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Vor der Neuinszenierung "Der fliegende Holländer" an der Semperoper Dresden: Interview mit Heldenbariton Markus Marquardt

Vor der Neuinszenierung "Der fliegende Holländer" an der Semperoper Dresden: Interview mit Heldenbariton Markus Marquardt

Ihren größten Beitrag zum Wagner-Jahr liefert die Sächsische Staatsoper Dresden mit einer Neuinszenierung der vor 170 Jahren in der Semperoper uraufgeführten Oper "Der fliegende Holländer".

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Markus Marquardt wird in der Neuinszenierung von Wagners Oper "Der fliegende Holländer" in der Semperoper die Titelrolle gestalten.

Quelle: Matthias Creutziger

Constantin Trinks steht am Pult der Sächsischen Staatskapelle, Florentine Klepper zeichnet für die Regie verantwortlich. In der Titelpartie ist Markus Marquardt zu erleben. DNN sprach mit dem Sänger.

Frage: Wer ist Ihnen näher: Verdi oder Wagner?

Markus Marquardt: Verdi und Wagner! Ich betrachte es als sehr großes Glück, sowohl das italienische, als auch das deutsche Repertoire singen zu können. Gleichwohl es mit dem Namen "Marquardt" natürlich näher liegend scheint, für das deutsche Fach engagiert zu werden!

Gibt es für Sie zwischen den beiden Komponisten große Unterschiede in der Herangehensweise im Rollenstudium?

Grundsätzlich ist die menschliche Stimme das einzige Instrument, das neben Tönen auch noch Text transportieren kann. Die Gewichtung dieser "Elemente" verlagert sich zwischen diesen beiden Komponisten. Während es bei Verdi vorerst um die musikalische Linienführung geht, wird eine Phrasierung bei Wagner durch das Wort eingeleitet.

Könnten das italienische Muttersprachler umkehren?

Nein! Es ist immer wieder zu beobachten, dass im italienischen Repertoire erst nach einer gesungenen Phrase auf die Szene reagiert wird. Die Prioritäten sind etwas verschoben, selbstverständlich dürfen bei beiden Komponisten weder Text noch Linienführung vernachlässigt werden!

Welche Schwierigkeiten birgt der "Holländer" in sich?

Die enormen Längen der Partie erfordern ein ökonomisches Haushalten mit den Kraftreserven! Mein erster "Holländer" liegt genau fünf Jahre zurück. Mit den konzertanten Aufführungen 2008 in Bremen konnte ich den Fachwechsel vom Bass zum Bassbariton bzw. Heldenbariton als erfolgreich vollziehen. Inzwischen habe ich die Partie auch in Stuttgart in einer Inszenierung von Calixto Bieito gesungen.

Was ist das Besondere der Dresdner Neuinszenierung?

Die Konzeption entwickelt sich bei Florentine Klepper aus einer Traumperspektive Sentas. Angesiedelt in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist Holländer das Hoffnungsbild Sentas, um von der dominierenden und unterdrückenden Männergesellschaft befreit, sprich erlöst zu werden. Der Holländer ist in dieser Inszenierung nicht real existent!

Zu Beginn dieser Spielzeit haben Sie in drei Monaten drei Rollendebüts realisiert: Nabucco in Leipzig, Giorgio Germont (La Traviata) an der Semperoper und Amonasro (Aida) an der Wiener Staatsoper. Wie bekommt man das studiert und organisiert?

Natürlich erfordern solche dicht aufeinanderfolgenden Aufgaben unzählige Stunden "Heimfleiß"! Am Beginn eines Rollenstudiums steht ein riesiger, kaum zu bewältigender Berg vor einem. Der Weg ist das Ziel: Wenn der Berg im- mer kleiner wird, kommt man langsam bei der Partie an. Der Prozess des "Auswendiglernens" erfordert ein hohes Maß an Disziplin und nimmt leider die meiste Zeit des Sängerberufs in Anspruch.

In der Planung der letzten drei Spielzeiten wurde von der verstorbenen Intendantin Ulrike Hessler im Repertoire wieder sehr stark auf ein festes Sängerensemble gesetzt. Haben Sie sich in dieser Konstellation am Haus wohlgefühlt oder erwarten Sie von der neuen Intendanz verstärkt internationale Sängerpersönlichkeiten?

Allein durch den Namen Christian Thielemann und seine Abende am Pult öffnet sich das Haus vermehrt für Stargäste. Ich finde es aber ebenso wichtig, ein funktionierendes Ensemble für das umfangreiche Repertoire zu pflegen. Es ist international betrachtet keine Selbstverständlichkeit, dass sich der Vorhang - wie an der Semperoper üblich - täglich öffnet. Es sollte die Aufgabe der neuen Intendanz darstellen, die richtige Mischung aus Gästen und einem hochkarätigen Hausensemble zu finden.

Was steht für die nächste Spielzeit in Ihrem Kalender?

Die nächste Saison beginnt erneut mit Verdi - ich werde hier am Haus mein Rollendebüt als Macbeth geben. Gefolgt von Wagners Wotan (Walküre) in Leipzig und dem Wanderer (Siegfried) in Stuttgart. Außerdem freue ich mich wieder auf "Aida" an der Staatsoper Wien und "Holländer" in Dresden. Abschließend erfolgt die erste Zusammenarbeit mit Christian Thielemann in "Simon Boccanegra" in der Rolle des Paolo.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2013

Tobias Kade

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