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Wach und unverfälscht - Die Fotografin Evelyn Richter wird 85 Jahre alt

Wach und unverfälscht - Die Fotografin Evelyn Richter wird 85 Jahre alt

Egal, wann oder wo man ihr begegnet, zu welcher Jahreszeit und in welcher Situation - es ist immer wieder wunderbar anregend und zugleich ein Vergnügen, mit Evelyn Richter ins Gespräch zu kommen.

Die mit ihren heute 85 Jahren so unglaublich viel erlebt und ein waches Gedächtnis hat, höchst lebendig zu erzählen weiß von verrückten Begegnungen, Reisen, Konzerten, von Büchern und Bildern. Mit dieser Frau kann es einem nie langweilig sein, und mit ihr kann man lachen, bis die Tränen kommen. Selbst dann, wenn es ihr weniger gut geht, der Körper einfach streikt und sie kaum mehr viel zu lachen hat. Doch es lebt ein so unzerstörbarer Geist in ihr, und der hilft auch beim Überwinden.

Da muss man sich auch nicht wundern, wie es ihr immer wieder gelingt, mit einer ganz eigenen Energie und Hartnäckigkeit eine Schar von Freunden, Helfern, "Beauftragten" zu beschäftigen, um schließlich das zu erreichen, was sie gerade als Ziel, als Vorstellung vor Augen hat. Denn darauf steuert sie unbeirrbar zu, lässt sich durch nichts und niemanden aufhalten. Und es ist stets spannend zu erfahren, wie Evelyn Richter die Arbeiten anderer analysiert. Wobei sie beileibe kein neidischer Mensch ist, auch den Erfolg anderer auf eine erfrischende Art forciert, diese bestärkt, wenn sie Ermutigung brauchen, klar und aufbauend ist in ihrer Kritik. Das bezieht sich nicht allein nur auf ihre Leipziger Studenten, die ihrer unbequemen Professorin ein Leben eng verbunden geblieben sind. Sie hat auch vielen anderen, die es ihr wert waren, auf die Sprünge geholfen.

Eine eigenwillige, manchmal vielleicht auch schwierige, aber stets verblüffend wache Frau. Deren unzählige Arbeiten, von denen trotz vieler Bemühungen bis heute noch nicht alle gesichtet, ein- und zugeordnet sind, für die Kreativität und Eigenart der Fotografin sprechen. Seit 2009 gibt es als Kooperationsprojekt der Ostdeutschen Sparkassenstiftung mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig das Evelyn Richter Archiv, das über den Ankauf einen erheblichen Bestand beispielsweise ihrer bekannten Serien besitzt. Und man kann nur hoffen, dass es ein lebendiger Ort ist und bleibt, weil eben gerade ihre Werke immer auch ein Maß an Verfügbarkeit brauchen, möglichst wenig eingesperrt oder nur verwaltet werden sollten.

Manche Künstler treten ja bewusst zurück hinter ihre Schöpfungen. Andere wieder drängen an die Öffentlichkeit, verdrängen dabei geradezu die intensivere Wahrnehmung ihrer Werke. Evelyn Richter lässt sich weder der einen noch der anderen Gattung zuordnen. Sie ist überhaupt nicht vergleichbar mit irgendwem und irgendeiner Richtung. Obwohl es genug Schubladen gibt, in die man sie einzupassen sucht. Sie ist absolut ein Unikat, eine gewissermaßen singuläre Erscheinung. Und das trifft nicht nur für ihre Persönlichkeit, sondern auch für ihr umfangreiches, vielseitiges Werk zu, für all das, was sie in der künstlerischen Fotografie geschaffen hat.

Man muss also wirklich nicht auflisten, welche Ehrungen ihr bereits zuteil wurden, welche Ausstellungen zu sehen waren, welche Bücher erschienen sind. Es reicht allein schon, sich einmal mehr Arbeiten von ihr anzuschauen - ein Porträt, eine ungewöhnliche Stadtlandschaft, die Sicht auf den besonderen Moment. Wo man rätseln und sich hinein vertiefen kann, Außergewöhnliches entdeckt. Und solche Augenblicke, in denen man Evelyn Richter begegnet im Zwiegespräch mit ihren Bildern, vergisst man nicht. Wie beispielsweise auch in jener Auswahl "Schwarz-Weiss", die in der Galerie Drei der Dresdner Sezession 89 zu erleben war, die Ausstellung im Leonhardi-Museum oder in der Kreuzkirche ihre so beeindruckenden Russlandbilder. Sie ist eine Meisterin der hintergründigen Fotografie, spürt mit Leib und Seele, wo es etwas zu entdecken, zu erfassen, zu assoziieren gilt. Und das gelingt ihr auf eine leise, fast unaufgeregte Art und Weise. So, als seien diese Aufnahmen gemalt, komponiert, bewegt.

Was also wünscht man ihr, wünscht man uns allen gemeinsam zum 85. Geburtstag dieser unvergleichlichen Frau? Dass es ihr und uns mit ihr gut gehen soll, dass ihr wacher, politischer Geist, ihre Neugier und Beharrlichkeit, ihr Menschsein ohne Wenn und Aber und die so besondere Wahrnehmung bei uns allen für offene Augen, für wache Sinne und dafür sorgt, sich verantwortlich und zuständig zu fühlen.

"Sehnsuchtslandschaft" - die Galerie Friesen auf der Dresdner Basteistraße 3 zeigt als Hommage für Evelyn Richter vom 28. Februar bis 18. April Fotografien von Ursula Arnold, Christian Borchert, Werner Lieberknecht, Evelyn Richter, Gundula Schulze Eldowy und Klaus-Dieter Weber.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2015

Gabriele Gorgas

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