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Vor allem durch Kopien und die Druckgrafik verbreitete sich das Sujet der Sixtinischen Madonna

Vor allem durch Kopien und die Druckgrafik verbreitete sich das Sujet der Sixtinischen Madonna

"Die Sixtinische Madonna - Raffaels Kultbild wird 500!": Die DNN - Partner der großen Jubiläumsausstellung vom 26. Mai bis 26. August 2012 in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau am Zwinger - begleiten dieses Ereignis mit einer Serie, die von der Geschichte des Bildes, seiner Präsentation, seinem Ruhm bis hin zu seiner Vermarktung erzählt.

"Die Sixtinische Madonna - Raffaels Kultbild wird 500!": Die DNN - Partner der großen Jubiläumsausstellung vom 26. Mai bis 26. August 2012 in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau am Zwinger - begleiten dieses Ereignis mit einer Serie, die von der Geschichte des Bildes, seiner Präsentation, seinem Ruhm bis hin zu seiner Vermarktung erzählt. Heute widmet sich Sandra Schmidt, Ausstellungsassistentin, der künstlerischen Sixtina-Rezeption.

Der Mythos der Sixtinischen Madonna setzte nicht sofort nach der Ankunft des Bildes am 1. März 1754 in Dresden ein. August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, hatte sich über seinen Unterhändler Giovanni Battista Bianconi ab dem Frühjahr 1752 um den Ankauf des Gemäldes bemüht, da er den großen Wunsch hegte, ein Werk Raffaels, des Malerfürsten der Renaissance, zu besitzen, welches seine Bildersammlung aufwerten würde. Am 1. März 1754 wurde die Sixtinische Madonna im Audienzsaal des Dresdener Residenzschlosses präsentiert. Dass August III. seinen Thronsessel mit den Worten "Platz für den großen Raffael!" eigenhändig beiseite geschoben habe, weil er so glücklich über die Ankunft des Meisterwerkes gewesen sei, bleibt wohl eine Legende. Tatsächlich waren es zunächst wahrscheinlich eher Repräsentationsgründe gewesen, die den Besitz eines Raffael für die Königliche Gemäldegalerie am Neumarkt unabdingbar gemacht hatten, denn immer noch galt Correggios Heilige Nacht als Hauptwerk der Galerie. Anhand der Entwicklung der Präsentation der Sixtinischen Madonna in der Königlichen Gemäldegalerie lässt sich ihre Aufnahme sehr gut beobachten. Es sollte noch 60 Jahre dauern, bis sich Raffaels Gemälde gegen Correggios Heilige Nacht durchgesetzt hatte und ihr ab 1855 in der neu errichteten Sempergalerie ein eigener Raum für ihre Aufstellung zugewiesen wurde, wo sie fortan isoliert präsentiert wurde.

Johann Joachim Winckelmann würdigte die Sixtinische Madonna als einer der Ersten 1755 in seiner Publikation über die Nachahmung der griechischen Werke: "Die Königliche Gallerie der Schildereyen in Dresden enthält nunmehro unter ihren Schätzen ein würdiges Werck von Raphaels Hand, und zwar von seiner besten Zeit, wie Vasari und andere mehr bezeugen. (-) Sehet die Madonna mit einem Gesichte voll Unschuld und zugleich einer mehr als weiblichen Grösse, in einer seelig ruhigen Stellung, in derjenigen Stille, welche die Alten in den Bildern ihrer Gottheiten herrschen liessen. Wie groß und edel ist ihr ganzer Contour!".

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entdeckten die Vertreter der Romantik die Sixtinische Madonna für sich, glorifizierten die Frühromantiker den Künstler und sein Werk in Gedichten. Eine be- sondere Form des Raffael-Mythos bilde- te die Legende der Entstehung der Six- tinischen Madonna, 1821 dargestellt von den Malerbrüdern Franz und Johannes Riepenhausen. Die Komposition zeigt einen in tiefen Schlaf gesunkenen Maler, dessen Gesichtszüge an Raffael erinnern. Den Pinsel hält er noch in seiner Rechten, als ihm im Schlaf die auf Wolken stehende Madonna mit dem Kind auf dem Arm erscheint, umgeben von göttlichem Licht. Das Werk vermittelt den Eindruck, eine himmlische Vision habe Raffael zu seiner Bildidee geführt. Vor allem durch Kopien und die Druckgrafik verbreitete sich das Sujet der Sixtinischen Madonna. Den ersten Reproduktionsstich schuf Christian Gottfried Schulze um 1780 nach einer Zeichnung von Crescentius Seydelmann. Dieser sollte im dritten Band von Carl Heinrich von Heinekens Galeriewerk, dem Recueil d'Estampes d'après les plus célèbres tableaux de la Galerie Royale de Dresde, mit Stichen nach den berühmtesten Gemälden der Königlichen Gemäldegalerie erscheinen. Heineken war Sekretär und Vertrauter des Premierministers Heinrich Graf von Brühl und hatte die Oberaufsicht über die Gemäldegalerie. Da der Band zunächst aber nicht publiziert wurde, wurden die Stiche einzeln verkauft.

Eine besondere Wertschätzung in der Rezeption der Sixtinischen Madonna erfuhr der 1816 nach einer Zeichnung von Apollonia Seydelmann fertiggestellte Nachstich von Johann Friedrich Müller aufgrund der freien Strichführung, der feinen Schraffuren und Abstufungen von Licht und Schatten.

Auch das preußische Königshaus war durch Kopien an der Rezeption im 19. Jahrhundert beteiligt. Johann Friedrich Bury, ein Schüler Anton Wilhelm Tischbeins, ließ sich nach seiner Ausbildung an der Akademie in Düsseldorf und einem Aufenthalt in Rom, wo er die Antike studierte, im Jahre 1801 in Berlin nieder. Er unterrichtete dort die Schwestern von König Friedrich Wilhelm III., Wilhelmine von Oranien und Auguste von Hessen-Kassel in der Malerei. Die preußische Kurprinzessin war die Gemahlin des hessischen Kurprinzen Wilhelm, der ab 1821 als Kurfürst Wilhelm II. regierte. Bury stellt sie vor der Staffelei sitzend beim Kopieren der Sixtinischen Madonna von Raffael dar. Der Bildausschnitt ist doppelsinnig zu verstehen. Bildmotiv und Porträt der Malerin sind aufeinander bezogen, indem der Kopf Augustes die Madonna verdeckt. Damit nimmt sie gleichsam einerseits im übertragenen Sinne deren Stelle als Gottesmutter ein. Zugleich wird ihre eigene Mutterrolle betont. Andererseits tritt sie aber auch an die Stelle Raffaels und in die Tradition des heiligen Lukas, denn sie präsentiert sich als Madonnenmalerin. Mit diesem Porträt charakterisiert Bury die Kurprinzessin, mit der er Zeit seines Lebens einen regen Briefwechsel unterhielt, als selbstbewusste Malerin.

Das Bildnis der Muttergottes war Ideal- und Identifikationsbild der preußischen Prinzessinnen. Luise von Mecklenburg-Strelitz hatte Friedrich Bury bereits 1802 beauftragt, eine Kopie der Sixtinischen Madonna in Originalgröße anzufertigen, welche sie ihrem Gatten, König Friedrich Wilhelm III., für sein Studienzimmer im Kronprinzenpalais in Berlin schenkte. Ein Gemälde von Leopold Zielke zeigt den preußischen Herrscher im roten Eckzimmer an seinem Schreibpult sitzend und darüber die Kopie von Bury. Der Maler Bonaventura Genelli, dessen Vater mit Friedrich Bury befreundet war, berichtete in seinen Lebenserinnerungen über den Besuch der Auftraggeber im Atelier des Künstlers: "Ein Freund des Vaters, Büry, hat eine Copie nach Rafaels sixtinischer Madonna in seinem Hause aufgestellt. Das Bild zu betrachten sind kunstsinnige Damen erschienen; vom Zauber der himmlischen Jungfrau gerührt, stimmen sie zu ihrem Preise ein Lied an, dem der Künstler bescheiden zurücktretend, mit Entzücken lauscht". Genelli selbst war als Kind bei der Präsentation der Kopie in Berlin zugegen. Bei der Festveranstaltung zum 300. Todestag Raffaels am 18. April 1820, bei der auch das preußische Königshaus vertreten war, wurde die Kopie Burys der Sixtinischen Madonna zum ersten Mal in der Berliner Akademie an zentraler Stelle, an der Stirnwand des Saals, ausgestellt, flankiert von Kopien nach der Madonna di Foligno und der heiligen Cäcilie, was die Bedeutung des Gemäldes unterstreicht. Ihren endgültigen repräsentativen Aufstellungsort bekam sie 1858 im neuen Raffael-Saal in der Orangerie von Schloss Sanssouci in Potsdam. Insgesamt schmücken dort 50 Kopien nach Raffael-Gemälden und Fresken den Saal.

Gerhard von Kügelgen, Professor an der Kunstakademie in Dresden, Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Künste in Berlin und der Kaiserlich Russischen Akademie der Künste in St. Petersburg, malte zwischen 1808 und 1816 mehrere Kopien und Teilkopien der Sixtinischen Madonna. Darunter befand sich eine dem Original gleichgestellte, heute verschollene Version für sein Wohnhaus in Dresden, das ein beliebter Treffpunkt von Künstlern und Dichtern wie Johann Wolfgang von Goethe und Caspar David Friedrich war. Kügelgens Sohn Wilhelm schrieb dazu in seinen Lebenserinnerungen: "In dem geräumigen Wohnzimmer meiner Mutter stand ein schönes Bild, das auf einigen Stufen erhöht, den mittleren Teil der Hauptwand fast bis zur Decke füllte. Es war dies eine Kopie des berühmten Dresdener Raphael [-]. Seinen vollen Zauber entfaltete es am Weihnachtsabend, wenn die vielen Kerzen brannten und das magisch beleuchtete, wie von innerem Licht durchglühte Bild zu leben schien".

Zu den verschiedenen Drucktechniken kamen neue Medien, wie die Fotografie. Der Dresdner Fotograf Hermann Krone fertigte bereits 1850 eine Daguerreotypie der Sixtinischen Madonna an, die früheste fotografische Dokumentation eines Dresdner Kunstwerkes. Die 1862 gegründete Photographische Gesellschaft Berlin reproduzierte den Bestand der Dresdner Gemäldegalerie und veröffentlichte rund 300 Werke in Form von großen Fotomappen.

Durch die Reproduktionsgrafiken und Kopien wurde die Sixtinische Madonna oder das "erste Bild der Welt", als welches der Arzt und Maler Carl Gustav Carus sie 1857 bezeichnete, einem breiten bildungsbürgerlichen Publikum bekannt gemacht und blieb nicht nur den Gelehrtenkreisen vorbehalten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.07.2012

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