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War das nicht gerade Dieter Moor - Der Dresdner Daniel Scholz fotografierte prominente Gesichter und zeigt die Bilder in einer kleinen Ausstellung...

War das nicht gerade Dieter Moor - Der Dresdner Daniel Scholz fotografierte prominente Gesichter und zeigt die Bilder in einer kleinen Ausstellung in der Neustadt

Es ist Samstag Mittag, man schlendert langsam durch die Alaunstraße, ist auf dem Weg zum Brunch mit Freunden, vielleicht auf einem Spaziergang.

Von Anne Nitzpan

Und fast zwangsweise kommt man am Haus mit der Nummer 29 vorbei. Im Augenwinkel blitzt da auf einmal ein bekanntes Gesicht im Fenster auf. "Ist das nicht dieser Schauspieler? Und dann beim Weitergehen kommt die Erleuchtung, "Ja, richtig, das war doch Dieter Moor. Was macht der hier in der Neustadt?" Kein Zweifel, dort hängt ein Portrait von ihm. Also betritt man aus Neugier durch die offen stehende Tür das Innere des Hauses. Und siehe da, von den Wänden blicken noch weitere bekannte Gesichter herab: Will Smith, Quentin Tarantino, Ulrich Wickert, Nina Hagen... Ja, es ist erstaunlich, wer hier so alles hängt.

Genau so hat es sich Daniel Scholz, vorgestellt. Er will die Besucher überraschen. Der gebürtige Dresdner hat also weder viel Werbung für seine Ausstellung "Portraits-Arbeiten aus den letzten 15 Jahren" gemacht, noch verlangt er ein Eintrittsgeld. Die Leute sollen einfach kommen, gucken, und sich ihre eigenen Gedanken zu den 44 Bildern machen, die an den Wänden der zwei Ausstellungsräume hängen. "Das ist doch viel spannender, als wenn man vorher schon weiß, was einen erwartet", erklärt der gelernte Fotograf. Genauso wie die meisten seiner Bilder eher durch einen Zufall entstanden sind, haben auch mehrere glückliche aneinandergereihte Ereignisse zu der Ausstellung geführt.

Am Anfang stand die Leidenschaft für Fotografie. Mit 12 bekam Daniel Scholz seine erste Kamera, mit 15 begann er für verschiedene Skate- und Snowboardmagazine Bilder zu machen. "Ich bekam damals kein Geld, sondern durfte aus der ersten Reihe bei den Skateboardweltmeisterschaften dabei sein. Manchmal gabs auch einfach einen Pulli oder ich hab bekannte Skate- und Snowboarder bei einer ,Session' (Trainingseinheit) fotografiert. Meine Helden mal von so ganz nahe zu sehen, das war Bezahlung genug", erzählt Scholz, während er auf seinem Computer nach der passenden Musik für den heutigen Ausstellungs-Abend sucht.

Mit 19 folgte eine Ausbildung zum Fotograf, anschließend zog Scholz für zwei Jahre nach England. Jetzt arbeitet er freiberuflich als Werbefotograf, ist mal in New York, mal in Paris oder Berlin. Und kommt doch immer wieder zurück nach Dresden. Hier fühlt er sich am wohlsten. "Dort draußen bin ich nur einer unter vielen, hier in Dresden kennt und schätzt man mich", erzählt er und fügt hinzu: "Und dadurch ist es letztendlich auch zu dieser Ausstellung gekommen."

Der Ausstellungsraum gehört nämlich einem Freund von Scholz. Ronny Haberland, der Besitzer des angrenzenden Ladens "i-Punkt", hatte hier einen Skateboardladen. Da das Haus mit der Nummer 29 jedoch bald abgerissen werden soll, musste Haberland damit ins Nebenhaus umziehen und so standen die Räume für ein paar Monate leer. "Ronny wusste, dass ich schon ewig Portraits sammle und schon länger eine Ausstellung plane und fragte mich, ob ich nicht die leerstehenden Räume kostenlos nutzen wolle. Ich war natürlich sofort begeistert." Auch die Rahmen, in denen die Bilder hängen, sind Produkt einer Freundschaft. Und zwar mit dem Dresdner All-Round-Künstler Holger John, der Scholz noch einen Gefallen schuldete.

"Ich hab ziemlich viele solcher Geschichten auf Lager, in denen einfach das eine zum andern kam", meint Scholz, als er langsam durch die Galerie schlendert und vor dem Bild von Will Smith stehenbleibt. "Das Foto hier ist entstanden, als ich gerade einen Freund in New York besuchte und ziellos durch die Straßen geschlendert bin. Auf einmal befand ich mich inmitten einer riesigen Menschenmenge. Um uns herum waren Panzer und Männer in Tarnanzügen und ich war im ersten Moment ziemlich perplex. Dann hat mir einer erzählt, dass hier gerade ein neuer Film mit Will Smith gedreht wird." Insgesamt zwei Stunden hat sich Scholz am Filmset von "I am Legend" auf die Lauer gelegt. Dann, ein perfekter Moment und das Bild des Superstars ist im Kasten. "Eigentlich brauche ich relativ viel Ruhe und Zeit, um ein gutes Bild zu machen. Deshalb bin ich auch nicht Presse-, sondern Werbefotograf geworden. Aber an dem Filmset hatte ich wohl einfach Glück", sagt er.

Ebenfalls aus einem Zufall heraus entstand das Bild von Anton Corbijn. Im Albertinum entdeckte Scholz den berühmten Fotografen und Filmregisseur, sprach ihn an und erzählte kurz von seiner Leidenschaft für Portraitfotos. "Corbijn muss wohl irgendwie gemerkt haben, dass ich es ernst meine. Auf jeden Fall hat er sich zehn Minuten genommen, um für mich Modell zu stehen", erzählt Scholz lachend. Damit war die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Da Corbijn eng mit der Band U2 zusammenarbeitet, war zufällig der Bandmanager, Paul McGuinness auch mit von der Partie. "Mc Guiness machte mit seinem Handy ein Foto von mir, wie ich Corbijn fotografiert habe. Ich fragte ihn also, ob er mir das Bild schicken könne." Mc Guiness erkundigte sich nach Scholz' E-Mail-Adresse und sendete ihm den Schnappschuss noch an Ort und Stelle "Das ist die Geschichte, wie ich die E-Mail-Adresse vom Manager von U2 bekam", meint Scholz grinsend.

Weiter geht's durch die Galerie, vorbei an einem Portrait des deutschen Supermodels Eva Padberg, hier fast ungeschminkt. "Eva habe ich für ein Interview fotografiert. Das Bild hier hat mir am besten gefallen, weil sie in dem Moment ganz da war, ganz echt."

Vor einem Bild verfinstert sich die Miene von Scholz auf einmal. "Ich habe das Bild ganz in die Ecke gehängt, weil ich eigentlich nicht ganz zufrie- den damit bin. Aber irgendwie musste es trotzdem mit in die Ausstellung." Das Bild, dass in Scholz so zweigeteilte Gefühle auslöst, ist ein Portrait von Regisseur Quentin Tarantino mit halb aufgeknöpftem Hemd, und milde ausgedrückt, leichten Spuren einer langen Nacht im Gesicht. "Um Tarantino zu fotografieren, war ich in Berlin zur Filmpremiere von "Death Proof". Bei der Aftershow-Party hab ich etwas zu tief ins Glas geblickt, so dass diese Aufnahme erst um fünf Uhr morgens, in einem nicht mehr ganz zurechnungsfähigen Zustand entstanden ist. Im Nachhinein habe ich mich wirklich geärgert, aber ich hatte eben selbst Schuld ", meint Scholz zerknirscht.

Wer mag, kann Daniel Scholz und seinen Portraits noch bis zum 27. Mai einen Besuch abzustatten. Die Galerie ist immer dann geöffnet, wenn er gerade nicht arbeiten muss. Also einfach mal vorbeilaufen, wenn man gerade sowieso in der Neustadt unterwegs ist.

www.foturama.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2012

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