szene gesetzt wurde, dass der Abend nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer kurzweilig wird. Dass sowohl längeres hartnäckiges Schweigen wie Tränen probate weibliche Dressurmittel sind, weiß man als Mann ja durchaus, aber man schmunzelt über die Art und Weise, wie Grasse das einem bestätigt. Letztlich hält sich der Mann dann doch wieder an die geläufige Maßgabe: Eine Frau, die schweigt, soll man nicht unterbrechen! Und das Klischee, dass Männer, jedenfalls die heterosexuellen, keine Geschenke einpacken können, wird sich in nicht mal zwei Monaten zu Weihnachten wieder mal in vielen Haushalten bestätigen.

Das Programm ist gespickt mit vielen flotten Sprüchen, etwa der Ahnung Heidi Kabels, die sich sicher war: "Die Emanzipation ist erst dann völlig abgeschlossen, wenn eine völlig unfähige Frau in der höchsten Führungsposition ist!" Wir gehen jetzt mal davon aus, dass sie da nicht an Margot Käßmann und Hannelore Kraft gedacht, die Emanzipation noch als ausbaubar erachtet hat. Nicht alle Sprüche und Pointen sind umwerfend neu, aber bis auf zwei, drei Längen stimmt die Mischung. Eingebaut in das Programm sind zudem etliche Lieder, die Grasse zu Gehör bringt, musikalisch am Klavier begleitet von Robert Jentzsch, der als zu dressierender "Ehemann" zwar zähneknirschend, aber letztlich brav als Musterbeispiel gelungener Dressur allem nachkommt, was die Aktrice an ausgefallenen Wünschen so äußert. Musikalisch liegt mal ein Hauch von Schlagerkitsch, dann wieder von Herbert Grönemeyers Männner-Song in der Luft, und schließlich, ganz sacht angedeutet, das Je t'aime ... moi non plus-Lustgestöhn von Jane Birkin aus dem Jahr 1969. Sehr schön, weil irgendwie fast schon philosophisch-weise, ein Lied mit dem Refrain "Das Leben ist ein toter Fisch, es hält fast nie, was sich der Mensch verspricht!". Wohl wahr.

Es ist beileibe nicht so, dass sich da Gag an Gag reihen würde. Es gibt auch nachdenkliche Töne, etwa über das Alter. Haben Frauen erst Mal ein gewisses Alter erreicht, dann müssen sie, wie Grasse genervt vermittelt, konstatieren, dass der Mann ihr nicht mehr aufs Dekolleté, sondern ins Gesicht schaut. Und dann auch noch zuhört. Das mit der Dressur ist letztlich eine zweischneidige Sache. Das durchaus gelegentlich auf Sex, nicht Sport im Bett erpichte Weib in Grasse fragt zu Recht: "Wie soll er nachts den Säbelzahntiger in sich entdecken, wenn man ihn tagsüber zum Hamster abgerichtet hat?" Und so überrascht es denn auch nicht weiter, dass die mit Applaus nicht geizende Zuhörerschaft am Ende mit einem Loblied auf den unvollkommenen Ehemann auf den Heimweg geschickt wird. Christian Ruf

Nächste Vorstellungen: 8., 17. und 23.11., jeweils 20 Uhr, Wechselbad

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2012

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