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Vorsicht Kunst! "sichtbetoNUNg"-Festival im Dresdner Goehle Werk

Vorsicht Kunst! "sichtbetoNUNg"-Festival im Dresdner Goehle Werk

Noch herrscht kreatives Chaos in den beiden Türmen und dem Langbau der ehemaligen Goehle-Werke in Dresden Pieschen. Überall liegen Kabelstränge herum, hängen Klebezettel, die die Räumlichkeiten den entsprechenden Künstlern zuweisen.

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Heinz Schmöllers Monumentalskulptur eines liegenden Hasen, der friedlich im Zentralwerk schläft.

Quelle: PR

Es hämmert und klopft. In einem kleinen Ausstellungsraum stehen zwei Einkaufswagen scheinbar nutzlos herum. Später werden sie Teil einer beweglichen Installation sein. Damit dies keiner missversteht, hängt an einem der Wagen zur Sicherheit ein großer Zettel: "Achtung Kunst! Bitte nicht benutzen."

Bis zur Eröffnung der neuneinhalbten "sichtbetoNUNg" gibt es noch viel zu tun. "Ein Haufen.Arbeit" hat die Künstlerin Teresa Novotny direkt in den Titel ihrer Arbeit integriert. Der kleine Raum ist fast bodendeckend mit Papierschnappern bedeckt, jenen Zeitvertreibern aus Kindertagen, mit denen "Himmel und Hölle" und andere Prophezeiungen orakelt wurden. Ein dicker Stapel bedruckten Kopierpapiers liegt noch bereit, aus dem die Künstlerin während der Ausstellung weitere Schnapper falten wird. Ein Haufen Arbeit eben.

Auch sonst ist schwerlich zu erahnen, was sehr bald zu sehen sein wird. Rund 40 bildende Künstler und 25 Performance- und Tanzprojekte bespielen von diesem Sonnabend bis Montag das gesamte Zentralwerk-Gelände. Eröffnet wird die "sichtbetoNUNg" am Sonnabend um 16 Uhr mit einem Festakt, ab 18 Uhr sind dann die Ausstellungsbereiche, Installationen und Performances offiziell zu besichtigen.

Das Festival hatte sich 2006 aus einer Initiative des FriedrichstadtZentral heraus gegründet. Zunächst ging es den Künstlern und Bewohnern der ehemaligen Buchbinderei in der Friedrichstadt darum, ihre Arbeits- und Wohnräume zu öffnen, ihr Kunstschaffen zu präsentieren. Nach und nach erweiterte sich ihr Spektrum, immer mehr Teile des Gebäudes wurden erobert. Schließlich wurden noch die letzten, mit Flutschlamm verschmutzten Räume nutzbar gemacht. Bis 2013 dann Schluss war, sie - wie sie selbst sagen - der Gentrifizierung zum Opfer fielen.

Ihr neues Domizil auf der anderen Elbseite, das Zentralwerk auf der Riesaer Str. 32, scheint nun - nach einigem Hin und Her - amtlich und an den drei Festivaltagen wohl zum letzten Mal in dieser brachliegenden Form für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ursprünglich als Munitionsfabrik Goehle-Werke erbaut mit unrühmlicher NS-Vergangenheit, wurde das Gebäude während der DDR-Zeit zur "Druckerei der Völkerfreundschaft" umfunktioniert und auch nach der Wende noch bis 1996 als Großdruckerei betrieben. Seitdem stand das Gebäude leer. Der Zahn der Zeit, hier und da unübersehbar durch Vandalismus unterstützt, nagte seitdem an allen Ecken. Dennoch sei das Gebäude besser in Schuss, als es auf den ersten Blick aussehe, erzählt Elisabeth Wulff-Werthner. Sie muss es wissen. Als Vereinsvorsitzende des FriedrichstadtZentral und Projektkoordinatorin der "sichtbetoNUNgen" ist sie auch mit den Planungen der genossenschaftlich koordinierten Zentralwerksanierung bestens vertraut. Vorsichtig prognostiziert sie eine mögliche Fertigstellung bis Ende 2016. Bis dahin sollen auf einer Gesamtfläche von über 4000 Quadratmetern zu einem Drittel Wohnräume und zu zwei Dritteln Atelier-, Arbeits- und Kreativgewerberäume entstehen. Angesichts der prekären Arbeitsraumsituation für Dresdner Künstler verwundert es dabei nicht, dass die Bewerberzahl bereits jetzt die Kapazitäten übersteigt.

An diesem Wochenende soll die "sichtbetoNUNg" noch einmal viel Öffentlichkeit auf das Zentralwerk lenken. Nicht ohne Grund haben sie das diesjährige Festival unter das Motto "es wächst" gestellt. Das intendiert die Migration von der Friedrichstadt ins Zentralwerk ebenso wie das Projekt selbst - ergebnisoffen, neugierig und inspirierend. Gewachsen ist auch die Zahl der teilnehmenden Künstler. Angezapft wurde das gesamte Netzwerk der letzten Jahre, aber auch neue und bekannte Gäste, wie etwa der Musiker Chris Immler (Sa, 21 Uhr) oder die Gruppe "Automat" mit Jochen Arbeit von der Band Einstürzende Neubauten (So, 16.30 Uhr). Da am Eröffnungssamstag, aber auch an den beiden folgenden Tagen verschiedenste Lesungen, Tanzperformances und Konzerte gleichzeitig stattfinden, empfiehlt Elisabeth Wulff-Werthner: "Es ist unmöglich, alles zu sehen. Da muss sich jeder seinen eigenen Plan stricken."

Am Sonntag wird es anlässlich des Tags des offenen Denkmals zudem Führungen auf dem Gelände sowie zum ehemaligen Außenlager des KZ Flossenbürg auf dem Heller geben. Letztere werden verknüpft mit Farbmarkierungsaktionen (ca. 11 und 14 Uhr), die den täglichen Weg der Zwangsarbeiterinnen zur Munitionsfabrik während der NS-Zeit auch längerfristig nachvollziehbar machen sollen.

Am Montag laden Ausstellung und einige Performances noch einmal zum entspannten Besuch ein. Das Samstagsticket für acht Euro (ermäßigt fünf Euro) gilt für das gesamte Wochenende. Wer nur am Sonntag oder Montag kommen möchte, zahlt fünf Euro.

Elisabeth Wulff-Werthner schickt noch einen Tipp mit auf den Weg: Der ehemalige Ballsaal auf dem Gelände ist nicht nur der zentrale Ort für Konzerte und Performances. Schon einige Tage vor der Eröffnung stolpert man in dem charmant-maroden Festsaal über eine fast sechs Meter lange, liegende Hasenskulptur des Künstlers Heinz Schmöller. "Den Hasen muss man gesehen haben. Er sieht aus, als würde er schlafen. Das passt zu unserem Motto. Man sagt ja, dass man besonders schnell wächst, wenn man schläft."

www.zentralwerk.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2014

Susanne Magister

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